Buchtipp – Kleines Auto große Zeiten


Nach VW KĂ€fer, Citroen 2 CV oder Trabant und vielen Jahren „Bewegte Zeiten“ war der Band ĂŒber den Mini in der Reihe aus dem Delius-Klasing-Verlag lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig.

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Text: Jens Riedel

Nun ist das Buch ĂŒber den legendĂ€ren Kleinwagen, der den Automobilbau in seiner Fahrzeugklasse revolutionierte, also da. Peter Kurze und Halwart Schrader legen mit „Austin & Morris Mini – Unser Mini ist der GrĂ¶ĂŸte!“ einen kurzweiligen Streifzug durch die langjĂ€hrige Geschichte des populĂ€ren Klassikers vor. Obwohl er genauso viel (oder wenig, ganz wie man möchte) Platz bot wie ein VW KĂ€fer und genauso schnell war, war die Konstruktion von Sir Alec Issigonis einen ganzen Meter kĂŒrzer und ein ordentliches StĂŒck niedriger. Zu den Kniffen des Mini-Vaters gehörten kleine und möglichst weit hinten bzw. vorne stehende kleine Zehn-Zoll-RĂ€der sowie der Quereinbau des Motors, um möglichst viel Raum auf möglichst wenig FlĂ€che zu schaffen. Dieser Grundidee folgen bis heute alle erfolgreichen Kleinwagen.

Issigonis hat das Auto nicht neu erfunden, aber seine GenialitĂ€t lag darin, bereits bekannte und vorhandene Konstruktionselemente erstmalig so geschickt miteinander zu kombinieren. Bis 1996 befand sich ĂŒbrigens der WasserkĂŒhler auf der linken Fahrzeugseite und nicht, wie sonst ĂŒblich, an der Stirnseite. Auch die durchgehende AblageflĂ€che („Regal“) mit dem einsamen Tacho in der Mitte an Stelle eines klassischen Armaturenbretts und die Möglichkeit, den Kofferraumdeckel offen zu lassen, um mehr GepĂ€ck befördern zu können, wĂŒrde man heute als „innovativ“ bezeichnen.

Keine Frage, der Ur-Mini ist – wie Ford T-Model, KĂ€fer und „Ente“ – ein Jahrhundertwurf. Seine sportlichen und dem Tuning von John Cooper zu verdankenden Erfolge heben ihn jedoch deutlich von den anderen automobilen BerĂŒhmtheiten in dieser Reihe ab. Den Rallye-EinsĂ€tzen gehört in dem „Bewegte Zeiten“-BĂ€ndchen daher ebenso ein Kapitel (zwei, um genau zu sein) wie den Cabrioumbauten und dem noch minimalistischeren Moke, der ursprĂŒnglich als MilitĂ€rfahrzeug gedacht war und zum reinen Spaßmobil mutierte. Nicht nur er wurde vielfach in Lizenz gebaut. Neu dĂŒrfte weniger versierten Mini-Fans ebenso sein, dass es mit dem Riley Elf und dem Wolseley Hornet auch zwei „Luxus“-Ausgaben mit Stufenheck gab.

Das mit zahlreichen Fotos und Illustrationen versehene BĂŒchlein wĂ€re perfekt, wenn die beiden Autoren auch noch den Derivaten wie Marcos, Nimrod und anderen etwas Raum geschenkt hĂ€tten. Statt dessen werden ein paar Konkurrenten im Bild vorgestellt. Der Leser darf sich aber mit AuszĂŒgen aus zeitgenössischen Testberichten und Erinnerungen an die wechsel- und schicksalshafte Historie der einst ruhmreichen britischen Marken Austin und Morris sowie anderer namhafter Hersteller trösten. Übrigens, Mini wurde erst zehn Jahre nach der Vorstellung des ersten Autos als eigene Marke gefĂŒhrt.

„Austin & Morris Mini – Unser Mini ist der GrĂ¶ĂŸte!“ von Peter Kurze und Halwart Schrader ist im Delius-Klasing-Verlag erschienen, hat 112 Seiten mit 105 Fotos und 31 Abbildungen und kostet 14,90 Euro.