Ausstellung: Horex – Rückblick auf einen Motorradtraum


Jeder, der nach dem Zweiten Weltkrieg ein paar Mark erübrigen konnte, sparte – auf ein Motorrad.

Horex Fließband1

Eine Horex sollte es sein, jenes technisch erstklassige und zuverlässige Kultgefährt, das – schon seit den 1920er Jahren – seine Fangemeinde in der ganzen Welt hatte. Und das in Bad Homburg hergestellt wurde. Die Stadt hat diesem bedeutenden Teil ihrer Industriegeschichte 2012 ein eigenes Museum gewidmet, das „Horex Museum“, in dem im jährlichen Wechsel themenbezogen besonders interessante und hochwertig restaurierte Maschinen präsentiert werden. Wie aber sah das Horex-Werk aus, wie die Maschinen, an denen die Teile entstanden, um dann zu einem Motorrad zusammenmontiert zu werden? Und vor allem: Wer waren die Menschen, die sie fertigten und die in dem Betrieb für viele Jahrzehnte einen gesicherten Arbeitsplatz und ein auskömmliches Leben gefunden hatten? Das dokumentiert die neue, ergänzende Dauerausstellung: mit Fotografien von Erika Wachsmann, die erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Fritz Kleemann, der die Horex-Fahrzeugbau AG 1923 zusammen mit seinem Vater gegründet hatte, erteilte der Fotografin Erika Wachsmann 1955 den Auftrag, sein Lebenswerk und seine Familie zu fotografieren. Zu dieser Zeit begann jedoch auch die Krise aller Motorradbauer. Kleinautomobile verdrängten die Zweiräder. So wurde dieser Fotoauftrag zu einer Bestandsaufnahme des berühmten Bad Homburger Unternehmens. Erika Wachsmann suchte nach den Orten und dem Ausdruck, der den Mythos Horex sichtbar werden ließ. Die große, von Licht durchflutete Halle mit zahlreichen Arbeitsplätzen nahm sie wie ein Stillleben auf, ebenso den Blick auf einzelne Mitarbeiter. Sicher musste alles arrangiert werden – den Arbeitern sieht man es an, dass sie in der Bewegung kurz inne halten mussten. Trotzdem wirken die Aufnahmen natürlich und konzentriert. Auch die Familienporträts machen deutlich, wie ungezwungen und wohl sich die Familie fühlte, je länger die Prozedur dauerte. Offenbar schaffte es die Fotografin, sich so im Hintergrund zu halten, dass selbst die Kinder ihre Anwesenheit nicht als störend empfanden.

 

 

 

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Die Bilder zeugen vom Können und der jahrelangen Erfahrung der Fotografin. Erika Wachsmann, 1903 in Danzig geboren, studierte zunächst Malerei, ließ sich dann zur Musiklehrerin ausbilden und studierte anschließend Werbegrafik an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Willi Baumeister. Nach einem Volontariat bei einer Werbeagentur ging sie an die Staatliche Schule für bildende Künste nach Weimar und legte dort ihr Gesellenexamen in Fotografie ab. Nach Jahren intensiver Arbeit in Fotoateliers in Frankfurt, Saßnitz und Düsseldorf bestand sie 1943 ihre Meisterprüfung in Fotografie. 1945 wurde die elterliche Wohnung im Frankfurter Westend zerstört, Erika Wachsmann siedelte nach Oberursel um, wo sie ein eigenes Fotoatelier gründete. Mit diesem Atelier zog sie 1954 nach Bad Homburg und betrieb es bis 1985.

Als freiberufliche, international anerkannte Fotografin arbeitete sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), die Frankfurter Rundschau (FR), die Frankfurter Illustrierte, verschiedene Magazine und das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels. Daneben illustrierte sie auch Bücher. Von Oberursel und Bad Homburg aus war sie als Fotografin im von Bomben zerstörten Frankfurt, in den Metropolen der Nachkriegszeig und an allen Orten des Wiederaufbaus und des wirtschaftlichen Aufschwungs im Rhein-Main-Gebiet zugegen. Erika Wachsmann verstarb 1997 in Kronberg im Taunus. Anne Hoffmann, ihre Schülerin und Fotografin in Florstadt, verwaltet das Erika-Wachsmann-Archiv. Sie sorgte für die erstmaligen, hochqualitativen Barytpapier-Abzüge der im „Horex-Museum“ ausgestellten Fotografien aus den Horex-Werken.

Öffnungszeiten Horex Museum, Horexstraße 6: Mittwoch 10 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr. Eintritt: 2,50 Euro, ermäßigt ein Euro.