Oldtimer Grand-Prix: Opel fÀhrt die Siegertypen auf


Opel und der NĂŒrburgring – das gehört zusammen und hat eine lange Tradition: 1969 kehrte Opel – nach großen Erfolgen in der Vorkriegszeit – in den Rennsport zurĂŒck.

Der erste Markenpokal, gemeinsam mit dem Automobilclub von Deutschland (AvD) im Rahmenprogramm zum Großen Preis von Deutschland auf dem NĂŒrburgring veranstaltet, markiert den Wiedereinstieg der Marke in den Motorsport. Zahlreiche internationale und nationale Titel im Rallye- und Tourenwagensport folgten.
2014 fĂ€hrt Opel nun erneut am NĂŒrburgring groß auf, und wieder heißt der Veranstalter AvD: Beim 42. AvD Oldtimer Grand Prix prĂ€sentiert die Marke mit dem Blitz 17 Sport- und Rennwagen aus 111 Jahren Motorsport. Der Ă€lteste ist ein Opel-Motorwagen 10/12 PS des Baujahres 1903, der jĂŒngste ein Corsa OPC der aktuellen vierten Generation. Klassiker aus dem Rundstrecken- und Rallyesport der sechziger und siebziger Jahre wie Rekord C „Schwarze Witwe“, Rallye-Kadett, Manta A Irmscher, Ascona B Gruppe 2 und Kadett C GT/E stellen die Verbindung zwischen dem Vorgestern und Heute her.

 
Corsa – Generation Sturm und Drang
WĂ€hrend die fĂŒnfte Corsa-Generation kurz vor ihrer Weltpremiere auf dem Pariser Salon Anfang Oktober steht, erleben die frĂŒheren sportlichen Corsa-Versionen ihren großen Auftritt bereits am NĂŒrburgring. Getreu dem diesjĂ€hrigen Motto „Corsa, alt und gelb“ sind Corsa A Spider, Corsa A Cup und Corsa A GSi sowie jĂŒngere Modelle wie Corsa C Rallye, Corsa Race Camp und der aktuelle Corsa OPC zu sehen.
Der frontgetriebene, 1982 vorgestellte Corsa A wird von einer spektakulĂ€ren Studie begleitet: Schon vor der PrĂ€sentation des neuen Kompaktmodells im Sommer 1982 machte nĂ€mlich der Corsa Spider Appetit auf eine sportliche Variation des Themas. Der als offener Viersitzer ausgelegte Corsa Spider kann mit Karosserieteilen aus GFK in einen Zweisitzer oder sogar in einen Monoposto verwandelt werden. Mit aufgesetzter KopfstĂŒtze fĂŒr den Fahrer, erinnert er an die Rennwagen der fĂŒnfziger Jahre, ist mit seinen ausgestellten KotflĂŒgeln, den LeuchtenbĂ€ndern in Rauchglas-Optik und der perlmuttweißen Lackierung stilistisch jedoch ein typisches Kind seiner Zeit.
1983 erlebte das Modell Corsa Cup seine Premiere. Im ONS-Opel-Junior-Cup, Nachfolger des 1979 fĂŒr Hobby-Piloten und Nachwuchs-Rennfahrer eingefĂŒhrten Kadett-Cup, traten Kadett D und Corsa A gegeneinander an. Der Kadett 1.3 leistete 75, die Corsa Cup-Version 70 PS. 1985 wurden erstmals Rennen und Rallyes gefahren. 100.000 Mark Preisgeld waren im Topf, der Gewinner des Junior Cup erhielt am Jahresende einen Corsa 1.3 S. 1988 erschien das neue Spitzenmodell der Baureihe, der Corsa A GSi mit 1,6 Liter-Motor und 101 PS. 186 km/h schnell war die GSi-Version, die bis 1992, als der Wechsel zum Corsa B erfolgte, im Programm blieb.
Im Jahr 2000 kam der Corsa C auf den Markt. Auf der Motor Show in Essen debĂŒtierte im gleichen Jahr der Corsa Super 1600. Der neue Rallye-Corsa wurde von einem 1,6 Liter-16V-Vierzylinder mit 200 PS angetrieben und sollte wie seine VorgĂ€nger bezahlbaren Motorsport auf Asphalt und Schotter ermöglichen.
Seit 2007 ist der Corsa OPC der aktuellen vierten Corsa-Generation erhĂ€ltlich. Die sportlichste und zugleich extremste Variante des kompakten Corsa D leistet dank eines aufgeladenen 1,6-Liter-Vierzylindermotors 192 PS und steht im Opel-Zelt am NĂŒrburgring in Form eines Corsa OPC und OPC Race Camp fĂŒr bezahlbaren Motorsport. Als Highlight gibt es den sogar 210 PS starken Corsa OPC NĂŒrburgring Edition im Corsa-Programm.

 
Alt – Generation Grand Prix- und Rekord-Rennwagen
Drei Rennwagen erinnern an die AnfĂ€nge des Motorsports in RĂŒsselsheim. Der Ă€lteste Vertreter basiert auf dem ersten Opel-Motorwagen 10/12 PS des Baujahres 1903. Im gleichen Jahr belegte solch ein Fahrzeug beim Rennen auf der NiederrĂ€der Pferderennbahn in Frankfurt in der „leichten“ Klasse II bis 10 PS den ersten Platz. Am Steuer des Siegerwagens von 1903 saß Fritz Opel, sein Beifahrer war der spĂ€ter mit 288 Rennerfolgen berĂŒhmt gewordene Opel-Pilot Carl Jörns. Das bei Opel Classic restaurierte Exemplar des weißen 10/12 PS-Rennwagens entspricht voll und ganz dem historischen Vorbild von 1903.
Das zweite Auto ist ein originaler Grand Prix-Rennwagen des Baujahres 1913. Das fĂŒr seine Zeit hochmoderne Fahrzeug, VorlĂ€ufer heutiger Formel 1-Rennwagen, besitzt einen Vierzylindermotor mit vier Litern Hubraum, 16 V-förmig hĂ€ngenden Ventilen sowie einer obenliegenden Nockenwelle mit Königswellenantrieb.
Nur ein Jahr jĂŒnger ist der 12,3-Liter-Renn- und Rekordwagen, der technisch auf dem GP-Wagen von 1913 basiert und ebenfalls ĂŒber die fortschrittliche Vierventil-Technik verfĂŒgt. Mit einem Hubraum von 12,3 Litern markiert das 260 PS starke EinzelstĂŒck den Höhepunkt einer Entwicklung: Kein anderes Fahrzeug der Unternehmensgeschichte besitzt mehr Hubraum als jener gewaltige Rennwagen aus dem Jahr 1914, der erst nach dem Ersten Weltkrieg seine PremiereneinsĂ€tze erlebte. 1926 zog Opel sich offiziell vom werksunterstĂŒtzten Motorsport zurĂŒck.

 


Gelb – Generation Rallye und Rundstrecke
Die ersten Schritte zur RĂŒckkehr in den Rennsport erfolgen heimlich. Am 15. September 1968 geht in Zolder in der Gruppe 5 der Spezial-Tourenwagen, ein 150 PS starker Opel Rekord, an den Start. Was niemand weiß: Der Rekord C ist offiziell ohne Wissen des Opel-Vorstands, aber inoffiziell mit grĂ¶ĂŸtmöglicher UnterstĂŒtzung des Unternehmens gebaut worden.
Die Idee eines Renn-Opel stammt von den neuen Designstars Charles „Chuck“ Jordan und Anatole Lapine. Unter Lapines Leitung entsteht der Renn-Rekord im „Advanced Studio“ des Styling Centers. Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu erregen und den Blick der Öffentlichkeit auf die neuen, sportlichen Opel-Fahrzeuge vom Schlage eines Rallye-Kadett und Opel GT zu lenken. Basis ist eine zweitĂŒrige Rekord C 1700-Limousine, der schwarze Lack und das gelbe „Opel-Auge“ sind Reminiszenzen an den Raketenwagen RAK II aus den Zwanzigern.
Trotz einiger Erfolge darf Opel erst ein Jahr spĂ€ter das erste offizielle Markenrennen veranstalten. Gut 40 Jahre spĂ€ter beginnt in RĂŒsselsheim die Rekonstruktion der „Schwarzen Witwe“ nach Originalunterlagen.
Die Zukunft des Opel-Motorsports trĂ€gt Gelb statt Schwarz. Gelb ist die Farbe der Haustuner Steinmetz und Irmscher, im gelb-schwarzen und gelb-weißen Lackkleid gehen die Rallyeautos aus RĂŒsselsheim bei der Europameisterschaft und nationalen Championaten auf Asphalt und Schotter an den Start. Sieben von Opel Classic im neuen Fahrerlager des NĂŒrburgrings ausgestellte Fahrzeuge stehen stellvertretend fĂŒr diese Epoche des Opel-Motorsports.
Der Kadett B macht den Anfang. In den Jahren 1970/71 bot die Firma Klaus Steinmetz in RĂŒsselsheim ein Tuningpaket fĂŒr den Kadett Rallye 1900 an; mit einigen Änderungen an Fahrwerk und Innenausstattung sowie dem 106 PS starken Motor des Opel Rekord C Sprint wurde daraus der Rallye-Kadett 1900 Sprint. Der Schwede Anders KullĂ€ng gehörte zu jenen Fahrern, die im Team der schwedischen Opel-HĂ€ndler auf Opel Kadett B ihre Profikarriere begannen.
Ein anderes Fahrzeug der „Generation Gelb“ aus dem Fundus von Opel Classic ist der Manta A im zeitgenössischen Irmscher-Tuning. Das nach dem Reglement der Gruppe 2 aufgebaute CoupĂ© gleicht jenem Auto, mit dem die beiden Rallye-Profis Rauno Aaltonen und Walter Röhrl 1975 beim 24-Stunden-Rennen von Spa an den Start gingen.
Der ebenfalls ausgestellte Ascona A, technischer Bruder des Manta, ist ein lĂ€ngst legendĂ€rer Siegertyp. Auf dem vom Opel Euro-HĂ€ndler-Team eingesetzten, 206 PS starken Ascona A holten Walter Röhrl und Copilot Jochen Berger 1974 den Rallye-Europameistertitel nach RĂŒsselsheim und gewannen 1975 bei der Rallye Akropolis den ersten Rallye-WM-Lauf fĂŒr Opel. Sein Nachfolger im Rallye-Sport ist der Kadett C GT/E, ebenfalls Teil der RĂŒsselsheimer Sammlung. Dessen gelb-weißes Schwestermodell, das Kadett C GT/E-CoupĂ©, hat eine Karriere in der Deutschen Rallye-Meisterschaft hinter sich, wo Achim Warmbold und Willi-Peter Pitz mit dem seriennahen Fahrzeug in der Gruppe 1 an den Start gingen. Die Erfolge des Kadett C GT/E in der Gruppe sicherten Opel 1976 den 2. Platz in der Marken-WM.
1979 wurde der Kadett vom Ascona B abgelöst, zum zweiten Mal nach 1974 gewann ein Opel-Team bei der Rallye-Europameisterschaft. SouverÀn sicherten sich Jochi Kleint und Co-Pilot Gunter Wanger nach 17 EinsÀtzen den Gesamtsieg im Europa-Championat. Das Siegerauto, ein nach dem Reglement der Spezial-Tourenwagen aufgebauter Opel Ascona i 2000 mit 175 PS, bog vom Siegerpodest direkt in Opels historische Sammlung ab. In der Opel Classic-Werkstatt unter Beibehaltung aller authentischen Kampfspuren und Narben aus 17 EM-LÀufen auf Asphalt und Schotter restauriert, zeigt sich die Technik des Gruppe 2-Wagens im komplett revidierten Original-Zustand.
Flankiert und komplettiert wird Opels Rallye- und Rundstreckenhistorie durch ein Commodore B GS/E CoupĂ©. Auf einem baugleichen Fahrzeug des Irmscher-Rennstalls gaben Walter Röhrl und Co Jochen Berger 1973 ihr DebĂŒt bei der Rallye Monte-Carlo.