Mit dem 135-PS-Käfer über die chinesische Route 66


550 Kilometer, acht Wertungsprüfungen, die Chinesische Mauer und Olympia 2022:

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TEXT: Tim Westermann

Aus diesen Zutaten war die zweite „Top City Classic“-Rallye rund um Peking gemixt. Mittendrin im Feld von 29 Oldtimern gaben sich auch Rennlegende Jacky Ickx Volkswagens Chef in China, Jochem Heizmann die Ehre. Heizmann pilotierte den 135 PS starken Käfer „Theo Decker“ von 1972 – benannt nach dem gleichnamigen Tuner aus Essen – aus der hauseigenen Sammlung in Wolfsburg. Jacky Ickx lenkte einen Golf GTI 16V der zweiten Generation – ebenfalls aus Wolfsburg.
Auf der Plaza zwischen dem „Drumtower“ (Trommelturm) und „Belltower“ (Glockenturm) sammelten sich vor dem Start Hunderte von Zuschauern. Sie strömten aus den umliegenden Hutongs, den alten erhaltenen Stadtvierteln, herbei – und stellten unzählige Fragen, nahmen tausende Fotos auf.

„Die Begeisterung der Chinesen für alte Fahrzeuge wächst stetig. Wie in Europa versuchen wir mit unserem Engagement bei klassischen Rallyes einen Imagetransfer zwischen kultigen Oldtimern unserer Marken und aktuellen Modellen herzustellen“, berichtet Dominic Lyncker. Er ist bei Volkswagen in China zuständig für den Aufbau der Sportwagen-Heritage und damit unter anderem auch verantwortlich für klassische Rallyes.

Daß so etwas Erfolg hat, zeigt die Begeisterung der chinesischen Beifahrer von Jacky Ickx im Golf GTI. Ickx hatte in zwei Rallyetagen gleich mehrere chinesische Journalisten auf dem Co-Pilotensitz neben sich. Und alle stiegen nach dieser Erfahrung mit dem sechsmaligen Le-Mans-Sieger Ickx mit einem breiten Grinsen aus dem Auto. Lynckers Mission ist geglückt: Der Golf GTI mit Jacky Ickx schlug erfolgreich den Transfer vom Klassiker zum aktuellen Golf der siebten Generation, der auch im chinesischen Changchun produziert wird und sich gut verkauft.

Auf schnellstem Weg führte die Route am ersten Tag raus aus Chinas Hauptstadt Peking in die nördlichen Berge. Dort trafen automobile Klassiker auf einen Klassiker historischer Architektur. Die Chinesische Mauer war die beeindruckende Kulisse der ersten 150 Kilometer. In ihrem Schatten wurden die ersten zwei Wertungsprüfungen gefahren, bevor der Tross nach insgesamt 300 Kilometern das Bergstädtchen Genting erreichte. Dort werden 2022 die Olympischen Skiwettkämpfe ausgetragen.

Das Sahnehäubchen bot sich dem Rallye-Tross am zweiten Tag. Über rund 100 Kilometer ging es über die chinesische Route 66. In Anlehnung an das sagenumwobene Pendant in den USA schlängelt sich diese perfekt asphaltierte Straße durch das Gebirge nördlich von Peking. Die Route 66 im Reich der Mitte besticht durch blinde Kurven, haufenweise Kuppen und weite Panoramablicke. Ein „wahrer Genuss diese Strecke zu fahren. Was müsste es doch Spaß machen mit einem Polo R WRC hier nach einer Bestzeit zu jagen“, schmunzelt Jacky Ickx nach der Gleichmäßigkeits-Prüfung.

Volkswagens Engagement im Reich der Mitte reicht weiter. „Vor drei Jahren haben wir angefangen die Chinesen mit Sicherheitsthemen für Kinder im Auto zu sensibilisieren. Das ist ein Thema, das hier bislang niemand so richtig ernst genommen hat“, erläutert Jochem Heizmann. Volkswagen stiftete hierfür knapp 10 000 Kindersitze, um den Startschuss setzen. Erste Erfolge im Denken der Einheimischen haben sich zwar eingestellt, aber „wir haben noch einen langen Weg vor uns“, meint VWs Mann in China.

Die nächste Rallye für die Mannschaft von Volkswagen startet am kommenden Wochenende rund um Shanghai. Danach kehrt das Team zurück nach Wolfsburg, um sich langsam auf die Winterpause vorzubereiten.