20 Jahre Renault Nutzfahrzeugdivision


Renault Transporter: mit Vielfalt an die Spitze könnte das Motto der Renault Division VĂ©hicules Utilitaires (DVU) lauten, die ihr 20-jĂ€hriges Bestehen feiert. In dieser Zeit etablierte sich der französische Hersteller als einer der fĂŒhrenden Anbieter in der Transporterklasse und holte 18-mal in Folge den ersten Platz unter allen Anbietern leichter Nutzfahrzeuge bis fĂŒnf Tonnen Gesamtgewicht auf dem europĂ€ischen Markt.

Die Geschichte der leichten Nutzfahrzeuge von Renault reicht deutlich weiter zurĂŒck: Bereits im Jahr 1900 stellte Louis Renault eine Transportervariante seines automobilen Erstlings, der Voiturette, vor.  Bei Tempo, FlexibilitĂ€t und Belastbarkeit gibt der Urahn der modernen Renault Modelle Kangoo Rapid und Trafic jedem Pferdefuhrwerk das Nachsehen. Die Eckdaten des französischen Transport-Revolutio­nĂ€rs: Frontlenkerbauweise, 3,5-PS-Motor unter den Sitzen und 350 Kilogramm Nutzlast im Kastenaufbau hinter dem Fahrer. Der Chauffeur sitzt im Stil der Kutschenzeit noch im Freien. Der kompakte Wagen mit leichtem Zugang zum Ladeabteil eignet sich ideal fĂŒr den City-Transport in den engen Gassen von Paris.

Hotel-Shuttles und WĂŒsten-Kreuzer
In den Folgejahren baut Renault eine Flotte unterschiedlicher, oftmals elegant gezeichneter Transporter auf. Der Erste Weltkrieg markiert ein jĂ€hes Ende. Anstelle von Lieferwagen bestimmen nun MilitĂ€rfahrzeuge fĂŒr alle Einsatzbereiche die Produktion. In den 1920er- und 1930er-Jahren steigt der MobilitĂ€ts- und Transportbedarf schnell wieder an. Renault beweist FlexibilitĂ€t und liefert vom Ackerschlepper bis zum Feuerwehrauto die passende Nutzfahrzeugvariante fĂŒr jeden denkbaren Einsatzzweck.

Ein Beispiel dafĂŒr ist der Typ „PR“, ein leichter Minibus mit zehn SitzplĂ€tzen, der 1927 als VorlĂ€ufer der heutigen Combi-Varianten von Master und Trafic auf den Markt kommt und wie diese gern von Hotels als Shuttlebus eingesetzt wird.

BerĂŒhmt wird der Typ „NH“, ein hochbeiniger Dreiachser mit Zwillingsreifen rundum und zwei angetriebenen Hinter­achsen. 1926 nimmt die von Louis Renault gegrĂŒndete „Compagnie GĂ©nĂ©rale Transsaharienne“ mit ihm den Liniendienst durch die Sahara auf.

Goélette: erster moderner Transporter von Renault
Mit der GoĂ©lette (zu Deutsch: Schoner) debĂŒtiert 1945 die erste Nachkriegs-Entwicklung von Renault auf dem Transportermarkt – ein Fahrzeug, das in seinen konzeptionellen GrundzĂŒgen sehr eng mit den Renault Transportern von heute verwandt ist. Ein Hochdach oder eine seitliche SchiebetĂŒr sind bereits damals lieferbar. Auch ein Fahrgestell mit Fahrerhaus fĂŒr Sonderaufbauten und Allrad­antrieb hat Renault im Angebot. Die GoĂ©lette mit 1,0 oder 1,4 Tonnen Nutzlast ist in ein komplettes Fahrzeugprogramm eingebettet: Das Segment bis eine Tonne Nutzlast deckt das Modell Voltigeur ab. Oberhalb der GoĂ©lette rangiert die Baureihe Galion (2,5 bis 3,5 Tonnen). Im Sinne einer modernen Modulbauweise verfĂŒgen die Transporter ĂŒber ein identisches Fahrerhaus.

Colorale: Multitalent fĂŒr Landwirtschaft und Kolonien
1950 prĂ€sentiert Renault mit der „Colorale“ eine Neukonstruktion, die in insgesamt zehn KarosserieausfĂŒhrungen erhĂ€ltlich ist, darunter als Transporter, Taxi, Pick-up und Kombi. Die 4×4-Version Colorale „Tous Terrains“ ist an der um ĂŒber 30 Zentimeter erhöhten Bodenfreiheit zu erkennen, welche das Fahrzeug in die Lage versetzt, selbst schwieriges Terrain zu ĂŒberwinden. Der Modellname ist eine Komposition aus „coloniale“ und „rurale“ (lĂ€ndlich) und verweist auf die Zielgruppe des Fahrzeugs: Neben Landwirten sind dies die Bewohner der damals noch zahlreichen französischen Überseeterritorien.

Estafette: Vielfalt ab Werk
Mit der Estafette folgt 1959 ein Meilenstein der leichten Nutzfahrzeughistorie von Renault. Den „kleinen“ Transporter mit anfĂ€nglich 600 Kilogramm Nutzlast zeichnen ein durchgĂ€ngig ebener Boden, SchiebetĂŒren rechts und links, EinzelradaufhĂ€ngung rundum und ein vergleichsweise kleiner Wendekreis aus. Dank ihrer modernen Konzeption bleibt die Estafette bis 1980 im Programm und wird ĂŒber 533.000-mal produziert. Das Spektrum der Varianten und Umbauten reicht vom Minibus bis hin zum Reisemobil. BerĂŒhmt – und bei TemposĂŒndern gefĂŒrchtet – ist der Transporter als Einsatzfahrzeug der französischen Gendarmerie.

Renault 4 Fourgonette: Frachtversion des Kultklassikers
Ist die Estafette der direkte VorlĂ€ufer des Trafic, so nimmt der 1962 vorgestellte Renault 4 Fourgonette die Philosophie des spĂ€teren Kangoo Rapid vorweg: viel LadekapazitĂ€t auf kleinem Raum. Dank seiner niedrigen Betriebskosten und seiner robusten Konstruktion ist der Kleintransporter mit seinem angesetzten Frachtabteil Ă€ußerst beliebt bei Handwerkern, Landwirten, Behörden und Studenten mit knappem Budget, die ihn zum Campingwagen umbauen. Als Pannenhelfer und Postauto gehört er in Frankreich drei Jahrzehnte lang zum Landschaftsbild. Erst 1992 endet die Produktion.

Trafic und Master: Vive la différence
Im Herbst 1980 sorgt Renault auf dem Pariser Auto-Salon fĂŒr Aufsehen. Mit dem Trafic in der Klasse bis 2,8 Tonnen Gesamtgewicht und dem Master in der Kategorie bis 3,5 Tonnen stellt das Unternehmen die neueste Transportergeneration vor. Die Besonderheit: Beide Modelle sind sowohl mit Front- als auch mit Heckantrieb verfĂŒgbar. Hinzu kommt neben einer nie da gewesenen Variantenvielfalt die zu jener Zeit in diesen Fahrzeugkategorien ungewöhnliche Wahl zwischen unterschiedlichen RadstĂ€nden und beim Trafic bis zu drei Gewichtsklassen.

Die zweite Master Generation bietet mit drei RadstĂ€nden, drei Dachhöhen, drei Gewichtsklassen bis 3,5 Tonnen sowie zahlreichen Karosserievarianten noch mehr Transportlösungen nach Maß. Stilbildend fĂŒr das Transportersegment ist die umfangreiche Ausstattung des Fahrerhauses mit praktischen Ablagen, mehrfach verstellbarem Fahrersitz und Außenspiegeln mit Weitwinkelfeldern. Mit dem Master Maxi ist auch eine Leicht-Lkw-Variante mit Leiterrahmenchassis, Heckantrieb und bis 6,5 Tonnen Gesamtgewicht im Angebot.

Kangoo Rapid: auf Wunsch auch mit Allradantrieb