Vor 65 Jahren – Alfa Romeo feiert bei der Premiere der Formel-1-Weltmeisterschaft einen Dreifachsieg


1950 war das Geburtsjahr einer Automobil-Weltmeisterschaft, die sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem globalen PhĂ€nomen entwickeln sollte – die Formel 1.

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Der allererste WM-Lauf im britischen Silverstone endete mit einem Dreifach-Sieg fĂŒr Alfa Romeo. Der Italiener Giuseppe „Nino“ Farina gewann nach 325 Kilometern vor Luigi Fagioli (Italien) und Reginald Parnell (Großbritannien). Farina erzielte auf dem ehemaligen, heute noch von der Formel 1 genutzten Flugplatz der Royal Air Force außerdem die Trainingsbestzeit und fuhr auch die schnellste Runde. König George VI. persönlich gratulierte den drei Erstplatzierten.

Alle drei Alfa Romeo Werksfahrer – und außerdem der aufstrebende argentinische Teamneuling Juan-Manuel Fangio – pilotierten den Grand-Prix-Renner Tipo 158, genannt Alfetta. Der rund 300 PS starke Einsitzer aus dem MailĂ€nder Vorort Portello erwies sich auch im Rest der Saison als ĂŒberlegen. Farina und Fangio gewannen alle WM-LĂ€ufe, bei denen Alfa Romeo startete. Lediglich der Pokal vom Großen Preis der USA fehlt in der Sammlung – wie alle europĂ€ischen Werksteams verzichtete Alfa Corse auf den Start in Indianapolis. Nino Farina wurde mit drei Siegen (Großbritannien, Schweiz, Italien) erster Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 vor den Teamkollegen Juan-Manuel Fangio (Siege in Monaco, Belgien, Frankreich) und Luigi Fagioli. Das auch bei Formel-1-Rennen außerhalb der Weltmeisterschaft unschlagbare Trio wurde in der Szene bald respektvoll „Die drei großen F“ genannt.

Auch die Formel-1-Saison 1951 wurde von Alfa Romeo und der inzwischen weiter entwickelten Alfetta dominiert. Mit wiederum drei Siegen holte sich im Jahr zwei der neuen Rennserie Juan-Manuel Fangio den Weltmeistertitel. 65 Jahre nach dem historischen ersten Sieg gehört die Alfetta nicht nur zu den bedeutendsten AusstellungsstĂŒcken im Museo Storico Alfa Romeo, sondern ist unbestreitbar einer der wichtigsten Rennwagen in der Geschichte des Automobilsports.

Das Weltmeisterauto der Jahre 1950 und 1951 basiert auf einem schon 1938 konstruierten Rennwagen. Zu diesem Zeitpunkt gewann die 1,5-Liter-Klasse bei Grand-Prix-Rennen an Bedeutung, die sogenannten „Voiturette“ (französisch fĂŒr „kleines Auto“). Alfa Romeo entwickelte ein Pendant zum Tipo 308, der in der großen Dreiliter-Klasse antrat. Der bald unter dem Spitznamen „Alfetta“ – fĂŒr „kleiner Alfa“ – bekannte Renner erhielt die offizielle Typenbezeichnung 158, zusammengesetzt aus dem Hubraum von 1,5 Liter und acht Zylindern. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stoppte allerdings sĂ€mtliche RennsportaktivitĂ€ten. Sechs Tipo 158 werden versteckt und erleben nach 1945 eine zweite Karriere. Als 1950 die Formel-1-Weltmeisterschaft erfunden wurde, legten die Grand-Prix-Rennwagen von Alfa Corse noch immer die Messlatte. Und das trotz des vermeintlichen Nachteils gegenĂŒber den ebenfalls erlaubten 4,5-Liter-Saugmotoren.

 

 

 

 

 

 

Der aus dem Leichtmetall Elektron gebaute Reihen-Achtzylinder wird von einem Roots-Kompressor zwangsbeatmet. Das Getriebe ist samt Kupplung an der Hinterachse mit dem Differenzial verblockt. Diese sogenannte Transaxle-Bauweise optimiert die Gewichtsverteilung. Aus den 195 PS der Saison 1938 waren bei der Formel-1-Premiere im Mai 1950 in Silverstone rund 300 PS geworden. Durch einen zweistufigen Kompressor stieg die Leistung des 1,5-Liter-Triebwerks bis Mitte 1951 sogar auf 425 PS. Die bis dahin auch in vielen anderen Bereichen weiter verbesserte Alfetta trug im letzten Jahr ihrer GP-Karriere die Bezeichnung Tipo 159.

Der Sieg des Tipo 158 vor genau 65 Jahren beim Großen Preis von Großbritannien und der Gewinn von zwei Formel-1-Titeln hatten hohe symbolische Bedeutung fĂŒr Alfa Romeo. Die sportlichen Erfolge der Alfetta waren eine treibende Kraft hinter der Wiedergeburt der Marke aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs. Die Alfetta schlug die BrĂŒcke zur Bedeutung des Unternehmens im Italien der Vorkriegszeit. Nach der Saison 1951 zog sich das Werksteam Alfa Corse offiziell aus dem Rennsport zurĂŒck. Alfa Romeo und die hochqualifizierten Techniker konzentrierten sich fortan auf die Entwicklung von Serienfahrzeugen.