Geburtstag – Ein guter Freund wird 50


Ein halbes Jahrhundert hat er auf dem Buckel, Fords bekannter Transporter. Am 9. August 1965 rollt der erste Transit vom Band. Ein Jahr spÀter tritt er dann auch in Deutschland an.

9 Transit Panorama-Bus, 1974

9 Transit Panorama-Bus, 1974

TEXT: Gerhard Prien

 

Mittlerweile wurden weltweit mehr als sieben Millionen Exemplare verkauft. Dabei ist die Geschichte des Transit eigentlich noch etwas Ă€lter. Begonnen hat sie in Deutschland – mit dem FK 1000 – und in Großbritannien, mit dem hierzulande eher weniger bekannten Thames 400 E.
Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) prĂ€sentiert Ford 1953 mit dem FK 1000 seinen ersten Transporter – und damit so etwas wie den Urahn des spĂ€teren Transit. Per Binnenschiff kommen die Karosserien vom damaligen Karosseriebetrieb Drauz in Heilbronn ĂŒber Neckar und Rhein ins Werk Köln-Niehl. Bereits in den 1930er-Jahren setzt Drauz auf Fahrgestelle von Ford elegante Karosserien, die Zusammenarbeit ist also durchaus erprobt und bewĂ€hrt. Die Ziffern beim 4,3 Meter langen FK 1000 stehen fĂŒr die Nutzlast in Kilogramm, die Buchstaben fĂŒr die Herkunft: von Ford Köln. Genau genommen liegt die Nutzlast bei exakt der HĂ€lfte des zulĂ€ssigen Gesamtgewichts von 2050 Kilogramm. Der Motor nimmt lĂ€ngs eingebaut vorn in der Kabine Platz. Den Vier-Zylinder-Benziner, der die HinterrĂ€der antreibt, steuert der Taunus 12 M bei, die „Weltkugel“. Er holt aus 1,2 Litern Hubraum 28 kW / 38 PS, fĂŒr einen Transporter damals ganz ansehnlich. Satte 95 km/h schafft das Nutzfahrzeug mit Blattfedern und 15-Zoll-RĂ€dern damit. SerienmĂ€ĂŸig ĂŒbernimmt ein Drei-Gang-Getriebe (auf Wunsch: vier GĂ€nge) mit Lenkradschaltung die KraftĂŒbertragung. Von Anfang an gibt es den FK 1000 als Kastenwagen, Pritsche und Kombi sowie als achtsitzigen Bus.

Exakt 1021 Exemplare des FK 1000 baut Ford im ersten Jahr. Die Produktion liegt damit bei 13 Transportern pro Tag. Danach steigen die Zahlen an und werden 1955 erstmals fĂŒnfstellig. Im Jahr 1964 erreicht die Transit-Fertigung ihre erste Rekordmarke von 35 242 StĂŒck, was einem tĂ€glichen Ausstoß von 145 Einheiten entspricht.

 

 

 

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Im Jahr 1955 rĂŒckt der Motor des FK 1000 ein StĂŒck nach hinten zwischen die Vordersitze, positiv fĂŒr die Gewichtsverteilung und das Fahrverhalten. Jetzt ist auch ein Durchstieg innerhalb des Fahrerhauses möglich und der Fußraum wĂ€chst. Parallel dazu ergĂ€nzt ein stĂ€rkerer 1,5-Liter-Motor aus dem Taunus 15 M mit 40 kW / 55 PS das Programm. Blinker ersetzen 1958 die bisherigen Winker. Neu ins Programm kommt – mit höherer Nutzlast – der FK 1250. Basierte der Pritschenwagen bisher auf einem Plattform-Fahrgestell, also auf der Bodengruppe des Kastenwagens, so gibt es jetzt alternativ eine klassische Holzpritsche. Zu den DetailĂ€nderungen zĂ€hlt ein Wechsel vom aufwĂ€ndig gearbeiteten Front-Emblem zu geprĂ€gten Buchstaben.

1961: Aus dem FK wird Taunus Transit

Zu Beginn des Jahres 1961 wird aus dem BuchstabenkĂŒrzel FK der Taunus Transit. Das nun durchweg verwendete Vier-Gang-Getriebe ist vollsynchronisiert (bisher erst ab Gang zwei), ein ausstellbares Dreiecksfenster ergĂ€nzt die Schiebefenster des Fahrerhauses. Spitzenmodell ist der achtsitzige Bus mit Luxus-Ausstattung und Verglasung des Dachrands. In den folgenden Jahren baut Ford das Programm weiter aus: Einstiegsmodell ist ab 1962 der Taunus Transit 800 mit reduzierter Nutzlast. Die bisher aufpreispflichtige SeitentĂŒr zum Laderaum gibt es nun serienmĂ€ĂŸig. 1963 kommt der Taunus Transit 1500 mit erhöhter Nutzlast hinzu. WĂ€hrend sich die leichteren Taunus Transit durch eine selbsttragende Karosserie auszeichnen, gibt es den Taunus Transit 1500 ausschließlich als Fahrgestell mit zwillingsbereifter Hinterachse. Sein 1,7-Liter-Benziner mit 44 kW / 60 PS stammt aus dem Taunus 17 M. Bei allen Taunus Transit ersetzt eine Mittelschaltung die bisher verwendete Lenkradschaltung.

Nach zwölf Jahren und 255 832 Exemplaren endet 1965 die Laufbahn des Taunus Transit, der ab 1964 fĂŒr kurze Zeit auch im portugiesischen Azambuja montiert wird.

UnabhĂ€ngig und parallel zum FK und Taunus Transit der Ford-Werke in Deutschland legt Ford of Britain in den 1950er-Jahren ebenfalls einen Transporter auf. Der Ford Thames 400 E tritt 1957 als Nachfolger des veralteten Fordson aus den Dreißigern an. Auch fĂŒr den den Thames ist – wie beim FK 1000/Taunus Transit – eine Frontlenker-Konstruktion mit Motor vorne in der Kabine zwischen den Sitzen und Antrieb auf die Hinterachse kennzeichnend. Verkauft wird er sich beinahe ausschließlich in Großbritannien, seine StĂŒckzahlen liegen in einer Ă€hnlichen GrĂ¶ĂŸenordnung wie bei seinem deutschen Pendant.

1965: Aktion RotkĂ€ppchen – das Ende der Doppelarbeit

Anfang der 1960er-Jahre lĂ€utet Ford das Ende der deutsch-britischen Doppelarbeit ein. FĂŒr beide Baureihen soll – unter dem Codewort „Redcap“ (RotkĂ€ppchen) – ein gemeinsamer Nachfolger entwickelt werden. Da Deutsche und Briten eine eigene, erfolgreiche Automobil- und Transporter-Historie haben, sind sie anfangs nur schwer unter einen Hut zu bringen. Aber die amerikanische Muttergesellschaft setzt sich durch. Sie liefert den Entwurf fĂŒr das neue Modell, mit einer eigenstĂ€ndigen Plattform und Motoren aus dem Pkw-Bau. Auch das Styling ist amerikanischen Ursprungs, die US-Design-Studios liefern per Schiff ein dreidimensionales Ton-Modell nach Großbritannien. Optik und Konzept sind Anfang 1963 definiert, der Transporter wird in Großbritannien entwickelt und erprobt.

FĂŒr den neuen europĂ€ischen Transporter wĂ€hlte man den Namen Transit. Der deutsche Name Taunus entfĂ€llt, ebenso wie Thames (Themse). Fast bekommt der Transporter in Großbritannien den Namen V-Serie. Aber einer der Verantwortlichen begutachtet einen fĂŒr Deutschland bestimmten Linkslenker. Dessen Bezeichnung Transit gefĂ€llt ihm. Bis heute gilt der Name fĂŒr die gesamte Baureihe. Aber die gemeinsame Bezeichnung Transit fĂŒr den Neuen fĂŒhrt zu MissverstĂ€ndnissen. Die ZĂ€hlung der Transit-Generationen fĂŒr Ford of Britain beginnt im Jahre 1965 mit Mark 1, fĂŒr die Deutschen stellt diese Baureihe nach FK und Taunus Transit bereits die zweite Generation des Transit dar. FĂŒr Ford beginnt die Erfassung der Produktionszahlen offiziell im Jahre 1965. Die Viertelmillion FK 1000 und Taunus Transit werden nicht mitgezĂ€hlt.

Die Baureihe ist im Jahre 1965 also neu, ebenso die Produktionsstandorte, an denen zum Start tÀglich 150 Transporter gefertigt werden. Das neu errichtete Hauptwerk im belgischen Genk ist organisatorisch den Ford-Werken zugeordnet. Am deutschen Heimatstandort in Köln konzentriert man sich jetzt auf Pkw. Ford of Britain produzierte den VorlÀufer des Transit, den Thames 400 E, bisher in Dagenham. Jetzt kommt der neue Transit aus einem ehemaligen Flugzeugwerk in Langley. Die Karosserien liefert das Werk Swaythling in Southampton. Sieben Jahre spÀter zieht der britische Transit komplett nach Southampton um. Dort lÀuft er rund vier Jahrzehnte lang vom Band.

Der Transit ĂŒbernimmt von seinen VorgĂ€ngen lediglich das Prinzip des Antriebs mit lĂ€ngs eingebautem Motor vorne und angetriebenen HinterrĂ€dern. Sonst bleibt keine Schraube gleich. Neu ist das Design mit kurzer Motorhaube, breitem KĂŒhlergrill und in Scheinwerfer mĂŒndenden KotflĂŒgeln, auf denen die Außenspiegel wie InsektenfĂŒhler sitzen. Markant ist der weiß abgesetzte KĂŒhlergrill mit 30 Luftschlitzen.

Unter der Karosserie des neuen Transit steckt robuste Technik mit blattgefederten Starrachsen vorne und hinten. Unter der kurzen Motorhaube arbeiten Vier-Zylinder-V-Motoren aus der Tanus-Baureihe. Das Angebot umfasst einen 1,2-Liter mit 33 kW / 45 PS, einen 1,5-Liter mit 44 kW / 60 PS sowie einen 1,7 Liter mit 48 kW / 65 PS. Die britischen Varianten haben eigene Motoren, einen 1,7-Liter Benziner (54 kW / 73 PS) und einen 2,0-Liter Benziner (63 kW / 85 PS).

Der hat Erfolg und erreicht in Großbritannien auf Anhieb Platz 1 der Transporter-Zulassungsstatistik. Dort hĂ€lt er diese Position seitdem ununterbrochen. Drei Jahre brauchte es fĂŒr die ersten 100 000 Exemplare, die erste Million war nach elf Jahren am 15. September 1976 erreicht, die zweite Million neun Jahre spĂ€ter.

1966: Der Transit dieselt

Bereits kurz nach dem Produktionsstart bekommt der Transit in Großbritannien einen Diesel. Der 1,6-Liter Motor von Perkins leistet 32 kW / 43 PS. Ein Jahr spĂ€ter kommt ein grĂ¶ĂŸeres Diesel-Triebwerk mit 1,8 Litern Hubraum. Die Diesel bauen als Reihenmotoren lĂ€nger als die V4-Benziner, deshalb bekommt der Bug einen Vorbau. Zuwachs auch bei den Produktionsstandorten: Ab 1967 wird der Transit in der tĂŒrkischen Metropole Istanbul gefertigt.

Im Zuge der Modellpflege bekommt der Transit 1969 eine Zweikreis-Bremsanlage und einen zugunsten der passiven Sicherheit entschĂ€rften Innenraum. Aus Zugschaltern werden Kippschalter, das ZĂŒndschloss wird auf die Oberseite der LenksĂ€ulenverkleidung verlegt und als Sonderausstattung kann ein BremskraftverstĂ€rker bestellt werden.

Sein erstes Facelift erlebt der Transit im Jahre 1971. AuffĂ€llig ist der neue, weiß lackierte KĂŒhlergrill mit feinmaschigem Lufteinlass. Der kleinste V4-Benziner entfĂ€llt, hinzu kommt in Deutschland optional der Zwei-Liter-Benziner mit 55 kW / 75 PS. Aufgewertet wird das Cockpit, mit gepolstertem ArmaturentrĂ€ger, FrischluftdĂŒsen, hĂ€ngenden Kupplungs- und Bremspedalen und optimierten Sitzen. Gleichzeitig werden die Modelle umbenannt: aus dem FT 1000 wird der FT 100, aus dem FT 1750 ein FT 175.

Ab 1972 gibt es den Transit auch in Deutschland mit SelbstzĂŒnder, dem sogenannten York-Diesel von Ford. Der Vierzylinder holt aus 2,4 Litern Hubraum zunĂ€chst 38 kW / 51 PS, bald 46 kW / 62 PS. Die Diesel-Transits sind am verlĂ€ngerten Vorbau zu erkennen. Seine LeistungsfĂ€higkeit beweist der Diesel auf der Rennstrecke in Monza: In sieben Tagen bewĂ€ltigt der Transporter eine Strecke von 10 000 Kilometern: Rekord fĂŒr einen Transporter mit Diesel.

Im Jahre 1978 folgt die zweite Transit-Generation mit umfassendem Facelift. Neue Reihenmotoren bedingen einen verlĂ€ngerten und fĂŒr alle Motor-Varianten identischen Vorbau. Das ovale Markensignet ersetzt den bisherigen Schriftzug. Die Modellspanne reicht vom FT 80 bis zum FT 190. Basismotor ist ein 1,6-Liter- Benziner mit 48 kW / 65 PS, darĂŒber ist ein Zwei-Liter-Benziner mit 57 kW / 78 PS angesiedelt. Alternativ gibt es den bekannten 2,4-Liter-Diesel mit 46 kW / 62 PS. Zu den Werken Genk (Belgien), Southampton (Großbritannien), Azambuja (Portugal) und Istanbul (TĂŒrkei) gesellte sich 1978 auch Amsterdam. Hier wird der Transit bis einschließlich 1981 fĂŒr den lokalen Markt gebaut.

Spitzenmotorisierung ist ab 1979 ein V6-Motor mit drei Litern Hubraum und 74 kW / 100 PS. Das Aggregat passt gut zum ebenfalls 1979 vorgestellten und ab 1981 verfĂŒgbaren Transit Clubmobil mit großen Seitenscheiben, Bullaugenfenstern und wohnlicher Ausstattung von Hymer. Erstmals gibt es den Transit auch mit Allradantrieb.

Wegen seiner Kombination aus guter Leistung, hoher Nutzlast und ZuverlĂ€ssigkeit ist der Transit in verschiedenen Branchen – und auch bei Ganoven – beliebt. So stellt die britische Polizei fest, dass in den 1970er-Jahren bei BankĂŒberfĂ€llen mit Fahrzeugen fast immer Transits zum Einsatz kamen.

Eil-Transporter: Der „Supervan“

Der Transit hĂ€lt immer wieder als Basis fĂŒr Experimental-Fahrzeuge her. So prĂ€sentiert Ford 1971 den ersten „Supervan“ auf der Rennstrecke von Brands Hatch. Unter der Original-Karosserie mit KotflĂŒgelverbreiterungen steckt das Chassis des legendĂ€ren Rennwagens Ford GT40. Im Laderaum ist mittig ein Ford V8-Motor mit fĂŒnf Litern Hubraum und einer Leistung von 294 kW / 400 PS verbaut. Er katapultiert den Transit Supervan auf eine Spitze von 150 Meilen ( 242 km/h). 13 Jahre spĂ€ter geht 1984 der Supervan 2 an den Start. Seine HĂŒlle besteht aus einer GfK-Karosserie im Stil des ransit, angereichert mit Spoilern und seitlichen LufteinlĂ€ssen. Darunter steckt ein Rennwagen-Chassis vom Ford C100 aus der damaligen C-Rennserie. Der Cosworth-Motor, ein V8 mit 3,9 Litern Hubraum und 440 kW / 600 PS Leistung, beschleunigt den Supervan 2 in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 km/h. Höchstgeschwindigkeit: 280 km/h.

Am 25. Juli 1984 lÀuft ein JubilÀumsfahrzeug vom Band: Ford hat zwei Millionen Transit gebaut.