ADAC Trentino Classic: „La Dolce Vita“ für Oldtimer


Am malerischen Molvenosee hieß es vergangene Woche: „Start frei zur ADAC Trentino Classic 2017!“ Fünf Tage, über 100 historische und klassische PS-Schätzen und eine atemberaubende Landschaft mit grandiosen Panoramastraßen – das ist die Kurzfassung der Rallye, die das „Oldtimerwandern“ verkörpert. Zwischen Dolomitengipfeln und Seeufer zelebrierten die Fahrer automobiler Raritäten „La Dolce Vita“. Die teilnehmenden Fahrzeuge verkörpern fast einhundert Jahre Automobilgeschichte – eine rollende Hommage an die Ingenieurskunst und die Formenvielfalt.

Das älteste Auto im Feld war einst ein Verkaufsschlager: Der Chevrolet Independence Phaeton von Robert und Gabriele Braun aus dem Baujahr 1931 half dem Hersteller Chevrolet in der schwierigen Zeit der Großen Depression, an der Zulassungsspitze in den USA zu bleiben. Heute kann der offene Wagen mit dem charakteristischen hohen Chromkühler seinen Un-Ruhestand auf den Straßen des Trentino genießen. Genauso wie die englischen Sportler aus dem Hause Jaguar, die gleich zweimal bei der ADAC Trentino Classic vertreten sind. Dr. Wolfgang und Ilse Köhler gehen im S.S. Jaguar 100 von 1937 auf Tour, Axel und Gudrun Walter wählen das gleiche Modell aus dem Jahr 1938 als standesgemäßes Fortbewegungsmittel für die Oldtimerwanderung. Die knorrigen Ur-Modelle von Jaguar forderten ihren Lenkern auf den kurvenreichen Straßen rund um den Molvenosee sicherlich einiges ab.

Das bunt gemischte Starterfeld der ADAC Trentino Classic bot jedoch nicht nur Vorkriegs-Seltenheiten. Auch Klassiker des Alltags wurden beim entspannten Oldtimer-Wandern in traumhafter Kulisse artgerecht bewegt. Die Motorleistung ist dabei zweitrangig, wie der 1961er Trabant P50 Kombiwagen von Dr. Ehrenfried und Dr. Waltraud Pieles zeigt: Ganze 20 Zweitakt-PS mobilisiert der kleine Kombi aus Zwickau. Mit seinem luftgekühlten Motor dürften Steigungen für die DDR-Ikone kein Problem sein, denn der alte Werbeslogan stimmt schließlich immer noch: Luft kocht nicht! Mit 43 Diesel-PS erklommt der extrem seltene West-Kombi von Udo Goetz und Frauke Seewald die Hochebenen der Dolomiten: Ihr Mercedes- Benz 180 D-Am Kombinationswagen wurde in den 50er Jahren nicht vom Mercedes-Werk, sondern einer externen Karosseriefirma in Kleinserie hergestellt.

Genauso selten ist der Intermeccanica Indra aus dem Jahr 1973, mit dem Mathias und Maud Beetz im vergangenen Jahr die ADAC Youngtimer Tour in und um Berlin gewonnen haben.
Für die Traumstraßen zwischen Trento und Molveno waren auch zwei kleine Italiener optimal – auch ohne dreistellige PS-Zahlen. Dem Fiat Sport Spider von Jürgen und Elisabeth Dresen von 1972 reichten 52 PS für jede Menge Fahrspaß. Und der Fiat 600D im Racing-Look der wilden Siebziger röhrte mit 70 PS durch die Täler der Dolomiten. Ergänzt wurde das Italien-Kontingent u.a. vom Alfa Romeo 2000 GT Veloce von Alfons Siglreitmaier und Dr. Dietmar Nickel, die in ihrem feuerroten Klassiker ebenfalls eine bella figura abgaben.

Die Rallye rund um den Gardasee war in diesem Jahr auch ein PS-Biotop für sehr eckige, aber auch sehr praktische Fahrzeuge der Wirtschaftswunderzeit. Gleich mehrere VW T1 – Varianten des allerersten VW Bus – waren am Start. Clemens Grauff und Lutz Kiefer lenkten den Klassiker aus Wolfsburg als Handwerkerkompatible Doppelkabine, während Fritz und Elisabeth Schweier den sympathischen VW-Klassiker als Großraum-Kastenwagen von 1964 bewegten.