Vor 60 Jahren – Borgward‘s „Traumwagen“


Losgelöst von allem, was damals üblich war, wollte Carl F. W. Borgward unmittelbar nach dem Krieg ein Concept Car entwickeln. Vorbild waren die großen US-Hersteller, die ihre futuristischen Showcars im ganzen Land präsentierten.

Borgward Fahrzeug

Borgward Fahrzeug          Foto: Borgward                      TEXT: nic / Duncan

Beim später „Traumwagen“ genannten Projekt loteten Borgward‘s Designer und Ingenieure  die Grenzen des Leichtbaus aus. Bei der Karosserie griff man größtenteils zu Leichtmetall. Zum ersten Mal wurden Nylon und Perlon als Werkstoffe im Automobilbau eingesetzt – im Bereich der Kabine.

Angetrieben wurde der Wagen durch einen in der Front verbauten, neu entwickelten Boxermotor mit 2,0 bis 2,5 Litern Hubraum. An Leistung sollte der Wagen später bis 160 PS im Fahrversuch bringen. Die Triebwerke waren aus Elektron und teilweise aus Silumin gefertigt. Wahlweise konnten sie mit einer Einspritzanlage versehen werden. Für den kurzhubigen Boxer hatten die Techniker wegen der größeren Laufruhe optiert. Er hätte auch später im P 100 eingesetzt werden sollen. Entwicklungs-Ingenieur Erich Übelacker wollte mit dem Boxermotor ein Baukastenprinzip bei Borgward einführen. Der Einzelmotor mit vier Zylindern hätte in verschiedenen Hubraumstufen im Pkw Verwendung gefunden, zwei gekoppelte Exemplare hätten einen Lkw, vier davon einen Panzer antreiben können. Ein erstes Aggregat mit zwei Litern Hubraum besaß eine Saugrohreinspritzung und brachte es auf dem Prüfstand auf 100 PS. Gleichzeitig testete das Borgward-Team einen 2,5-Liter, der mit zwei Vergasern und einer Hirth-Verzahnung an der Kurbelwelle ausgerüstet war. Dieses Aggregat erreichte sofort 130 PS auf dem Motorenprüfstand. Mit der Vergaserbestückung oder dem

Um diese neue Motorgeneration ausführlich zu testen, entstand ab 1954 der Traumwagen als Einzelanfertigung der Musterbauabteilung. Wegen der Leistungsstärke der neuen Aggregate verbauten die Borgward-Techniker im Fahrwerk erstmals Scheibenbremsen rundum.

Bereits Ende März 1955 begannen die Testfahrten mit dem neuen Boxermotor in dem komplett neuen Auto. Bei Versuchsfahrten im August kam es in Bremen zu einem Unfall, der mutmaßlich durch eine defekte Bremse verursacht worden war. Leider konnte das Experimental-Fahrzeug bis zur Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt nicht mehr rechtzeitig aufgebaut werden. Beim Neuaufbau ließ Konstrukteur Erich Übelacker das Dach schließlich so umbauen, dass es komplett in einem Teil nach oben klappt. Gleichzeitig stutzten die Aerodynamiker dem „Traumwagen“ nach Windkanaltests die Seitenleitwerke, um das Fahrverhalten im Hochgeschwindigkeitsbereich zu optimieren.

1962 war der Traumwagen eigentlich verkauft worden, doch übereifrige Arbeiter der Firma hatten das Einzelstück schon in die Schrottpresse geschickt. Trotzdem liefern die wenigen erhaltenen Fotos des Traumwagens einen Eindruck davon, wie sich Carl F. W. Borgward anno 1955 die Zukunft des Automobil vorstellte.