Italien im Mille Miglia Rausch


Der Norden Italiens ist bekannt fĂŒr seine Automobile Historie. Hier, abseits der malerischen Dörfer entstanden rund um Turin, Mailand und Modena ebene jene Fahrzeuge, die einmal im Jahr die Stars der wohl berĂŒhmtesten Oldimer-Rallye der Welt werden, der Mille Miglia.

BMW Mille 16 _152

Dabei sein ist alles, ob als Fahrer mit einem historischen Fahrzeug das sich erst einmal einer ZulassungsprĂŒfung unterziehen muss oder als Zuschauer entlang der Strecke. Mitfahren dĂŒrfen nur Fahrzeug-Modelle, die einst vor 1947 an der Mille Miglia teilgenommen haben. Die Kriterien sind streng, aber einmal zugelassen ist die Teilnahme eine Auszeichnung fĂŒr das Fahrzeug, das dem Besitzer auch eine Wertsteigerung verspricht.
Eigentlich verschlafene Dörfer sind in diesen Tagen trubelige SchauplĂ€tze mit jubelnden Menschen. Alle Verkehrsregeln werden fĂŒr die Teilnehmer bei der Durchfahrt außer Kraft gesetzt und wer an der roten Ampel abbremst, wird per Trillerpfeife von Motorradpolizisten getrieben, die Kreuzung schnell zu durchfahren. Ausnahmezustand.
Einzig das Wetter wollte an den ersten Tagen nicht so ganz mitspielen. Am Start in Brescia regnete es in Strömen und so manches Vorkriegsfahrzeug versagte seine Dienste schon kurz nach dem Start. NatĂŒrlich fehlte auch der sonst so tosende Applaus am Start, aber der harte Kern beobachtete das Spektakel in Brescia. Von den rund 450 zugelassenen Teilnehmerfahrzeugen konnten alleine 76 Originale Rennfahrzeuge aus den Jahren 1927 bis 1957 bestaunt werden. Eine beeindruckende Zahl, den soviele historische Zeitzeugen sieht man selten auf einer Veranstaltung. Das Gros des Teilnehmerfeldes bildeten natĂŒrlich die Italiener , die sicherlich auch den Heimvorteil genießen. Deutschland manövrierte sich auf Platz drei. Im Gesamtfeld konnten sich 41 Mercedes Benz behaupten. Auch wenn das Motto fĂŒr den grĂ¶ĂŸten Teil der Teilnehmer heißt – Dabeisein ist alles – stellte sich jeder der Herausforderung der sehr eng getakteten PrĂŒfungen. Denn die heutige Mille Miglia ist nicht wie einst ein Geschwindigkeitsrennen, sondern eine GleichmĂ€ĂŸigkeitsprĂŒfung mit dem Charakter eines Rennens. Doch geht es weiter um mehr drum, gleichmĂ€ĂŸig in einer vorgegebenen Zeit fĂŒr einzelne Abschnitte zu bleiben und ganz und gar nicht drum, schnell zu rasen.

 

FOTOS : BMW Classic

Strafpunkte erhĂ€lt, wer zu frĂŒh oder zu spĂ€t eine der Zeitschranken durchfĂ€hrt. Jeder Abschnitt hat eine vorgegebene Zeit. Zwischendrin können die Teams bei zahlreichen Ortsdurchfahrten das Bad in der Menge genießen auch wenn der Jubel nicht unbedingt den Fahrern gilt wie ein mexikanischer Mille Migli Pilot uns einmal erklĂ€rte. Der Italiener ist Autobegeistert und lobt zwar die Leistung des Piloten, doch der Jubel, und dies war die frustrierende Erkenntnisss gilt dem Automobil. Dennoch ist die AtmosphĂ€re derart motivierend, dass man wĂ€hrend der gesamten Mille Miglia mit eher wenig Schlaf auskommt, denn an Schlaf ist nur kaum zu denken bei den insgesamt rund 1700 Kilometer. Das ursprĂŒngliche Mille Miglia Rennen von 1927 bis 1957 fĂŒhrte nur ĂŒber 1300 Kilometer durch Norditalien.
Die erste Etappe der Mille Miglia 2016 brachte die Teilnehmer von Brescia nach Rimini. Die zweite Etappe fĂŒhrte nach Rom. Dort angekommen haben die Fahrer bereits knappe 13 bis 17 Stunden am Lenkrad gesessen, je nach Fahrzeug. Auch die Strecke nach Parma war unter solchen Zeiten nicht zu bewĂ€ltigen. Doch durch das Erlebnis an der Strecke immer wieder von begeisterten Fans angefeuert zu werden ist groß und treibt den Adrenalin-Spiegel nach oben. So lĂ€sst sich auch mal fĂŒr zwei Tage mit zwei bis drei Stunden Schlaf auskommen, immer das Ziel im Auge wieder in Brescia anzukommen. Eines der Highlights ist jedes Jahr die Durchfahrt durch das an einem Berg liegende Dorf Radicofani und anschließend die Durchfahrt durch die historische Innenstadt von Sienna auf dem Weg von Rom nach Parma. Hier gibt es fĂŒr die Besucher am Starßenrand die schönsten Fotomotive.

 


Bis auf rund 90 Fahrzeuge hatten es dann am letzten Tag auch alle gestarteten Teilnehmer ĂŒber die Zielrampe in Brescia geschafft. Jeder einzelne fĂŒr sich ein Sieger. Punkte Sieger der Mille Miglia 2016 waren die 2015 zweitplatzierten Andrea Vesco und Andrea Guerini mit ihrem Alfa Romeo 1750 GS Zagato vom 1937. Dahinter konnten sich Luca Patron und Elena Scaramuzzi mit ihrem O.M. 665 Superba Sport 2000 CC von 1926 qualifizieren und den dritten Platz erreichte das Team Giordano Mozzi und Stefania Baicca mit dem Alfa Romeo 6C 1500 Grand Sport von 1933.

 

FOTOS : Mille Miglia