Fürs Bücherregal: Wrackreiche Wälder


Gleich zwei Bücher über Autofriedhöfe sind innerhalb eines halben Jahres erschienen. Neben Thorsten Müller („Endstation – Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas“) hat sich auch Dieter Klein auf die Suche nach verborgenen Rostlauben in tiefen Wäldern begeben.

Text: Jens Riedel Foto: Dieter Klein

Das Ergebnis trägt den Titel „Forest Punk“ und ist nicht zuletzt wegen seiner großformatigeren Gestaltung noch sehenswerter, aber auch teurer. Der Kölner spielt stärker mit dem Licht und den Farbnuancen als Müller.
Manchmal sieht der Betrachter vor lauter Bäumen fast den Wagen nicht mehr. Der braune Rost sowie Pilz- und Moosbefall passen die Autos oft an ihre Umgebung an. Klein fesselt den Betrachter nicht zuletzt auch mit spinnwebenreichen Innenaufnahmen aus den Stahlgerippen. Ein noch nicht gänzlich dem Rost anheim gefallener Jaguar XK 120 scheint den Fotografen ans Herz gewachsen zu sein: Er taucht nicht nur gleich zweimal auf, sondern ist auch der einzige Wagen der mit Leichentuch, pardon, im Schnee abgelichtet wurde. Nicht nur wegen seiner Größe (38 cm x 112 cm) beeindruckt ein ausfaltbares Bild besonders: Wie ein Fluss oder ein Zug Lemminge schlängelt sich eine Karawane von Autowracks durch eine Waldschneise. Auf einer anderen Seite mutiert die Heckansicht eines Trataplans zum Gesicht einer Eule. Im Anhang listet Klein zu jeder letzten Ruhestätte auch das abgebildete Modell auf, schließlich gibt es nicht allzu viele Autos, die auch im fortgeschrittenen Verfall noch so unverkennbar bleiben wie ein Käfer oder ein Saab 92.

Nicht ganz überzeugen können die Gedanken, die sich Autor Christian Vogeler etwa alle zehn Seiten zu einem der Fotos macht. Das wankt etwas unglücklich zwischen menschlichen Betrachtungen, philosophischen Ansätzen und Blick in die Automobilhistorie. Hin und wieder gelingt aber doch ein nachdenklich stimmender Absatz. Da taucht an einer Stelle auch die Frage auf, wer dem VW T 1 denn nun eigentlich endlich einmal ein Denkmal setzt.

„Forest Punk“ von Dieter Klein wurde für den deutschen Fotobuchpreis 2014 nominiert. Der Bildband (ISBN 978-3-937907-44-4) ist im Eigenverlag erschienen , hat 160 Seiten mit über 100 Fotografien und kostet 58 Euro