Auktion – Rolling Stone & Stirling Moss Oldtimer


Goodwood im SĂŒden Englands, in Nachbarschaft von Portsmouth an der KĂŒste, gilt seit mehr als 20 Jahren im Sommer als beliebtes Pilgerziel fĂŒr Autofans aus aller Welt.

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TEXT: Hans-Robert Richarz     BILDER: Bonhams

 

Hier veranstaltet der motorsportbegeisterte und millionenschwere Charles Henry Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, besser bekannt als Lord March, regelmĂ€ĂŸig sein „Goodwood Festival of Speed“ auf dem GelĂ€nde von Goodwood House, dem Anwesen seiner Familie. Bei der weltweit grĂ¶ĂŸten Veranstaltung ihrer Art findet zwar auch eine Motorsportveranstaltung in Form eines Bergrennens statt.
Doch mehr noch interessieren die Besucher der freie Zugang zum Fahrerlager mit der Chance zum GesprĂ€ch mit rennerprobten WeltberĂŒhmtheiten, zahlreiche Shows rund um die Veranstaltung und nicht zuletzt die ebenfalls alljĂ€hrliche Versteigerung klassischer Automobile. Die dĂŒrfte diesmal Sammler von Rolling Stones- und Stirling Moss-Memorabilien besonders anlocken. Einige der automobilen Pretiosen, die das renommierte Auktionshaus Bonhams mit seinen Niederlassungen in Londons vornehmer New Bond Street und dem nicht minder edlen Viertel Knightsbridge dieses Jahr unter den Hammer nehmen will, werden nicht nur bei Oldtimerfans fĂŒr Aufsehen sorgen.

Zwar dĂŒrften sich Autofreaks, denen es nicht schwer fĂ€llt, zwischen 2,2 und drei Millionen Euro fĂŒr einen alten Rennwagen auf den Tisch zu blĂ€ttern, in erster Linie fĂŒr den perfekt restaurierten Aston Martin Ulster LM19 erwĂ€rmen, der 1935 als Werkswagen fĂŒr die 24 Stunden von Le Mans gebaut wurde und als einer der besten Vorkriegs-Sportwagen gilt. Wegen Ölverlust und einem Auspuffschaden verpasste er allerdings damals die Qualifikation fĂŒr das Rennen. Auch bei der Mille Miglia ein Jahr spĂ€ter verfolgte ihn das Pech: Ein durchgebranntes Ventil machte ihm hinter Rom in den Apenninen den Garaus als er mit eineinhalb Stunden Vorsprung vor dem Feld der Verfolger lag. Dennoch: Über den LM sagte Augustus Bertelli, damaliger Chefdesigner und Mitbesitzer von Aston Martin, einmal: „Das ist das beste Auto, das ich je gebaut habe.“

„Das beste Auto, das ich je besessen habe“, behauptet ein weltberĂŒhmter Promi von seinem Fahrzeug, einem CitroĂ«n Maserati SM von 1971, der ebenfalls unter den Hammer kommen soll. Ihn will Bill Wyman, von 1962 bis 1993 Bassist der Rolling Stones, zusammen mit seinem 1966er Mercedes-Benz 250 S mit Hilfe von Bonhams unter die Leute bringen. Mit seinen ehemaligen Band-Kollegen Keith Richards (1972er Dino Ferrari und 1966er Bentley Continental Flying Spur) und Mick Jagger (Aston Martin DB6 and Morgan V8) teilt Wyman die Liebe zu außergewöhnlichen Fortbewegungsmitteln zu denen auch sein alter Citroen ganz ohne Zweifel zĂ€hlt.

 

 

 

 

 

 

Der Wagen wurde entwickelt, als die legendĂ€re italienische Sportwagen Manufaktur noch Teil von Citroen war. Von den Italienern stammte der V6-Motor unter der Haube, die Franzosen steuerten Federung, Servolenkung, Scheibenbremsen und das Design bei, das auch 40 Jahre spĂ€ter nichts von seiner AttraktivitĂ€t verloren hat. Laut Bonhams nutzte Wyman den Citroen vielfach zu ausgedehnten Europa-Touren nach Frankreich, Spanien und der Schweiz, wo er beispielsweise beim Montreux Jazz Festival mit ebenfalls berĂŒhmten Kollegen wie Chris Rea, Eric Clapton und den Muddy Waters musizierte. Um die 50 000 Euro soll das Auto kosten, meint Bonhams.

Schon fĂŒr 20 000 Euro weniger dĂŒrfte Wymans Mercedes, ebenfalls ein Klassiker, zu haben sein. Er gehörte zur ersten S-Klasse, die als Sonderausstattung die in den 1960er Jahren in England modernen verdunkelten Scheiben verpasst bekam. „Die Polizei, die wissen wollte, wer in dem Auto saß, hat mich so oft angehalten“, meinte Wyman spĂ€ter, „dass ich spĂ€ter wieder normales Glas einbauen ließ.“

Dieses Problem hatte die britische Rennfahrer-Legende Sir Stirling Moss in seinem Porsche RS-61, Fahrgestellnummer 718-070, mit Sicherheit nicht, denn er saß in dem dachlosen Rennwagen so gut wie im Freien. Über das Auto (luftgekĂŒhlter Vierzylindermotor im Heck), das als einer der Stars der Versteigerung gilt und zwischen 2,3 und 2,7 Millionen Euro bringen soll, sagt Stirling Moss, der Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre den Rennsport weltweit beherrschte: „Der Wagen war fĂŒr Wettbewerbe wie die Targa Florio mit ihren 440 Meilen ĂŒber sizilianische StrĂ€ĂŸchen wie maßgeschneidert. Ich weiß noch, wie ich dort eines Morgens aufgewacht bin und zu mir selbst gesagt habe, ‚Heute habe ich das ideale Auto‘.“ Doch gewinnen konnte er dieses legendĂ€re Rennen ebenso wenig wie die Formel 1-Weltmeisterschaft. DafĂŒr triumphierte er bei anderen zahlreichen Rennen zu seiner Zeit: etwa bei der Mille Miglia, beim Grand Prix auf dem NĂŒrburgring oder in Monte Carlo.

Der Ort, an dem am 26. Juni 2015 sein alter Porsche RS-61 unter den Hammer kommen soll, hat fĂŒr Sir Sterling Moss eine ganz besondere Bedeutung. Bei einem Grand Prix-Rennen in Goodwood verunglĂŒckte er 1962 mit einem Lotus so schwer, dass er vier Wochen im Koma lag und seine linke Körperseite ein halbes Jahr gelĂ€hmt war. Danach beschloss er, seine professionelle Rennfahrerkarriere zu beenden. (ampnet/hrr)

Goodwood im SĂŒden Englands, in Nachbarschaft von Portsmouth an der KĂŒste, gilt seit mehr als 20 Jahren im Sommer als beliebtes Pilgerziel fĂŒr Autofans aus aller Welt. Hier veranstaltet der motorsportbegeisterte und millionenschwere Charles Henry Gordon-Lennox, Earl of March and Kinrara, besser bekannt als Lord March, regelmĂ€ĂŸig sein „Goodwood Festival of Speed“ auf dem GelĂ€nde von Goodwood House, dem Anwesen seiner Familie. Bei der weltweit grĂ¶ĂŸten Veranstaltung ihrer Art findet zwar auch eine Motorsportveranstaltung in Form eines Bergrennens statt.

Doch mehr noch interessieren die Besucher der freie Zugang zum Fahrerlager mit der Chance zum GesprĂ€ch mit rennerprobten WeltberĂŒhmtheiten, zahlreiche Shows rund um die Veranstaltung und nicht zuletzt die ebenfalls alljĂ€hrliche Versteigerung klassischer Automobile. Die dĂŒrfte diesmal Sammler von Rolling Stones- und Stirling Moss-Memorabilien besonders anlocken. Einige der automobilen Pretiosen, die das renommierte Auktionshaus Bonhams mit seinen Niederlassungen in Londons vornehmer New Bond Street und dem nicht minder edlen Viertel Knightsbridge dieses Jahr unter den Hammer nehmen will, werden nicht nur bei Oldtimerfans fĂŒr Aufsehen sorgen.

Zwar dĂŒrften sich Autofreaks, denen es nicht schwer fĂ€llt, zwischen 2,2 und drei Millionen Euro fĂŒr einen alten Rennwagen auf den Tisch zu blĂ€ttern, in erster Linie fĂŒr den perfekt restaurierten Aston Martin Ulster LM19 erwĂ€rmen, der 1935 als Werkswagen fĂŒr die 24 Stunden von Le Mans gebaut wurde und als einer der besten Vorkriegs-Sportwagen gilt. Wegen Ölverlust und einem Auspuffschaden verpasste er allerdings damals die Qualifikation fĂŒr das Rennen. Auch bei der Mille Miglia ein Jahr spĂ€ter verfolgte ihn das Pech: Ein durchgebranntes Ventil machte ihm hinter Rom in den Apenninen den Garaus als er mit eineinhalb Stunden Vorsprung vor dem Feld der Verfolger lag. Dennoch: Über den LM sagte Augustus Bertelli, damaliger Chefdesigner und Mitbesitzer von Aston Martin, einmal: „Das ist das beste Auto, das ich je gebaut habe.“

„Das beste Auto, das ich je besessen habe“, behauptet ein weltberĂŒhmter Promi von seinem Fahrzeug, einem CitroĂ«n Maserati SM von 1971, der ebenfalls unter den Hammer kommen soll. Ihn will Bill Wyman, von 1962 bis 1993 Bassist der Rolling Stones, zusammen mit seinem 1966er Mercedes-Benz 250 S mit Hilfe von Bonhams unter die Leute bringen. Mit seinen ehemaligen Band-Kollegen Keith Richards (1972er Dino Ferrari und 1966er Bentley Continental Flying Spur) und Mick Jagger (Aston Martin DB6 and Morgan V8) teilt Wyman die Liebe zu außergewöhnlichen Fortbewegungsmitteln zu denen auch sein alter Citroen ganz ohne Zweifel zĂ€hlt.

Der Wagen wurde entwickelt, als die legendĂ€re italienische Sportwagen Manufaktur noch Teil von Citroen war. Von den Italienern stammte der V6-Motor unter der Haube, die Franzosen steuerten Federung, Servolenkung, Scheibenbremsen und das Design bei, das auch 40 Jahre spĂ€ter nichts von seiner AttraktivitĂ€t verloren hat. Laut Bonhams nutzte Wyman den Citroen vielfach zu ausgedehnten Europa-Touren nach Frankreich, Spanien und der Schweiz, wo er beispielsweise beim Montreux Jazz Festival mit ebenfalls berĂŒhmten Kollegen wie Chris Rea, Eric Clapton und den Muddy Waters musizierte. Um die 50 000 Euro soll das Auto kosten, meint Bonhams.

Schon fĂŒr 20 000 Euro weniger dĂŒrfte Wymans Mercedes, ebenfalls ein Klassiker, zu haben sein. Er gehörte zur ersten S-Klasse, die als Sonderausstattung die in den 1960er Jahren in England modernen verdunkelten Scheiben verpasst bekam. „Die Polizei, die wissen wollte, wer in dem Auto saß, hat mich so oft angehalten“, meinte Wyman spĂ€ter, „dass ich spĂ€ter wieder normales Glas einbauen ließ.“

Dieses Problem hatte die britische Rennfahrer-Legende Sir Stirling Moss in seinem Porsche RS-61, Fahrgestellnummer 718-070, mit Sicherheit nicht, denn er saß in dem dachlosen Rennwagen so gut wie im Freien. Über das Auto (luftgekĂŒhlter Vierzylindermotor im Heck), das als einer der Stars der Versteigerung gilt und zwischen 2,3 und 2,7 Millionen Euro bringen soll, sagt Stirling Moss, der Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre den Rennsport weltweit beherrschte: „Der Wagen war fĂŒr Wettbewerbe wie die Targa Florio mit ihren 440 Meilen ĂŒber sizilianische StrĂ€ĂŸchen wie maßgeschneidert. Ich weiß noch, wie ich dort eines Morgens aufgewacht bin und zu mir selbst gesagt habe, ‚Heute habe ich das ideale Auto‘.“ Doch gewinnen konnte er dieses legendĂ€re Rennen ebenso wenig wie die Formel 1-Weltmeisterschaft. DafĂŒr triumphierte er bei anderen zahlreichen Rennen zu seiner Zeit: etwa bei der Mille Miglia, beim Grand Prix auf dem NĂŒrburgring oder in Monte Carlo.

Der Ort, an dem am 26. Juni 2015 sein alter Porsche RS-61 unter den Hammer kommen soll, hat fĂŒr Sir Sterling Moss eine ganz besondere Bedeutung. Bei einem Grand Prix-Rennen in Goodwood verunglĂŒckte er 1962 mit einem Lotus so schwer, dass er vier Wochen im Koma lag und seine linke Körperseite ein halbes Jahr gelĂ€hmt war. Danach beschloss er, seine professionelle Rennfahrerkarriere zu beenden.