Sensationelle Entdeckung – Der Oldtimer Megastore auf 12.000 Quadratmetern


Es gibt Erlebnisse, die selbst einem Oldtimerfan, der viel gesehen hat, nahe gehen. Ein Team von Classic-Car.TV, durfte erstmals das komplette Lager einer ehemaligen Autoverwertung besuchen und filmen.


Sehen Sie hier das Video des entdeckten Oldtimer Megastores

Oldtimer-Megastore

 

Oldtimerteile als Massenware: Zwischen unglĂ€ubigem Staunen und ĂŒbermĂŒtiger Fassungslosigkeit begreift man bei einem stundenlangen Spaziergang vorbei an ĂŒberfĂŒllten Regalen nur langsam das Ausmaß eines Lebenswerks von 1948 bis 1987.

Zwei Etagen tief reicht das Lager unter die Erde und drei Stockwerke gen Himmel. Von außen ist dem unscheinbaren GebĂ€ude nicht anzusehen, was in ihm steckt: Ein Labyrinth von GĂ€ngen, Zwischenetagen, RĂ€umen hinter SchranktĂŒren, auf Dachböden, unter schmalen SchiebeschĂ€chten und auf uneinsehbaren Terrassen. Hinter engen Aufstiegen und steilen Leitern entfalten sich neue RĂ€ume mit weiteren Auto-Innereien. Und wieder ein Zwischenboden! Es war einmal ein Schlachtplatz und jedes noch so kleine Teil eines Spenders wurde hier bewahrt. FĂŒr Menschen mit Platzangst ist das ungeeignet. Jede kleine Nische ist bis heute aufgefĂŒllt mit fein sĂ€uberlich beschrifteten Oldtimerteilen.

Sehen Sie hier das exklusive Video mit einem Durchgang durch den Oldtimer Teile Megastore
Was war geschehen? „Wie konnte das ein Mensch schaffen?“ fragt man sich. „Wie konnte dieser immense Schatz an Bauteilen bis heute bestehen bleiben?“
Wir reisen in die 1950er Jahre. Der damalige Besitzer der Autoverwertung hatte den 1922 gegrĂŒndeten Familienbetrieb ĂŒbernommen und fĂŒhrte feinsĂ€uberlich Buch ĂŒber jedes Auto, das angeliefert und akkurat auseinander genommen wurde. Der Waschraum verrĂ€t heute, dass es womöglich bis zu zehn Mitarbeiter gegeben haben muss, die beim Zerlegen und Verstauen geholfen haben. „Gut, alles funktioniert. Kleiner Rostfleck“ steht beispielsweise auf einem kleinen Blechschild an einer voll ausgestatteten TĂŒre, die nicht nur alle Griffe, sondern auch noch das komplett erhaltene Innenleben an sich hat. Nur was wirklich nicht mehr zu gebrauchen ist, wurde damals in einer selbst gebauten Schrottpresse zu einem kunstvollen aussehenden quadratischen Gebilde gedrĂŒckt.

Das LagergebĂ€ude fĂŒllt sich mit jedem Jahr, das die Firma besteht. Die KĂŒhlermasken nehmen immer mehr Platz ein. Die KotflĂŒgel und TĂŒren reihen sich nach Marken und Modellen sortiert eng aneinander. Jeder Winkel wird bis zum letzten Eck ausgefĂŒllt. Scheibenwischerarme stapeln sich wie Massenware ĂŒbereinander. Zylinderköpfe aller Marken drĂ€ngen sich in den Regalen. Zwischen KĂŒhlern, Instrumenten und Anzeigen blitzen gelbe beschriftete Schilder hervor. An WĂ€nden sind die vorhandenen ZĂŒndverteiler und deren Namen und Baujahre verzeichnet. Darf es ein bisschen mehr StoßfĂ€nger sein? Oder eine Hinterachse? Unter dem Dachboden kommt man gar nicht mehr weiter, als der Platz zu Ende war wurden die Tanks einfach im Weg gelagert.

 

 

 

 

 

 

Überhaupt muss Platzmangel ein chronisches Problem jener Tage gewesen sein. Wo es nicht mehr weiterging – auch unterirdisch – wurde mit Spritzpickel und Schaufel neuer Stauraum geschaffen.

Vorbei an einer Halle mit Volkswagen-KĂ€fer-KotflĂŒgeln geht es weiter in die Halle, in der eine unĂŒberschaubare Menge an großen US-Car Blechteilen aufgereiht ist. Chevrolet, Mustang, Buick – klingende Namen und Farbschattierungen in allen Nuancen. Citroen-Teile finden sich in einer anderen Etage. Und hoch ĂŒber allem die Welt der Windschutzscheiben, Fenster und RĂŒckfenster. Viele Regale scheinen kaum mehr erreichbar.
Manchmal gibt es ein Wiedersehen mit der Fahrzeugbezeichnung und dem passenden Baujahr auf einem der gelben Blechschilder auf der schier endlosen Entdeckungstour vorbei an Scheinwerfern und RĂŒcklichtern. Uns wird bewusst, dass man womöglich ein komplettes Auto mit Teilen aus allen Winkeln des unĂŒbersehbaren Schatzes zusammen bauen könnte. Ein riesiges Oldtimer-Puzzle. Den Anfang macht man am Besten in der großen Motorenhalle: Vom Rennwagen bis zum Mini-Flitzer, Italiener und Franzosen ist alles dabei. Wer weiß, vielleicht findet sich zum Jaguar E-Type oder Lancia Fulvia Motor auch noch das Blechkleid in irgend einem Winkel des Labyrinths.

Der heutige Besitzer des Anwesens war selbst ĂŒberrascht vom Ausmaß dessen, was er vor einem Jahr ĂŒbernommen hatte. Bis 1987 waren Fahrzeuge auf dem Anwesen verwertet worden. Dann war Schluss und niemand kĂŒmmerte sich um die Ansammlung. Mittlerweile wurden aus alten Autoteilen begehrte Oldtimerteile. Beim Abschluss des Vertrages hatte der KĂ€ufer seinem VorgĂ€nger noch sein Wort gegeben, dass dieser die Teile nicht in die Schrottpresse geben wĂŒrde. Ein großes Wort angesichts der Masse und der Überraschungen. Noch Monate nach der ersten Begehung des GelĂ€ndes wurden neue Oldtimer-Schlupfwinkel entdeckt. „Erst ein alter Kunde des Autoverwerters zeigte uns eines Tages den Weg zu einem Raum mit komplett original erhaltenen Sitzen,“ erzĂ€hlt uns der heutige Eigner und schmunzelt.

Zwar sind alle Teile beschriftet, doch ein wirkliches System lĂ€sst sich in der Gesamtsituation nicht erkennen. Seit einem Jahr wird nun im „Oldtimer-Megastore“ gerĂ€umt, damit die GĂ€nge benutzt werden können fĂŒr das große Auflösen. Fadul Karaki, 21, wurde jetzt vom EigentĂŒmer mit der Aufgabe betreut, das Massenlager abzuwickeln. Bei ihm gehen tĂ€glich E-Mails (oldtimermegastore@gmail.com) ein mit WĂŒnschen, die nach und nach abgearbeitet werden. „Alle Teile, sofern vorhanden, werden auch per Post verschickt“, sagt der 21-jĂ€hrige Deutsche. „Nur die Motoren natĂŒrlich nicht. FĂŒr Großabnehmer und Teilespezialisten können wir Spezialpakete nach Marken und entsprechende Preise realisieren.“