Oldtimer Grand Prix – Packende Szenen am NĂŒrburgring


Wenn ĂŒber die Bergkuppen der Eifel ein dunkles Brummen rollt, ist Oldtimer-Grand-Prix am NĂŒrburgring. Hunderte von Sportwagen und Formel-1-Rennern sind dann am und auf dem NĂŒrburgring unterwegs.

 

Sehen Sie hier Ausschnitte aus dem Livestream des AvD Oldtimer Grand Prix 2015 (Wige TV)

Bei der 43. Ausgabe des AvD-OGPs erlebten ĂŒber 52.000 Zuschauer in ĂŒber 20 Rennen und GleichmĂ€ĂŸigkeitsprĂŒfungen packende Duelle – das war Fans und Freaks die oftmals weite Anreise in die Eifel wert.
Belohnt wurden sie mit drei herrlichen Tagen, wÀhrend der sich Rennwagen der Vorkriegszeit, Formel-1-Boliden und Grand-Prix-Fahrzeuge 50-er bis 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spannende WettkÀmpfe Rad an Rad lieferten. Kein Wunder, dass die Veranstaltung als eine der erfolgreichsten in Europa gilt.

Auf der Strecke waren es die LĂ€ufe zu den historischen FIA-Meisterschaften fĂŒr Formel-1-Fahrzeuge und Sportwagen, die die sportlichen Highlights setzten. Das exzellent besetzte Rennen der zweisitzigen Rennwagen und GTs bis 60/61 am Samstagabend bildete die stimmungsvolle Krönung des Programms auf der Rennstrecke. Schon am Freitag gab es darĂŒber hinaus ein JubilĂ€um zu feiern, als die 25. Auflage des AvD-Historic-Marathon fĂŒr Tourenwagen und GTs das Wochenende eröffnete. Marcus von Oeynhausen / Frank Stippler (Jaguar E-Type) konnten das vierstĂŒndige Endurancerennen zum sechsten Mal als Gesamtsieger beenden. Stark besetzt war auch das Feld der Vorkriegsfahrzeuge, dass die Veranstaltergemeinschaft in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Schnauferl Club (ASC) an den Ring gelockt hatte. Hier waren Fahrzeuge, wie der legendĂ€re Kompressor-Mercedes zu sehen, mit dem Rudolf Caracciola im Jahr 1927 das Eröffnungsrennen des NĂŒrburgrings gewann.

Auch in diesem Jahr war das Feld der zweisitzigen Rennwagen und GT bis 1960/61 ein AushĂ€ngeschild des AvD-Oldtimer-Grand-Prix. Denn die Teilnehmerliste war wieder ein who-is-who der 50er-Jahre-Sportwagen. Maserati Birdcage und 250SI, Lister-Jaguar, Porsche 356 und RSK 718 und die Lotus-Modelle treten an. Exotische RaritĂ€ten, wie der Ferrari 250GT SWB Breadvan oder die Alfa Romeo Giulietta Sprint Zagato starten beim ersten Lauf am Samstagabend zum einstĂŒndigen Rennen, das in die DĂ€mmerung hineinfĂŒhrt. Wenn die Scheinwerfer der bildschönen Rennwagen dann in der DĂ€mmerung aufleuchten, wird das Flair der großen Langstreckenklassiker wie den 24 Stunden von Le Mans greifbar.

In der Veranstaltergemeinschaft ist Hubertus Graf Dönhoff fĂŒr das Rennen zustĂ€ndig. Er ist als einer der GrĂŒndervĂ€ter des AvD-Oldtimer-Grand-Prix und kennt die Starter und ihre Fahrzeuge bestens. Seine Aufgabe: Aus erlesenen automobilen Zutaten stellt er jedes Jahr aufs Neue ein einmaliges motorsportliches MenĂŒ zusammen. „Wir haben 50 StartplĂ€tze – und das bedeutet, sehr viele Telefonate zu fĂŒhren und einige Briefe zu schreiben“, erklĂ€rt er. „Ich stehe schließlich nicht als Dirigent vor einem Orchester von Rennfahrzeugen und sage, was in diesem Jahr geschieht. Es ist mit einer gewissen MĂŒhe verbunden, Fahrer persönlich anzusprechen und einzuladen. Immer wieder gilt es, eine schöne Mischung hinzubekommen. Es existieren viele rennfertige Fahrzeuge von Lotus und Porsche, und da muss man gewisse Grenzen setzen und den ein oder anderen Piloten auch einmal darum bitten, VerstĂ€ndnis dafĂŒr zu haben, dass er bitte erst im folgenden Jahr wieder an den Start gehen kann.“ So wird die Zusammensetzung des Starterfeldes jĂ€hrlich verwandelt: „Im Vorjahr hatten wir fĂŒnf Ferrari 250GT SWB, in diesem Jahr nur einen. Vor drei Jahren hatten wir sensationelle sechs Birdcages, in diesem Jahr zwei. In den Vorjahren hatten wir dafĂŒr nur mit viel MĂŒhe einen Lister-Jaguar, in diesem Jahr sind es drei: Die Schwerpunkte in diesem Rennen Ă€ndern sich immer wieder ein wenig, und das ist auch gut so. Die Fahrer mĂŒssen untereinander Spaß haben und mit gleichgesinnten – und gleichwertigen – Konkurrenten wetteifern können. Und den Zuschauern auf der TribĂŒne wollen wir natĂŒrlich ein wenig Abwechslung bieten, damit dieses Rennen so spannend bleibt wie in der Vergangenheit.“

 

 

 

 

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FOTOS: Tom Linke ad08 Fotografie        TEXT: Gerhard Prien/Adrien Duncan

Spaß und eine perfekte Organisation sind der Garant großartige Renn-Klassiker an den Start zu holen. Das zeigt ein Blick auf das Feld der Sportwagen mit extrem seltenen oder historisch wichtigen Exemplaren. Im Lager der Maserati war der sehr seltene 250SI von Marc Deviis und Christian Traber zu sehen oder auch Alexander Sator mit seinem Maserati 300S, der zum ersten Mal dabei war. Äußerst seltene Fahrzeuge sind auch die beiden „Birdcage“-Maserati: Josef Otto Rettenmaier pilotiert die klassische Frontmotor-Variante (Tipo 61), Dr. JĂŒrgen Boden die noch seltenere Mittelmotor-Variante (Tipo 63). Einige der ohnehin seltenen Rennwagen fallen auch durch ihre ungewöhnlichen Karosserie-Varianten auf. So etwa der Ferrari 250GT SWB „Breadvan“ der Österreicher Martin, Lukas und Niklas Halusa oder auch der von Dr. Edgar Otten an den Start gebrachte Porsche 550A. Die Bandbreite von rund einem Jahrzehnt, die dieses Rennen prĂ€sentiert, dokumentiert auch die Evolution der Renntechnik. So freut sich Graf Dönhoff ĂŒber die aus den ersten Nachkriegsjahren stammenden Veritas: „Schön, dass wir auch diese Fahrzeuge wieder dabei haben – sie fehlten im vergangenen Jahr.“ Ein anderer „RĂŒckkehrer“ ist der O.S.C.A 2000S von Gaby von Oppenheim. Die Kölner Spezialistin fĂŒr historische Rennwagen musste im Vorjahr auf ein Ersatzfahrzeug ausweichen, weil der 2000S aus dem Jahr 1960 defekt war. Nun konnte sie das einzige O.S.C.A. 200S-Sechszylindermodell wieder auf der Rennstrecke bewegen.

Die Vorkriegs-Teilnehmer
Zum zweiten Mal arbeitete die Veranstaltergemeinschaft des AvD-Oldtimer-Grand-Prix mit dem Allgemeine Schnauferl Club (ASC) zusammen, um den Motorsport mit Vorkriegsrennwagen zu prĂ€sentieren. Gezeigt wurde ein Starterfeld historischer Motorsportfahrzeuge aus der Vorkriegs-Ära und selbst aus der ‚Messing-Zeit‘ frĂŒhen Jahre vor dem ersten Weltkrieg, in denen die automobile Technik noch in den Kinderschuhen steckte und dennoch Autos fĂŒr sportliche Zwecke gebaut wurden.
Um den sportlichen Genen der teilnehmenden Vorkriegsfahrzeuge gerecht zu werden, schickte man die betagten Sport- und Rennwagen beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix auf eine VielseitigkeitsprĂŒfung: Neben Runden auf der Nordschleife und einer touristischen Rallye durch die Umgebung des NĂŒrburgrings standen dabei auch zwei GleichmĂ€ĂŸigkeitsprĂŒfungen auf dem Programm. „Wir freuen uns, diese wunderbaren Fahrzeuge auf der Rennstrecke zeigen konnten“, sagt Joos Tollenaar, der in der Veranstaltergemeinschaft fĂŒr das Rennen zustĂ€ndig ist. „Und natĂŒrlich bieten wir auch diesen Ă€ltesten Rennwagen des Wochenendes einen Sicherheitsstandard auf Formel-1-Niveau.“ Die kombinierte PrĂŒfung wurde unter dem Titel „Vintage Sports Car Trophy“ gewertet, ganz besondere Teilnehmerfahrzeuge wurden in der „ASC Trophy“ gefĂŒhrt: Sie war den Fahrzeugen vorbehalten, deren OriginalitĂ€t durch einen FIVA-Pass ausgewiesen ist. „Wir legen großen Wert auf die AuthentizitĂ€t des Fahrzeuges“, erklĂ€rt dazu Charly Willems.
Sportwagen-WM-Star Lotterer im historischen Audi
Zu den prominenten Piloten gehörte AndrĂ© Lotterer, der in drei Wochen im Rahmen der Sportwagen-Weltmeisterschaft erneut am NĂŒrburgring sein wird (Im ultramodernen Audi R18 e-tron quattro – Hybrid). Beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix unternahm er eine Reise zurĂŒck in die eigene Geschichte: Im DRM-Revivallauf trat er auf einem Nothelle-Audi 80 CoupĂ© 2.0 . „Das Team Kamei-Crew-Nothelle bekam 1981 den Auftrag von Audi Sport, den Quattro fĂŒr die DRM aufzubauen und hat das in ganz erstaunlich kurzer Zeit umgesetzt“, erklĂ€rt der Sportwagen-Star. „Mein Vater war in diesem Team damals fĂŒr den Motor verantwortlich. Es war ein wunderbares, sentimentales Erlebnis, dieses Auto zu fahren, das mein eigener Vater im Jahr meiner Geburt mit gebaut hat.“

Motorsportlegenden im Fahrerlager und auf der Strecke
Auch Jaguar war mit einem großen Aufgebot an historischen und modernen Fahrzeugen im vertreten. Die Jaguar Heritage Challenge fĂŒr historische Wettbewerbsmodelle absolvierte am NĂŒrburgring ihren einzigen Lauf außerhalb der britischen Insel. Zwei weitere Partner prĂ€sentierten ihre Ausstellungsfahrzeuge nicht nur im Fahrerlager, sondern auch in einem Korso auf der Strecke. Bei Skoda gehörte unter der siebenmalige Deutsche Rallye-Meister Matthias Kahle zu den StargĂ€sten. Er pilotierte am Freitag einen Skoda 130 RS auf der Nordschleife und freute sich auf die Parade am Sonntag. Bei Opel gehörte DTM-Legende Joachim „Jockel“ Winkelhock zu den Fahrern im Korso „Legenden der Opel-Motorsportgeschichte“: „Ich hatte das VergnĂŒgen, einen Rallye-Ascona zu fahren. Es war das Europameisterschafts-Auto von Walter Röhrl und Jochen Berger von 1974. Es ist toll zu erleben, wie positiv diese alten Fahrzeuge von den Besuchern aufgenommen werden. Und auch bei mir werden Kindheitserinnerungen wach bei einigen Rennwagen, die ich hier auf der Strecke gesehen habe.“

Gefeiert wurde auch: Porsche Classic beging den 40. Geburtstag des Supersportwagens 959, zeigte viele historisch wertvolle Exponate und lud als Zeitzeugen den sechsfachen Le-Mans-Sieger Jacky Ickx ein. Alfa Romeo war zur Feier des 50. Geburtstages des Alfa Romeo GTA stark vertreten. Im Rennen der historischen Tourenwagen und GT sorgte eine stark besetzte Sonderwertung fĂŒr Furore auf der Strecke. Und auch ein höchst bekannter ehemaliger Motorsportler griff ins Volant eines GTA: Ex-Formel-1-Pilot und Le-Mans-Sieger Richard Attwood ging im AvD-Historic-Marathon am Freitag an den Start. Er hatte dabei genĂŒgend Gelegenheit, den Vergleich zu seinen Nordschleifen-EinsĂ€tzen in den 60er-Jahren zu ziehen: „Vor 40 Jahren war hier alles anders – schon der Straßenbelang war anders, sehr rau. Mit der Cobra, die ich 1964 hier fuhr, habe ich auf einer Runde 30 Mal abgehoben. Der Alfa heute bleibt auf dem Boden.“