Abschieds-Tour fĂŒr Otto F. Wachs


Traditionen mĂŒssen gepflegt werden. Zur zehnten Auflage der Hamburg-Berlin-Klassik machten sich einige Klassiker aus der Sammlung des Zeithauses der Autostadt auf den Weg, um auf eigener Achse zum Start der grĂ¶ĂŸten Oldtimer-Rallye Norddeutschlands, der HBK (Hamburg-Berlin-Klassik). Zwei Fahrzeuge waren bereits unterwegs, so dass es im Duett aus einem 1985er-JubikĂ€fer und einer Volkswagen T3 Doppelkabine aus dem Jahr 1988 gen Hamburg ging, um sich in das Startfeld der 180 teilnehmenden Teams einzureihen.

AngefĂŒhrt von Andreas Hornig, dem technischen Leiter des Zeithauses, kam schnell Wittingen in Sicht. Gerade noch rechtzeitig, um sich bei der im Team der Autostadt bereits legendĂ€ren FischrĂ€ucherei kurz vor LĂŒneburg auf das Tor zur Welt einzustimmen. Bestens mit Matjes-, Brathering- und Lachsbrötchen gestĂ€rkt rollen die beiden Fahrer und ihr Navigator der Alten Fischauktionshalle westlich der Hamburger LandungsbrĂŒcken entgegen.

Dort erfolgte am Mittag der Start der ersten Etappe. Auch die Klassik-Abteilungen anderer Hersteller schickten diverse SchmuckstĂŒcke ihrer Sammlungen an die „Waterkant“. BMW war unter anderen mit einem Trio von 328ern aus dem Jahr 1937 vertreten, die unter der FĂŒhrung von Leopold Prinz von Bayern und Katharina Witt das Feld hĂ€ufig sportlich gefahren anfĂŒhrten. Aber nur fĂŒr das Team Autostadt ging es mit zehn Klassikern ĂŒber Buxtehude und einen kleinen Oldtimer-Wedler im Schnee des Snow Domes Bispingen zurĂŒck an den eigenen Ausgangspunkt. Nach einem Get Together rund um das Zeithaus ließ mindestens die HĂ€lfte der Teilnehmer ihre GlanzstĂŒcke auf den FreiflĂ€chen der Autostadt ĂŒbernachten, so dass sich die Park- und Lagunenlandschaft fĂŒr einen halben Tag in ein riesiges Open-Air-Museum verwandelte.

Am frĂŒhen Morgen des nĂ€chsten Tages startete die Altmark- und Mecklenburg-Etappe der diesjĂ€hrigen Hamburg-Berlin-Klassik. In Sichtweite der historischen EisenbahnbrĂŒcke von Dömitz querte das Feld die Elbe und erreichte am frĂŒhen Freitagabend LĂŒbeck. Am Sonnabend war Berlin das erste Ziel des Tages auf dem Weg zurĂŒck nach Hamburg. Zum GlĂŒck hatte sich bereits herumgesprochen, dass es in diesem Jahr nicht in die deutsche Hauptstadt, sondern dafĂŒr in das Ă€lteste Berlin der Welt gehen sollte. Das kleine Dorf in Holstein wurde bereits 1215 und damit weit vor der großen Schwester das erste Mal urkundlich erwĂ€hnt. Zumindest einen Blick auf die Ostsee erlangten die Rallye-Teilnehmer in Grömitz, bevor sich am Nachmittag fĂŒr jeden Oldtimer die Zielflagge in der Hamburger Ballinstadt senkte.

Otto F. Wachs fasste seinen letzten Rallye-Einsatz als GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Autostadt wie folgt zusammen: „Drei Tage bei bestem Wetter und 180 automobile Klassiker im sportlichen Rallye-Einsatz. Mehr kann man sich bei einem Event wie der diesjĂ€hrigen Hamburg-Berlin-Klassik kaum wĂŒnschen. Die unzĂ€hligen Zuschauer entlang der Strecke bewiesen, dass die Faszination und Liebe zum Automobil ungebrochen ist. Unsere zehn eingesetzten Oldtimer aus der Zeithaus-Sammlung weckten an der Strecke Emotionen – wie die Erinnerung an den eigenen, ersten KĂ€fer und haben auch auf dieser Rallye die Sympathien zur Marke Volkswagen verstĂ€rkt.“

Die durchwachsenen Gesamtergebnisse des Teams Autostadt ab Platz 20 nach rund 800 Kilometern Rallye waren daher kurz nach der Ankunft im Ziel fast vergessen: Ein Hamburger Shanty-Chor sorgte fĂŒr eine ordentliche Stimmung bei der feierlichen Ehrung der Sieger in der Alten Hamburger Fischauktionshalle. Deutlich mehr zu feiern hatten Dirk Hattenhauer und Tim LĂŒcke, die mit ihrem Volkswagen Transporter T1 aus dem Jahr 1964 ihren Erfolg des Gesamtsieges 2016 wiederholen konnten. Auf den PlĂ€tzen folgten Axel Ernst und Johannes Bitter-Suermann (Toyota Celica GT, 1979) sowie Ralf Klaus und Hans Georg Ahrens auf ihrem laubgrĂŒnen Talbot London 90 AV von 1933.

Am frĂŒhen Sonntagmorgen drehten sich bereits wieder die SchlĂŒssel im ZĂŒndschloss von nun vier Klassikern des Zeithauses. Auf eigener Achse zurĂŒck durch die Heide nach Wolfsburg – pures FahrvergnĂŒgen nach 22 Mensch und Material fordernden WertungsprĂŒfungen wĂ€hrend der vergangenen Tage. Leider traditionell ohne Fischbrötchen.

Text Alexander Voigt