In 30 Abschnitten im KĂ€fer durch Europa


Dem Rennfahrer Hans Wehner und seinem Sieg bei der Tour d’Europe 1960 ist eine kleine Sonderschau, die das Auto-Museum Volkswagen in Wolfsburg zeigt.

Rallye-Pilot und Sieger der Tour dEurope 1960 Hans Wehner eroeffnet Sonderschau im AutoMuseum

Wehner trat mit seinem damals gerade neu erworbenen 25 kW / 34 PS starken KĂ€fer 1200 an. Der heute 90-jĂ€hrige rĂŒstige PensionĂ€r reiste eigens zur Eröffnung an, um seine gewonnenen Pokale zu zeigen und vom Motorsport aus vergangenen Tagen bewegend zu berichten.
Wehner betrieb Motorsport in einer Epoche, in der es noch möglich war, mit einem nahezu unverĂ€nderten Serienfahrzeug an Rennen und Rallyes teilzunehmen. Er ließ damals lediglich SchlĂ€uche in die Reifen seines KĂ€fers ziehen, einen Liegesitz einbauen und den Sturz der Hinterachse verĂ€ndern. WĂ€hrend er den KĂ€fer ĂŒber die Piste steuerte, war sein Beifahrer Horst Wilhelm fĂŒr die Navigation zustĂ€ndig. Anhand simplen Kartenmaterials und des Bordbuches arbeiteten sich die Teams von Etappe zu Etappe vor.

Die Tour d’Europe zog sich in 30 Abschnitten durch neun LĂ€nder SĂŒd- und Osteuropas bis auf den vorderasiatischen Kontinent: Der Wendepunkt befand sich in Beirut im Libanon. Der Weg war das Ziel dieser so genannten GleichmĂ€ĂŸigkeits-Rallye, bei der die Teams die einzelnen Abschnitte in einem vorgegebenen Zeitfenster erreichen mussten. Wer zu frĂŒh oder zu spĂ€t die Kontrollstellen passierte, bekam Strafpunkte. Dies war aber nicht die einzige Herausforderung der Tour: Die großenteils extrem schlechten Wegstrecken, steile Bergetappen, Staub, hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit machten vielen Fahrern und ihren Co-Piloten zu schaffen. Knapp die HĂ€lfte der Teilnehmer erreichte nicht das Ziel. Hans Wehner und sein golfblauer KĂ€fer schafften die Strecke ohne Strafpunkte.

 

 

 

 

Mit mehreren Pokalen, die im Museum ausgestellt werden, wurde das Siegerteam geehrt. Unverhoffte Anerkennung kam auch von Volkswagen, das in den frĂŒhen Jahren des Unternehmens motorsportlichen Veranstaltungen ablehnend gegenĂŒberstand: Volkswagen schickte dem Team ein Gratulationsschreiben und nutzte den Erfolg des Wagens zu Werbezwecken, indem die sprichwörtliche ZuverlĂ€ssigkeit des KĂ€fers hervorgehoben wurde.

Hans Wehner suchte sich anschließend weitere motorsportliche Herausforderungen und nahm in den kommenden beiden Jahren beispielsweise am Marathon de la Route teil. Bei der Rallye Lyon/CharbonnierĂšs-Stuttgart/Solitude und beim Flugplatzrennen Pferdsfeld war er ebenfalls erfolgreich. SĂ€mtliche Auszeichnungen, Fotos und andere Unterlagen bewahrte der pensionierte Finanzbeamte auf und stellt sie nun fĂŒr die Dauer der Ausstellung dem VW-Museum zur VerfĂŒgung.

Die Ausstellung zu einem der ersten, offiziell anerkannten motorsportlichen Erfolge von Volkswagen ist bis zum 15. MĂ€rz 2015 im Museum in der Dieselstraße zu sehen.