Wartung – Folierung eines Oldtimers


Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Robert Rauschenberg – der Texanische KĂŒnstler James Francis Gill ist eine der letzten lebenden GrĂ¶ĂŸen der Pop Art Culture.

Seine Werke hĂ€ngen in weltberĂŒhmten Museen wie dem MOMA in New York, schmĂŒcken Wohnungen von MillionĂ€ren oder – wie in diesem Fall – zieren einen klassischen Volkswagen Mexiko KĂ€fer von 1969, den der KĂŒnstler erst kĂŒrzlich fĂŒr seine Weltpremiere auf der Retro Classics signierte. Das erste Art Car, ebenfalls ein Volkswagen KĂ€fer, war bereits wĂ€hrend einer Ausstellung zu James Francis Gill Werken im MAC Museum Singen zu sehen.
Als Basis fĂŒr den Art Car diente ein Chinchilla-grauer Volkswagen KĂ€fer, was den KĂŒnstler dazu bewegte, diesem Art Car den Spitznamen „Gillchilla“ zu geben. Im Vorfeld wurde das Design mit Gill anhand von 3D Visualisierungen abgestimmt. Denn fĂŒr die Folierung des Fahrzeugs war es wichtig, zu wissen an welche Stelle welches Kunstwerk aufgebracht wird. Von den Werken wurden herkömmliche digitale Repros angefertigt und anschließend am Rechner entsprechend vorbereitet.
Die eigentliche Folierung wurde von der Firma 3M gesponsert und in Neuss bei der Firma Creativ Connection durchgefĂŒhrt. Die enorme Leuchtkraft erhĂ€lt die Folie durch ein spezielles Druckverfahren und eine Laminatschicht, die die Folie zusĂ€tzlich schĂŒtzt.
Durch die starken Wölbungen und Rundungen am Fahrzeug war die Beklebung eine echte Herausforderung. Begonnen wurde mit der Folierung des Hecks mit dem Motiv von Mick Jagger, denn dieses stellte sich als am kompliziertesten heraus.
Zuvor muss allerdings die Lack-OberflĂ€che grĂŒndlich gereinigt werden. Silikon, Fett und WachsrĂŒckstĂ€nde wĂŒrden die Klebeeigenschaft der Folie negativ beeinflussen. Deshalb wird die OberflĂ€che mit einem speziellen Reinigungsmittel von 3M, dem Surface Preperation System vorbereitet. Erst dann kann die Folie aufgeklebt werden.
Das Heck besteht aus drei Teilen und besonders die Motorhaube hat es durch ihre Form in sich. Bewaffnet mit Heißluftföhn und Rakel, wird aber auch diese Herausforderung von den beiden Folierern perfekt gemeistert. Die Folie ist bis zu einem bestimmten Grad dehnbar, ohne dass der Druck Risse bildet. Durch leichte WĂ€rmeeinwirkung wird die Folie auch ĂŒber die schwierigsten Rundungen gezogen.
An der Front wird die Folie sogar mit einer großen WĂ€rmelampe erwĂ€rmt, damit sie ohne starke Faltenbildung ĂŒber die große Wölbung der Kofferraumhaube gezogen werden kann. Das Motiv von Brigitte Bardot auf dem Dach des KĂ€fers stellte sich dagegen als leichter heraus und war vergleichsweise zĂŒgig aufgezogen. Auch die seitlichen großen Folien wurden in einem StĂŒck aufgesetzt und verklebt.
Im Übergang zum Dach muss die Folie perfekt bĂŒndig abgeschnitten werden. HierfĂŒr wird zuvor unter die Folie ein Band mit einem sehr dĂŒnnen Faden angebracht. Dieser Faden wird dann entlang der Schnittkante gezogen und schneidet damit die Folie prĂ€zise ab.
Das wichtigste Werkzeug beim Folieren ist der Heißluftföhn. Doch sollte keine zu große Hitzestufe verwendet werden, denn es reicht etwas WĂ€rme um die Folie an die Formen anzupassen. Durch die Hitze lĂ€sst sich die Folie dehnen, aber auch Schrumpfen. Je nach Bedarf. Entstehende Falten legen sich, sobald die betroffene Stelle leicht erwĂ€rmt wird. Höhere Temperaturen werden benötigt, wenn die Folie gedehnt werden muss. Die ideale Temperatur leigt zwischen 30° und 40°C. Zu großes Dehnen wĂŒrde allerdings das Motiv verĂ€ndern. Das Erhitzen dehnt die Folie leicht und beim AbkĂŒhlen zieht sie sich wieder zusammen, was alle Unebenheiten von selbst verschwinden lĂ€sst.
Die Folie wird am Anfang so gelegt, dass grĂ¶ĂŸere Falten vermieden werden. Die Folie darf im Randbereich nicht gedehnt werden.
Das zweite wichtige Werkzeug ist die Rakel. Mit diesem flachen Rakel wird die Folie auf die Form der Karosserie gezogen. Luftblasen und kleinere Falten können geglĂ€ttet werden. Die Plastikrakel wird unter festerem Druck ĂŒber die Luftblasen gezogen. Um kleine Kratzer zu vermeiden, ist es ratsam die Rakel anzufeuchten. Dank der 3Mℱ Controltacℱ Klebstofftechnologie haftet die Folie erst beim AndrĂŒcken. Durch die LuftkanĂ€le im 3Mℱ Complyℱ Klebstoff ist ein blasenfreies Verkleben möglich.
Es wird empfohlen, die Folie mit einem HeißluftgeblĂ€se an den Kanten noch einmal zu erwĂ€rmen und mit dem Finger oder Rakel anzudrĂŒcken, damit eine gute Anhaftung der Folie im Kantenbereich gegeben ist.
In kleinster Feinarbeit wurde die Folie nach dem Aufkleben entlang der Fenster stĂŒckweise unter die Fenstergummis geklebt, damit keine ÜbergĂ€nge zu sehen sind und die Folie rundum vor eindringendem Wasser geschĂŒtzt ist.
Als eine weitere Herausforderung, zeigten sich die KotflĂŒgel mit ihrer starken Wölbung. Zuerst wurde die Folie am montierten KotflĂŒgel aufgezogen, spĂ€ter dann aber abgenommen und rundum ĂŒber die Kanten gezogen.
Die hinteren Fenster des KĂ€fers wurden mit einer gelochten Sichtfolie beklebt. Diese FolienstĂŒcke komplettieren das jeweilige Motiv am Heck des Fahrzeugs.
Der Gill KĂ€fer wird bei Classics for Charity e.V. eingesetzt. Vor allem bei Veranstaltungen, um historisches Kulturgut mit Kunst in Verbindung zu zeigen. Einer der EinsĂ€tze im Jahr 2018 wird das 10. Rollende Museum MĂŒnchen wĂ€hrend der Langen Nacht der Kultur in MĂŒnchen sein.