Oldtimer Wartung – Kunststoff Scheinwerfer polieren


Scheinwerfer und Scheinwerfer Abdeckungen aus Kunststoff gab es bereits in den frĂŒhen 60er Jahren. Werden sie stumpf, wird dies zum Problem – nicht nur, weil die QualitĂ€t des Nachtfahrlichts darunter leidet, sondern auch bei der technischen Abnahme.

Sehen Sie hier das Video ĂŒber das Polieren von Oldtimer Kunststoff-Scheinwerfer

Die Scheinwerfer in unserem Arbeits-Beispiel wurden fĂŒr Lackierarbeiten mit einem Kreppband abgeklebt. Vermutlich war das Klettband bereits etwas Ă€lter und so dampften die Lösungsmittel des Klebemittels aus und löste das Acryl an. Die Folge: eine TrĂŒbung. Der Besitzer versuchte schließlich die TrĂŒbung mit einem Lösungsmittel zu beseitigen – mit fatalen Folgen: die Scheinwerfer erblindeten komplett.
Weiß der Fachmann Rat? Wir fanden ihn im Fachspezialisten Herrmann fĂŒr KFZ Aufbereitung, MĂŒnchen. Hier rĂŒckte man dem Problem auf die Pelle.
Der Spezialist klebt den Lack rund um den Scheinwerfer mit einem Streifen Panzerband ab. Das wird den Lack beim Schleifen und Polieren schĂŒtzen.
Mit einem Rotationsschleifer (Schwung etwa 0,3 mm) wird mit einem 250er Schleifpapier die gesamte OberflĂ€che des Scheinwerfers ohne großen Druck abgeschliffen. Die OberflĂ€che muss absolut plan sein. Durch das Anlösen des Plexiglases haben sich einige Unebenheiten gebildet. Ob die FlĂ€che absolut plan ist, sieht man im besten Falle wenn der Schleifstaub mit Druckluft abgeblasen wird. Eventuell muss die gesamte OberflĂ€che nochmals geschliffen werden.
Nun wird schrittweise das Acrylglas mit immer feiner werdenden Schleifpapier-Graden herunter geschliffen. Es wird immer nur mit leichtem Druck gearbeitet. FeinfĂŒhlig „tastet“ sich der Experte dem Ergebnis nĂ€her. Es folgt noch ein Trockenschleifen mit einem 400er Papier. Anschließend beginnt die echte Handarbeit, die nun wirklich Ausdauer fordert. Mit einem 800er Schleifleinen wird das Glas gleichmĂ€ĂŸig in rotierenden großzĂŒgigen Bewegungen nass abgeschliffen. Zu langes Schleifen an einer Stelle sollte unbedingt vermieden werden, da sich ansonsten Unebenheiten bilden. Das Schleifleinen sollte auch immer glatt aufliegen und keinerlei Falten oder Knicke bilden.

 


Bevor nun auf das nĂ€chste feinere Schleifleinen gewechselt wird, muss der Scheinwerfer grĂŒndlich vom Schleifstaub gereinigt werden. ZurĂŒckbleibende Schleifkörner können neue Kratzer verursachen.
Nun wird auf ein 1000er Schleifleinen gewechselt. Die Schleifrichtung wird nun entgegen zu der vorhergehenden Richtung geĂ€ndert. Damit erreicht man ein noch viel feineres Schleifbild. Nach dem erneuten Reinigen des Scheinwerfers erfolgt noch ein letzter Nass-Schleif-Durchgang mit einem 2000er Schleifleinen. Jetzt beginnt man zu erkennen, dass sich die MĂŒhe lohnt und das Scheinwerferglas wieder glatt und durchsichtig wird.
Im nĂ€chsten Schritt steigt der Fachmann wieder auf den Rotationsschleifer um und schleift die Scheibe nass mit einem 3000er Schleifschwamm. Auch hier wird das Acrylglas nur mit weichen kreisenden Bewegungen ohne viel Druck abgeschliffen. Dies schafft nun die Basis fĂŒr das anschließende Polieren. Nochmals wird nun der Scheinwerfer gut abgewaschen und getrocknet.
Den allerletzten Schliff bringt das Polieren mit einer Schleifpolitur. Der Profi trĂ€gt die Polierpaste auf einen weichen Polierschwamm auf und lĂ€sst die Maschine erst einmal langsam anlaufen. Erst wenn sich die Polierpaste in einem leichten Film ĂŒber die gesamte Scheibe verteilt hat, steigert er die Rotationsgeschwindigkeit der Poliermaschine. Zu schnelles Rotieren der Schleifscheibe oder das Verharren auf einer Stelle fĂŒhrt zu einer erheblichen Erhitzung des Acryl Glases und im schlimmsten Fall zum Schmelzen des Acryls. Daher sollte die Rotation nicht höher als 800 U/min gewĂ€hlt werden. Wichtig: beim Polieren darauf achten, dass die Maschine in großen ZĂŒgen mit leichtem Druck ĂŒber das Glas gefĂŒhrt wird.
Die matte FĂ€rbung des Acryl-Glases verschwindet nun immer mehr und das Glas wird klar. Der Polierdurchgang kann durchaus noch zwei bis dreimal wiederholt werden. Im letzten Zug wird das Glas mit einer extrem feinen Politur mit UV Schutz aufpoliert. Das Resultat: Ein glasklarer Scheinwerfer.