Museum – Starke Typen: GTI


Noch bis zum 18. September 2016 stehen in der Autostadt Wolfsburg „starke Typen“ aus den sieben Generationen des Volkssportlers.

ampnet_photo_20160712_119504Die Stiftung „Automuseum Volkswagen“ feiert den 40. Geburtstag des Golf GTI mit einer großen Sonderschau. Neben den Serienmodellen wird ein bunter Strauß extravaganter Unikate, Vorserienmodelle und seltener Varianten des Kultklassikers prĂ€sentiert
Der Startschuss fĂŒr den Kompaktsportler fĂ€llt mit dem Golf I „Ur-GTI“, der erstmals 1975 als Vorserienmodell mit seinem charakteristischen, sogenannten Schwalbenschwanz-Heckblech auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde. Die ursprĂŒnglich geplante Kleinserie von 5000 Einheiten war bereits vor ihrem Start ausverkauft.

Der erste GTI-ViertĂŒrer war der „Giugiaro“ aus dem Jahr 1977. Der nach seinem italienischen Star-Designer Giorgetto Giugiaro benannte GTI stammt aus dessen Privatbesitz. Den zweiten, der eigentlich erst ab 1981 auf dem Markt angebotenen Golf I GTI ViertĂŒrer „Giugiaro“, bekam ebenfalls 1977 der Stardirigent und Leiter der Berliner Philharmonie Herbert von Karajan.

Dem schon zu Zeiten des KĂ€fers mit der Optimierung von Volkswagen Motoren befassten Gerhard Oettinger ist die Vierventil-Technik im Golf I GTI zu verdanken. So wurden auf Initiative des französischen Volkswagen Importeurs von 1981 bis 1988 rund 2500 Motoren mit 1,6-Liter (100 kW / 136 PS), 1,8-Liter (106 kW / 142 PS) und sogar zwei Litern Hubraum (111 kW bis 126 kW bzw. 150 bis 170 PS) mit 16V-Zylinderköpfen ausschließlich im hessischen Friedrichsdorf hergestellt.

Zu den besonderen GTI-Geschichten der Sonderschau zĂ€hlt dazu passend auch die von Dietrich Dimmler aus Gifhorn. Der 5500 Euro „Wiesenfund“ des 51-jĂ€hrigen ĂŒber Ebay enthielt noch Ă€ußerst gut erhaltene originale Oettinger-Teile: „Da ein von der Firma Oettinger optimierter GTI damals mein unerschwinglicher Jugendtraum war, schlug ich sofort zu“, so Dimmler ĂŒber sein Auto. Besagte Oettinger-Teile entnahm er und baute sie in einen Golf I GTI 2000 E/16 von 1983 ein, da der Rest des GlĂŒcksfundes nicht mehr zu retten war. Die Firma Oettinger bestĂ€tigte den „Umbau wie Original“ des nunmehr erfĂŒllten Jugendtraums.

Den „Mythos GTI“ beschreibt auch Matthias Reinhardt, der im Jahr 2000 bei einem Spaziergang durch Berlin Dalem als junger Mann ebenfalls einen Zufallsfund landete: Der am Straßenrand parkende Golf II GTI, Baujahr 1984, stand zum Verkauf. Mit nachtrĂ€glicher KatalysatorumrĂŒstung wurde dieser – passend zum damaligen Ende der Probezeit seines FĂŒhrerscheins – zum neuen GefĂ€hrt des stolzen und noch jungen GTI-Lenkers.

Neben Sportkanonen aus dem Rallyesport, wie dem Golf I GTI Gruppe 1 „Rheila“ von 1981/82 und dem Golf II GTI Rallye Gruppe A „Triumph-Adler“ von 1986, stehen auch andere schicke „Zweier-GTI“, die ab 1984 auf die Straße durften, in der Reihe der Exponate. Auf der zweiten Stufe der GTI-Evolution stehen Kraftpakete und Exoten, wie der Golf II GTI G60 von 1989, der mittels G-Lader – einem Kompressor Ă€hnlichen Spirallader aus dem Rallye-Golf aufgeladen wurde und nur in den Jahren 1990/91 angeboten wurde. Ebenso interessant: das 244 kW / 330 PS starke Show Car Golf I Sbarro Turbo des AutovisionĂ€rs Franco Sbarro aus der Westschweiz von 1983. Als inoffizieller „König der GTI“ gilt der auf 71 Exemplare begrenzte Golf II Limited von 1981. Technisch Ă€hnlich dem G60, wurde er zudem mit der von Oettinger bekannten Vierventiltechnik ausgerĂŒstet. Mit seinen 155 kW / 210 PS war er damit seinem „kleinen Bruder“ G60 um weitere 37kW/50 PS ĂŒberlegen und fĂŒhrte damit die Riege der GTI-Klassiker wĂŒrdig weiter.

Besonders originelle Exponate der Ausstellung sind ein Motorboot und ein „Flugobjekt“, jeweils in Form des Golf II GTI. Passende Bilder zeigen beide, wie sie 1988 zum siebten GTI-Treffen in Reifnitz mit voller Fahrt ĂŒber den Wörthersee jagen. Unter den weiteren AusstellungsstĂŒcken finden sich alle GTI-Modelle der Golf-Generationen eins bis sieben, Motorsportvarianten, im Ausland produzierte Golf GTI – wie der „Rabbit“ aus den USA und der „Gol“ aus Brasilien – sowie als krönenden Abschluss der Sonderausstellung die beeindruckende 2014er GTI-Roadster-Studie und der gerade erscheinende 215 kW / 290-PS starke Golf GTI Clubsport.

Studenten zweier Modehochschulen entwarfen zudem aus Materialien des aktuellen Clubsport-Sondermodells eine Modekollektion. Auch die ist noch bis zum 18. September 2016 im Wolfsburger „Automuseum Volkswagen“ zu bestaunen.