Die einmillionste Corvette wird restauriert


Am 2. Juli 1992 rollte in Bowling Green, US-Bundesstaat Kentucky, die einmillionste Chevrolet Corvette vom Band. Danach wanderte sie unverzĂŒglich ins benachbarte National Corvette Museum.

The 1 millionth Corvette produced – this white 1992 convertible – was damaged when it fell into a sinkhole that opened up beneath the National Corvette Museum, in Bowling Green, Ky., on Feb. 12, 2014. This image depicts the as-recovered state of the vehicle.

The 1 millionth Corvette produced – this white 1992 convertible – was damaged when it fell into a sinkhole that opened up beneath the National Corvette Museum, in Bowling Green, Ky., on Feb. 12, 2014. This image depicts the as-recovered state of the vehicle.

22 Jahre spÀter, am 12. Februar 2014 morgens um 5.44 Uhr, ereilte sie dort das Schicksal. Zusammen mit sieben Markenkolleginnen versank sie in einem durch einen Erdrutsch ausgelösten 13 Meter breiten und bis zu 20 Meter tiefen Krater und löste weltweit Trauer und Entsetzen unter Corvette-Fans aus. Denn das Auto war platt.
Was danach von ihm ans Tageslicht gehoben wurde, schien eigentlich nur noch Schrott zu sein. Doch jetzt machen sich Techniker und Ingenieure des General Motors Design Center in Warren nahe Detroit an seinen Wiederaufbau. „Die einmillionste Corvette gibt es nur einmal auf der Welt“, sagt David Bolognini, Chef des Vorserienbaus bei General Motors. „Alles an und in ihr soll wieder so werden wie vor dem UnglĂŒck.“ Laut GM-Design-Direktor Ed Welburn werden sogar die Unterschriften der Bandarbeiter rekonstruiert, die sich 1992 im roten Interieur der weißen Corvette verewigt hatten.

Der Montagesaal im Design Center von General Motors, wo die Reparaturarbeiten vonstattengehen, gehört zum Allerheiligsten des Unternehmens. Normalerweise verbringt die Belegschaft hier ihre Zeit mit dem Bau von Prototypen, Konzeptfahrzeugen oder Studien fĂŒr Messen. Diesmal allerdings steht sie vor ganz anderen Herausforderungen. Statt stĂ€ndig von Grund auf neue Einzelteile zu konstruieren und zu verwenden, muss sie nun nach Möglichkeit und wo immer es geht die alten WerkstĂŒcke ĂŒberholen und einsetzen – seien sie durch den tiefen Sturz auch noch so mitgenommen. Sogar der Blechrahmen der Windschutzscheibe, der bei seiner Ankunft in Warren an eine verbeulte Konservendose erinnerte, wird in seine alte Form gebracht. Schließlich geht es um das Original und nicht um einen Nachbau.

Inzwischen sind Rahmen, Fahrwerk und Karosserie weitgehend in Ordnung, die Corvette ist sogar wieder fahrbereit. Die nĂ€chsten Schritte konzentrieren sich jetzt auf die Reparatur des Innenraums und der Sitze. Die gleichen Handwerker, die sich sonst um den Erhalt historischer Prototypen von General Motors kĂŒmmern, restaurieren nun die einmilllionste Corvette, ebenso wie die Nummer Eins von 1953 ein Cabrio mit weißem Body und schwarzem Dach. „Das Auto sah schlimm aus als es bei uns eintraf“, erzĂ€hlt Modelbauer John Stajninger. „Aber dann ging alles besser als wir erwartet haben.“

 

 

 

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TEXT: Heinz-Robert Richarz     FOTOS: Corvette Museum

 

 

Möglicherweise auch deshalb, weil die Spezialisten bereits mit einem anderen Corvette-Exemplar, das ebenfalls im Museum von Bowling Green im Untergrund verschwunden war, einige Erfahrung sammeln konnten. ZunĂ€chst hatten sie sich im Herbst vergangenen Jahres den Prototyp der Corvette ZR1 von 2009 vorgenommen, unter Fans besser als „Blue Devil“ (Blauer Teufel) bekannt. Das Fahrzeug hatte den Sturz in die Tiefe vergleichsweise glimpflich ĂŒberstanden und befindet sich nun wieder im Urzustand. Ein drittes Unfallopfer, eine 1962er Corvette, will das Museum selbst renovieren.

Die fĂŒnf ĂŒbrigen, zunĂ€chst versunkenen und in monatelanger Arbeit aus dem schlammigen Erdreich befreiten Corvettes sollen als Erinnerung an den unglĂŒckseligen 12. Februar 2014 in jenem verbeulten Zustand bleiben wie sie ausgebuddelt wurden. SpĂ€ter sollen sie ihren Platz in einer neuen Museumsabteilung finden, die sich ausschließlich um die Katastrophe dreht und wo auch die Aufnahmen einer Überwachungskamera zu sehen sein werden, die das Desaster aufzeichnete. Den Film gibt es bei Youtube zu sehen (https://www.youtube.com/watch?v=IukDWhf7U9I). Er wurde inzwischen fast neun Millionen mal angeklickt.

Nach wie vor wird an der einmillionsten Corvette in Warren mit Hochdruck gearbeitet. Am 7. September 2015 soll sie wieder an ihren alten Standort zurĂŒckkehren. Dann feiern die Vereinigten Staaten den Labor Day.