NAIAS 2016 – Welcome home in Detroit


Auch wenn in diesem Jahr auf der North American International Autoshow (NAIAS), die am 11. Januar in Detroit ihre Pforten fĂŒr das Publikum öffnet, ein paar Marken durch Abwesenheit glĂ€nzen, ist sie – wie immer – die erste große Automesse im Jahr und eine der wichtigsten dazu. 2016 wird ihr Auftakt spektakulĂ€r verlaufen. Nicht nur, weil mit der Mercedes E-Klasse und dem Porsche 911 Turbo gleich zwei bedeutende Weltpremieren gefeiert werden. Am Freitagmorgen vor der offiziellen Eröffnung wird sich auf der Woodward Avenue, einer der berĂŒhmtesten Straßen der Stadt, eine spektakulĂ€re Parade amerikanischer Oldtimer in Bewegung setzen. An ihrer Spitze drei Fahrzeuge, die dann eine Reise von 2400 Meilen (3860 Kilometer) quer durch die USA gerade hinter sich gebracht haben werden.

 

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Pause am 28. Dezember 2015 in Idaho. Foto: LeMay America’s Car Museum

 

Alle drei sind ĂŒber 50, zusammen zĂ€hlen sie 164 Jahre, und produziert wurde jeder von ihnen jeweils von einem der einst großen Drei aus Detroit, General Motors (GM), Ford und Chrysler. Zu ihrer Zeit stellten sie einen Meilenstein im „American Way of Drive“ dar:

Der dreitĂŒrige Chevrolet Nomad galt in der zweiten HĂ€lfte der 1950er Jahre als Prestigemodell von GM und war mit seinem 4,3-Liter-V8 und 121 kW / 165 PS fĂŒr damals 2800 Dollar das teuerste Auto, das Chevrolet im Angebot hatte. Sein Verbrauch lag bei 25 l Super auf 100 km.

Der fĂŒnf Jahre Ă€ltere Chrysler 300G war eine Weiterentwicklung des Chrysler 300 von 1954 und als Zugpferd in der Chrysler-Modellpalette gedacht. Sein 6,8-Liter-V8 leistete 298 kW / 405 PS, verbrauchte 20 Liter Super auf 100 km und beschleunigte das Auto auf bis zu 217 km/h.

Der Ford Mustang schließlich begrĂŒndete, als er 1964 auf den Markt kam, die nach ihm benannte Klasse der Pony Cars. Zu einem Preis von rund 2500 Dollar (nach heutiger Kaufkraft etwa knapp 17 500 Euro) entstanden in dreieinhalb Jahren fast 1,3 Millionen Exemplare der ersten Baureihe, die meisten davon mit einem 4,7 Liter großen V8-Motor mit 140 kW / 190 PS) und einem Verbrauch von 16 Liter Super auf 100 km.

Das Trio gehört dem LeMay America’s Car Museum in Tacoma, ein paar Kilometer sĂŒdlich von Seattle im US-Bundesstaat Washington am Puget Sound gelegen, einer 150 Kilometer langen Pazifik-Bucht im Ă€ußersten Nordwesten der USA. Dort hatte das Ehepaar Harold und Nancy LeMay 1997 das Harold E. LeMay Museum gegrĂŒndet um dort seine rund 3000 Oldtimer, zu einem Löwenanteil Fahrzeuge aus amerikanischer Produktion, dem staunenden Publikum zu zeigen. Das nötige Geld fĂŒr diese weltweit grĂ¶ĂŸte Sammlung, mit der er 1997 einen Eintrag im Guinness Book of World Records erhielt, hatte Harold mit einer ganzen Reihe eigener Firmen zusammengetragen, den grĂ¶ĂŸten Teil davon nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit der MĂŒllabfuhr im Großraum Tacoma und einem Abschleppunternehmen.

Das Ehepaar LeMay 1990. LeMay America’s Car Museum

Bevor er im Jahr 2000 starb, war seine grĂ¶ĂŸte Sorge, dass sein Fahrzeugpark ein Ă€hnliches Schicksal erleiden wĂŒrde wie der seines Sammler-Kollegen William F. Harrah, einem Hotel- und Spielcasino-Tycoon aus Nevada, der 1978 wĂ€hrend einer Herzoperation gestorben war. Zu seinen Lebzeiten hatte er in seinem Museum in Reno eine Ă€hnlich riesige Anzahl historischer Autos zusammengetragen, von denen jedoch nach seinem Tod die meisten bis auf rund 200 in alle Winde verstreut wurden.
Witwe Nancy LeMay dagegen bewahrte das Erbe, baute das Museum ihres verstorbenen Gatten nach und nach zum LeMay America’s Car Museum aus, erhielt von der Stadt Tacoma ein wertvolles GrundstĂŒck fĂŒr einen Neubau, steckte selbst weitere Millionen in die Sammlung und gewann zahlreiche Sponsoren. Deren Zahl belĂ€uft sich inzwischen auf 4000, und das Museum gilt heute als eines der wichtigsten seiner Art auf der Welt. Es gibt nicht nur einen umfassenden Überblick ĂŒber die Geschichte der Motorisierung in den USA, es veranstaltet außerdem regelmĂ€ĂŸig Ausstellungen und Kongresse und tritt als Startort fĂŒr besondere Ereignisse hervor. Die jĂŒngste Veranstaltung ist die Reise der drei Oldies nach Detroit zu einer ausgesprochen ungĂŒnstigen Jahreszeit, denn im Gegensatz zu Europa herrscht in einigen Teilen der USA Anfang Januar tiefster Winter mit verschneiten und vereisten Straßen besonders in den Staaten Idaho, Utah und Colorado.

Wenn sie am 8. Januar Detroit erreichen, werden Nomad, 300G und Mustang neun Staaten durchquert und – mit einem Seniorenaufschlag – dafĂŒr zusammen rund 2500 Liter Sprit verbraucht haben. Das dĂŒrfte allerdings die Kasse der Sponsoren fĂŒr die Rallye, darunter unter anderem die Reifenfirma Michelin und der Mineralölkonzern Shell, nicht allzu sehr belasten. Zur Zeit kostet nĂ€mlich die Gallone Sprit in den USA erstmals seit 2009 wieder weniger als zwei Dollar. Das sind umgerechnet rund 53 Eurocent pro Liter.

TEXT:  Hans-Robert Richarz