Karmann Unikate


Eines der berĂŒhmtesten deutschen Karosseriebau Werke war mit Sicherheit die in OsnabrĂŒck ansĂ€ssige Firma Wilhelm Karmann GmbH. Im August 1901 von Wilhelm Karmann gegrĂŒndet, baute Karmann neben eigenen Gesamtkarosserien fĂŒr verschiedene Fahrzeughersteller vor allem Cabriolets und CoupĂ©s auf der Basis von Serienmodellen auf. Insgesamt wurden bei Karmann ĂŒber drei Millionen Fahrzeuge produziert.

p1260297Zu den wohl berĂŒhmtesten Fahrzeugen gehören die auf dem Volkswagen KĂ€fer Typ 1 basierenden Karmann Ghia Modelle. Doch, bevor es zu diesen formschönen Serien-Sportwagen kam, wurden einige Sonderkarosserien als Studien gefertigt. Das eigentliche Design des Karmann Ghia Typ 14 entstammt der Feder des italienischen Designers Sergio Sartorelli aus dem Hause Ghia, einer italienischen Karosserie-Schmiede. Doch wurden natĂŒrlich auch immer wieder Studien gezeichnet, die die Design Evolution des ab 1954 gebauten Karmann Ghia neu gestalten sollten.

So wurde auch 1965 eine neue Studie fĂŒr das Karmann Ghia Kabriolet entworfen. Wieder einmal ging der Auftrag fĂŒr diese Studie zu Ghia in Italien. Heraus kam ein ganz besonderes EinzelstĂŒck, das durch seine fĂŒr die 1960er Jahre sehr modernen Linien besticht. Die Karmann Ghia Typ 1 Studie kam nun sehr sportlich und mit kantigen Linien daher. Die Front lĂ€uft keilförmig in die schrĂ€g liegende Scheinwerfer-Front aus. Das Frontfenster ist sehr flach gelegt und die Fahrerkabine ist auf jeder Seite mit einem Überroll-BĂŒgel versehen. Das Dach verschwindet völlig und gibt nach hinten einen uneingeschrĂ€nkten Blick frei. Da es sich bei der Karmann Ghia Typ 1 Studie um ein reines Konzeptfahrzeug handelte, hatte man am Heck die beiden Seitenpartien unterschiedlich gestaltet. Auf der Beifahrerseite setzte man fĂŒr die Luftzufuhr in den Motorraum Keimen artige Lufteinlass-Sicken, wĂ€hrend man auf der Fahrerseite zwei große Lufteinlass-Schlitze einsetzte. Auch die TĂŒrgriff Eingriffe sind auf beiden Seiten unterschiedlich gestaltet und an die LufteinlĂ€sse angeglichen. Auf der Fahrerseite findet man das Ghia Emblem hinter der FahrertĂŒre, auf der Beifahrerseite in der Höhe der A-SĂ€ule. Die Karmann Ghia Typ 1 Studie wurde nie gebaut.

Die Studie verschwand, wie auch weitere Prototypen und Studien fast 40 Jahre lang in einem Lager, bis Volkswagen die Fahrzeuge nach der Übernahme im MĂ€rz 2011 auf dem ehemaligen Karmann GelĂ€nde in einer Sammlung zusammenstellte.

Vom 3. Bis 5. Februar können die Karmann Ghai Typ 1 Studie und einige dieser Fahrzeuge auf der Bremen Motorshow bestaunt werden. Ausgestellt werden einige fast noch nie gesehene Exponate aus der OsnabrĂŒcker Karmann Sammlung, wie der formale Archetyp des VW Karmann-Ghia von 1953, der im Konzeptstadium verworfene „CoupĂ©-KĂ€fer“ (1962), der „große Karmann“ Typ 34 als 1965er EinzelstĂŒck 1600 TL mit Fließheck, die exotische Sportwagen-Stilstudie Typ 1 Cabriolet von 1965. Diese und weitere kaum bekannte Denkmodelle, die Karmann einst fĂŒr seinen Großkunden kreierte, dĂŒrfen an der Weser endlich bewundert werden.

Daneben sorgen ein paar Exponate fĂŒr Überraschungsmomente ganz anderer Art; wer weiß schon, dass Karmann damals auch fĂŒr Volkswagens grĂ¶ĂŸten Konkurrenten Opel arbeitete? Zeugnisse sind die Cabrio-Prototypen der Opel-Typen Commodore (1967) und Manta (1970) – neben dem ehemals schnellsten deutschen Serienauto, dem extrem seltenen Opel Diplomat CoupĂ© von 1965, der ebenfalls das PrĂ€dikat „Made in OsnabrĂŒck“ trĂ€gt. Der „Pik As“, die 1973 gestaltete Vision eines rassigen Audi-SportcoupĂ©s, bildet schließlich das chronologische Finale des Feuerwerks.

FOTOS: Kay MacKenneth