Oldimer Rallye Paul Pietsch Classic – KĂ€fer im Schwarzwald


65 Jahre alt, rĂŒstig und ein echter „Quertreiber“ – der 1951er BrezelkĂ€fer „Export“ aus der Sammlung des Zeithauses der Autostadt zeigt sich im besten Alter den motorsportlichen Herausforderungen gewachsen.

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Wahrscheinlich schöpft dieser Klassiker im Rallye-Einsatz aus seiner jahrelangen Erfahrung als Automobil das lĂ€uft und lĂ€uft und lĂ€uft. 16 Grad und Regen satt. Die fĂŒnfte Auflage der Paul Pietsch Classic stand ganz im Zeichen des legendĂ€ren Fritz Walther Wetters. Die im Sommer eigentlich malerische Region Schwarzwald machte ihrem Namen dieser Tage alle Ehre. Doch wie im Trotz wirkten die 106 glĂ€nzenden Oldtimer des Starterfeldes dem grauen Himmel entgegen, als es an zwei Tagen auf die insgesamt 464 Kilometer messende Strecke ging. Mit dabei waren die Kinder des Rennfahrers und Verlegers Paul Pietsch, zu dessen Ehren diese Rallye jĂ€hrlich gefahren wird – die Geschwister Patricia Scholten und Peter Paul Pietsch starteten im Bugatti T-35.
Von der Geburtsstunde dieser Ausfahrt an mit dabei ist die Autostadt als nunmehr langjĂ€hriger Partner. Otto F. Wachs, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Autostadt pilotierte selbst einen 1970er KĂ€fer „Theo Decker“ im Feld der illustren Kaleschen aus nahezu neun Dekaden. Der Gesamtsieger des vergangenen Jahres landete auf Rang 25, wĂ€hrend der Leiter des Zeithauses Andreas Hornig die Fahne aus Wolfsburg mit Rang 15 hochhielt, inklusive eines Sieges auf der WertungsprĂŒfung (WP) Aichhalden. Mario Ketterer, Rekordhalter beim Bergrennen am Schauinsland vor den Toren Freiburgs holte seinerseits mit seiner Beifahrerin Stephanie Kober, einer Rallye-Novizin, den WP-Sieg der ersten PrĂŒfung „Rothaus“. Auf seinem Hausberg, dem Schauinsland allerdings war er, entgegen seiner Natur als Rennfahrer, zum langsam Fahren verdammt: Satte 20 Minuten brauchte Ketterer fĂŒr den Anstieg, den er in seiner aktiven Karriere in der Formel-2 in 4,59 Minuten absolvierte. Dieser Rekord steht in den Analen der Rennhistorie und wurde bis heute nicht gebrochen. „Es war schon Wahnsinn. Diese Entschleunigung ist eine völlig neue Erfahrung fĂŒr mich“, kommentierte Ketterer nach seiner Ankunft auf der Passhöhe und fĂŒgte verschmitzt lĂ€chelnd mit badischem Dialekt hinzu: „FrĂŒher war das anders.“

Neun KĂ€fer schickte die Autostadt ins Rennen und neun KĂ€fer erreichten das Ziel. Dank der Mechaniker um Dennis Weber, wurden kleine Missgeschicke bereits am Streckenrand behoben. Der 1951er Brezel Export lief wie ein Uhrwerk und bestach mit seinen 25 PS ĂŒberraschenderweise durch wilde Drifts. Die Bereifung schmal, die Straße nass und die Leichtigkeit auf der Hinterachse forderten stets das besagte „Popometer“ und vermittelten Fahrspaß pur. Auch Christian Geistdörfer, langjĂ€hriger Co-Pilot von Rallye Ikone Walther Röhrl steuerte einen KĂ€fer im Grenzbereich und konnte sich ein Grinsen, ob der LeichtfĂŒĂŸigkeit seines Autos nicht verkneifen.

Die Autostadt flankierte ihren Auftritt mit den KĂ€fern zudem auf dem Marktplatz in Donaueschingen durch eine Sonderausstellung. Wie auf der Techno Classica standen die Beziehungskisten im Mittelpunkt. Nachdem die Paul Pietsch Classic im ersten Jahr von Stuttgart aus gefahren wurde, gastierte der Tross von 2012 bis 2015 in Offenburg. Donaueschingen war nun erstmals Start und Zielpunkt. „Unsere Botschafter aus der Sammlung des Zeithauses sorgten nicht nur bei den Fahrern fĂŒr unvergessliche Momente. Trotz des regnerischen Wetters begeisterten die Kult-Klassiker viele Oldtimer-Fans“, so Otto F. Wachs im Ziel. Nach anspruchsvollen Routen ĂŒber serpentinenreiche Landstraßen und vertrĂ€umte Wege im beliebten Ferien-Refugium Schwarzwald siegten Stefan und Sabine Krauss mit ihrem NSU Ro 80 bei der Paul Pietsch Classic 2016 nach zweitĂ€gigem, harten Kampf gegen Regen, Wetterkapriolen und 105 Konkurrenten. Sie verwiesen dabei Christian Huppertz und Uli Fischer (Porsche 914-6) und Karlheinz und Julian Kögel (Mercedes Benz 300 SL) auf die PlĂ€tze

Text: Tim Westermann Fotos: Leitzke