Pulverbeschichtung an Fahrwerkteilen


In dieser Folge beschreiben wir das Verfahren des Pulverlackierens an Fahrwerksteilen.


Im oberen Teil des Federbeins hatte sich sehr viel Schmutz angesammelt, der zuerst einmal gelöst und herausgewaschen werden musste. Alle Teile mĂŒssen im nĂ€chsten Schritt grĂŒndlich gereinigt und entrostet werden, denn fĂŒr das Pulverlackieren muss die OberflĂ€che des Teils absolut lack-, rost- und fettfrei sein. Eine unzureichend ausgefĂŒhrte OberflĂ€chenvorbereitung kann zum Ablösen des Pulverlacks fĂŒhren oder Krater bilden, in denen sich wieder Rost bildet.

Deshalb wurden alle Teile zuerst einmal mit dem Monti Stabblaster komplett entrostet und anschließend komplett entfettet. Nur leicht betroffene OberflĂ€chen wurden mit der 3M Bristle Disc bearbeitet. Auch damit erreicht man ein sehr gutes Resultat und eine blanke OberflĂ€che.

FĂŒr die weitere Bearbeitung der Teile mĂŒssen alle Gewindeöffnungen, Bohrungen und FlĂ€chen, die einer Druckverschraubung dienen, geschĂŒtzt werden. In die Gewinde werden beidseitig entsprechende Schrauben eingesetzt. Die FlĂ€chen werden entweder abgeklebt oder durch eine große Beilag Scheibe geschĂŒtzt.

Da wir ganz sicher gehen wollen, dass keinerlei RĂŒckstĂ€nde vorhanden sind, werden alle Teile noch einmal mit feinem Korund gestrahlt. Bevor man die Teile strahlt, sollte jeglicher Schmutz, Fett- und ÖlrĂŒckstand entfernt sein, denn diese RĂŒckstĂ€nde im Strahlgut können die OberflĂ€che erneut verschmutzen.

Jetzt können die Teile Pulverlackiert werden. Dazu wird jedes Teil einzeln in die PulversprĂŒhkabine aufgehĂ€ngt. Die einzelnen Teile fassen wir nach dem Sandstrahlen nur noch mit medizinischen Einmalhandschuhen an, damit kein Fett von den Fingern auf die OberflĂ€che gelangt. Nach dem Sandstrahlen wird dia OberflĂ€che noch mit Bremsenreiniger benetzt und final entfettet.

Das Pulverbeschichten fĂŒhren wir beim MakerSpace der UnternehmerTUM in Garching bei MĂŒnchen durch. Hier können Mitglieder nach einer kurzen Einweisung alle GerĂ€te, wie auch die Pulverbeschichtungs-Kabine und den Ofen benutzen.

Pulverbeschichtung geschieht durch eine elektrostatische Aufladung. In der PulversprĂŒhpistole werden die Pulverlackpartikel durch eine Hochspannung von 30 bis 100 KiloVolt ionisiert. Dies geschieht in einem Kanal der ring- oder spiralförmig an der Spannungsquelle vorbeilĂ€uft. Die geladenen Partikel werden durch Druckluft beschleunigt und ĂŒber die FlachstrahldĂŒse in einer Wolke verteilt. Die umgebene Luft wird dadurch ebenfalls geladen. Da das WerkstĂŒck geerdet ist, nimmt diese die geladenen Partikel auf. So lange, bis die Ladung nicht mehr durch die aufgetragene Schicht hindurchdringen kann. In diesem Fall entlĂ€dt sich das Pulver und fĂ€llt herunter. So lĂ€sst sich die SchichtstĂ€rke steuern. Die richtige Applikation erfolgt in dem ausgeprĂ€gtesten Bereich der Pulver-Wolke. Nimmt man die Pulverlackierpistole zu weit vom Objekt weg, kann es passieren, das sich das Pulver auf die Person absetzt, die lackiert, da in diesem Moment sie die grĂ¶ĂŸere statische Aufladung hat.

Die pulverlackierte Schicht liegt in der Regel etwa bei einer maximalen Schichtdicke von etwa 60 bis 150 ”m. Die Dichte ist an den Kanten und RĂ€ndern meistens höher. Ein Vorteil fĂŒr den Rostschutz, jedoch ein Nachteil bei einer erwĂŒnschten Passgenauigkeit. Daher die eingangs erwĂ€hnten Vorbereitungen an Gewinden, Bohrungen und PassflĂ€chen.

 

Nachdem das Pulver aufgetragen wurde, muss das WerkstĂŒck in den Ofen und dort eine vorgegeben Zeit verweilen, damit sich das Pulver einbrennt. In unserem Fall teilweise 40 Minuten bei 200 ° Celsius. Je dicker das WerkstĂŒck, desto lĂ€nger die Brennzeit, denn das Metall muss sich erst einmal durchgehend erhitzen.

 

Nach dem AbkĂŒhlen ist das WerkstĂŒck nun fertig fĂŒr die Montage. Die nĂ€chsten Jahre dĂŒrfte so das Fahrwerk gut vor Rost geschĂŒtzt sein.