AvD Histo Monte: Entscheidung am Col de Turini


Zwei Jahre lang musste die Histo-Monte, eine der außergewöhnlichsten GleichmĂ€ĂŸigkeitsrallyes pausieren.

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TEXT: Tim Westermann/Alexander Voigt

 

Mit Rallye-Leiter Peter Göbel kam der Klassiker als 19. Auflage zurĂŒck. 1800 Kilometer, wenig Schlaf, viel Rechenarbeit und lange Tage mit mehr als zwölf Stunden auf engstem Raum im Cockpit hieß das fĂŒr die Teilnehmer. Das war die 2015er-Ausgabe der AvD Histo-Monte. Das Finale fand an den HĂ€ngen des berĂŒchtigten Col de Turini statt. Gleich drei WertungsprĂŒfungen wurden hier absolviert. Zwei GleichmĂ€ĂŸigkeits-Tests hinauf zum Mittagsstop und die letzte Etappe bis ins Ziel fĂŒhrten ĂŒber unzĂ€hlige Serpentinen und enge Asphaltpisten den Berg hinunter. Der letzte Abschnitt fĂŒhrte dann ĂŒber die Formel-1-Strecke in Monaco. Dabei bildeten der Casinotunnel, die bekannte Schwimmbad-Schikane und Rascasse die letzten Meter der Veranstaltung.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wurde die „Histo“ auch von Ärzten begleitet. Florence Pommerie, verantwortliche Ärzten der Tour de France, und Olivier Aubry, Chef-Arzt der Rallye Dakar fragten alle Teilnehmer vorab nach ihren persönlichen Vorbelastungen und fuhren spĂ€ter im Feld mit, um von Anfang an vor Ort zu sein und die bestmögliche, individuelle, medizinische Versorgung zu gewĂ€hrleisten.

Nachdem sich der von Seat Deutschland eingesetzte und vom Team Westermann/Voigt gefahrene 127 Rallye von 1973 auf den Schneepisten des Jura-Gebirges als unverwĂŒstlich gezeigt hatte, brillierte der Wagen auch auf Asphalt. Die Balance, Getriebeabstimmung und das gesamte Rest-Setup des kleinen Boliden ließen ihn im Feld wenig Gegner. Wie auf Schienen zirkelte er um die Kurven, erklomm die steilen PĂ€sse und rutschte auch auf Schotter nicht von der Piste – nicht zuletzt Dank des mechanischen Differentials auf der Vorderachse. Der Leiter der Klassikabtielung „Coches Historicos“ von Seat, Isidre Lopez, hatte mit seiner Mannschaft ganze Arbeit geleistet.

 

 

 

 

 

 

Aus MĂŒnchen schickte auch die Klassik-Abteilung von BMW eine kleine aber schlagkrĂ€ftige Mannschaft ins Feld der Histo-Monte. Ein 320i aus dem Jahr 1984 reihte sich mit einem 316i (1984) in der Startliste ein. Als Hecktriebler sorgten die „Dreier“ bei ihren Besatzungen fĂŒr viel Quertreiberei – besonders auf Schnee und Eis. SpektakulĂ€r waren die zwei automobilen „AltersprĂ€sidenten“ der Rallye. Ein 62 Jahre alter Fiat 1100 TV 103 wurde vom Schweizer JĂŒrg HĂŒgli Pratteln pilotiert, und auch ein Ovali-KĂ€fer aus dem Jahr 1954 sorgte beim Publikum fĂŒr Freude. „So einen hatte ich auch mal“, hieß es an allen Mittagsstops. Beide „Senioren“ hielten den Strapazen stand und erreichten Stoßstange an Stoßstange das Ziel auf dem Quai Albert in Monaco.

Aber Histo-Monte heißt auch immer improvisieren: Aufgrund der extremen Temperaturen am zweiten Tag der Rallye sprang beim 1961er Skoda Octavia 1200 TS, pilotiert von Andreas Leue und Andreas Of, die gesamte Windschutzscheibe. Starke Folie mit Gardinenstangen als UntergerĂŒst, schnell besorgt aus einem französischen Baumarkt, schuf einen lang haltenden Ersatz. Andreas Leue,Teamleiter Motorsport und Tradition bei Skoda Deutschland, im Ziel in Monaco: „Glas wird echt ĂŒberschĂ€tzt!“

Rallye-Organisator Peter Göbel, mehrfacher deutscher Rallye-Meister als Co-Pilot von Matthias Kahle, zeigte sich am Abschlussabend begeistert. Nach dem Dank an die unzĂ€hligen Helfer und seine Mitarbeiter gerĂ€t er ins SchwĂ€rmen: „Von dem Spannungsborgen her war das die absolut beste Histo-Monte bisher. Mit zwei SchneestĂŒrmen, war die Monte kurz vor dem Abbruch. Besonders war der Übergang aus dem Schnee der Berge in die Sonne der Cote dÂŽAzur. Es geht nicht besser. Die spektakulĂ€re Strecke hatte alles, was es braucht. Und unter der Voraussetzung, daß alle beteiligten Behörden zustimmen, hoffe ich auf die nĂ€chste AvD-Histo-Monte.“

Gewonnen haben ĂŒbrigens Dominik an der Heiden und Werner Neugebauer im Porsche 914-6 GT von 1970, gefolgt von Jens Herkommer und Andrea Sudeck in ihrem Skoda 120 L aus dem Jahr 1985. Platz drei erreichten Horst Weck und sein Co-Pilot Udo Pilger im Porsche 356 SC CoupĂ© aus dem Jahr 1964.