Luxuriöser Oldie: Der Volvo 780


Er ist ein rares Modell unter den großen CoupĂ©s der 1980er Jahre. Nur 8518 Volvo 780 wurden in Kooperation mit Carrozzeria Bertone fĂŒr ausgewĂ€hlte MĂ€rkte gebaut, was den bis dahin teuersten Volvo heute noch begehrenswerter machte.

Volvo 780, ab 1985

Neben Ă€ußerer, schlichter Eleganz, fuhr der ZweitĂŒrer als Besonderheiten mit dem ersten serienmĂ€ĂŸigen Fahrersitz-Gurtstraffer und einem Sechs-Zylinder-Diesel unter der langen Motorhaube vor.
„Das Volvo 780 CoupĂ© den luxuriösesten Volvo aller Zeiten zu nennen, wĂ€re pure Untertreibung”, warb eine amerikanische Volvo Anzeigenkampagne fĂŒr den ZweitĂŒrer, der im MĂ€rz 1985 auf dem Genfer Automobilsalon seine Weltpremiere feierte und vor allem in den USA verkauft werden sollte. Der italienische Stardesigner Nuccio Bertone entwickelte den 780 als exklusives CoupĂ© auf der technischen Basis der Oberklasse-Limousine Volvo 760 und lieferte der schwedischen Premium-Marke so ein neues Spitzenmodell der Extraklasse. Mit diesem CoupĂ© in kleiner Auflage schrieb Volvo eine besondere Tradition fort, die bereits 1961 mit dem legendĂ€ren SportcoupĂ© Volvo P 1800 begonnen hatte und zuletzt im Jahr 1977 durch den ebenfalls in Kooperation mit Bertone realisierten, luxuriösen Volvo 262 C weitergefĂŒhrt worden war. Letzterer wurde zwischen 1977 und 1981 bei Bertone gebaut. Es entstanden 6622 Einheiten. WĂ€hrend der Volvo 262 C allerdings nur ĂŒber eine relativ geringfĂŒgig modifizierte Karosserie gegenĂŒber der Limousine Volvo 264 verfĂŒgte, wurde der Volvo 780 von Bertone unter Mitwirkung des Volvo Chef-Designers Jan Wilsgaard völlig neu entworfen.
Dabei achteten die FormenkĂŒnstler darauf, dem kantig-markanten Stil der Limousine Volvo 760 zu folgen, die Karosserie des Volvo 780 aber dennoch komplett eigenstĂ€ndig zu designen. Ein elegantes CoupĂ© noch höherer Klasse, lautete die anspruchsvolle Zielvorgabe, die erst im dritten Anlauf erreicht wurde. So sah der erste Designvorschlag lediglich eine zweitĂŒrige Version des Volvo 760 mit dynamischerem Dachverlauf vor. Die zweite Studie war ein reinrassiger Sportwagen, dagegen erwies sich der dritte als der ausgewogenste Entwurf des 4,80 Meter langen CoupĂ©s.

 

 

 

 

 

 

WĂ€hrend Volvo fĂŒr Marketing und Vertrieb des neuen Topmodells verantwortlich war, ĂŒbernahm Bertone die Entwicklung und Produktion. DafĂŒr lieferte Volvo alle Antriebs- und Fahrwerkskomponenten nach Italien, wo die Endmontage erfolgte. Der 780 sollte kein Sportwagen, sondern ein luxuriöses Reisefahrzeug sein, so wie es vor allem die Amerikaner, Japaner und einige europĂ€ische Nationen, darunter Schweden, liebten. In Deutschland, dem Land schneller Autobahnen, wurde der Volvo 780 deshalb nicht angeboten. Statt eindrucksvoller Höchstgeschwindigkeit zeigte der Wagen eine besonders großzĂŒgige Serienausstattung. Zu den Besonderheiten zĂ€hlten die elektrische BetĂ€tigung von Fenstern, Sitzen, Schiebedach und Außenspiegeln, außerdem Klimaautomatik, Audioanlage mit Equalizer, Reisecomputer und automatische Niveauregulierung. Das alles waren keine Extras, sondern Standard. Hinzu kamen noch Attribute der automobilen Nobelklasse, wie echte Edelholz-Applikationen an Armaturentafel und TĂŒren sowie eine Lederausstattung. Das alles hatte natĂŒrlich seinen Preis. So war der von 1985 bis 1990 in nur 8518 Einheiten gebaute Volvo 780 gegenĂŒber der Limousine Volvo 760 GLE um gut ein Viertel teurer. Was wiederum die ExklusivitĂ€t des ZweitĂŒrers betonte, der in seinem letzten Verkaufsjahr auf den Typencode 780 verzichtete und schlicht Volvo CoupĂ© genannt wurde.

Der Volvo 780 zÀhlte zu den ersten Coupés mit ABS-Bremsanlage. Absolut neuartig war der pyrotechnisch arbeitende Gurtstraffer. Gab der Crashsensor ein entsprechendes Signal, hielt er den Körper des Passagiers durch Anziehen des Sicherheitsgurts in der optimalen Position.
Auf der Antriebsseite war es ein ebenso effizienter wie leistungsstarker Sechs-Zylinder-SelbstzĂŒnder, mit dem Volvo den Diesel mit LadeluftkĂŒhler in Europa in luxuriösen CoupĂ©s gesellschaftsfĂ€hig machte. Aber natĂŒrlich gab es auch V6-Benziner und Turbo-Vierzylinder.

Alle technischen Aufwertungen erfuhr der Volvo 780 wĂ€hrend seiner fĂŒnfjĂ€hrigen Produktionszeit analog zum Volvo 760. So wurde 1988 die hintere Starrachse zugunsten einer modernen Mehrlenkerachse ersetzt. FĂŒr 1990 erhielt der Volvo 780 sogar noch eine Differenzialsperre.