JubilĂ€um – 80 Jahre Peugeot 402 Diesel


Ein ganz besonderer Meilenstein der Automobilgeschichte feiert seinen 80. Geburtstag: Der aerodynamisch gezeichnete Peugeot 402 wurde 1936 fĂŒr seinen ersten schnell laufenden und zugleich sparsamen Dieselmotor gefeiert.

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Mit diesem 2,3-Liter-Vierzylinder-SelbstzĂŒnder, damals noch Schwerölmotor genannt, gelang Peugeot in Feldversuchen der entscheidende Durchbruch zur Vorbereitung der Diesel-Großserienproduktion. Anlaufen sollte diese Ende 1939, doch der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte die Volumenfertigung des futuristisch geformten Peugeot 402 mit Schwerölmotor. So war es zwei Jahrzehnte spĂ€ter der Peugeot 403, der ab 1959 in Limousinen und auch im ersten Diesel-Kombi den SelbstzĂŒnder zum globalen Bestseller machte – eine Erfolgsstory, die heute von den Peugeot BlueHDi-Diesel-Modellen fortgeschrieben wird.

Vorgestellt wurde der Peugeot 402 zum ersten Mal auf dem Pariser Automobilsalon 1935 unter den Glasbögen des Grand Palais. Das passende Ambiente fĂŒr ein Fahrzeug, dessen Stromlinienform europĂ€ische Designgeschichte schrieb und das als skulpturales Kunstobjekt gefeiert wurde. Aber auch unter der aerodynamischen „Fuseau Sochaux“, also Spindelform aus Sochaux, verbarg sich moderne Kunst – ingenieurstechnischer Art. Neben dem neuartigen Bloctube-Chassis zugunsten großer Steifigkeit und eines niedrigen Karosserieschwerpunktes manifestiert sich diese Leistung zunĂ€chst im modernen 2,0-Liter-Benziner mit hĂ€ngenden Ventilen, vor allem aber ab 1936 in dem außergewöhnlichen Peugeot Schwerölmotor mit einem Zylinderkopf nach Lizenz OberhĂ€nsli. Bot der 40 kW (55 PS) drehfreudige Diesel doch eine hocheffiziente Alternative zu den nominell gleich starken Ottomotoren.

Der fĂŒr damalige Zeiten auffallend ruhig laufende Vierzylinder-Viertakt-SelbstzĂŒnder vom Typ HL 50 ergĂ€nzte nicht nur die von Peugeot schon seit 1921 in mehreren Generationen gebauten und auch in PKW getesteten Zweitakt-Diesel. Vielmehr prĂ€gte die Löwenmarke mit dem lediglich 225 Kilogramm wiegenden Motor – nur knapp 50 Kilogramm mehr als der Benziner – die Geschichte des modernen Diesels.

Eingebaut wurde der Diesel zunĂ€chst in die Peugeot 402 MKH und HMK Lieferwagen, die es mit drei verschiedenen HinterachsĂŒbersetzungen gab und optional sogar mit elektrisch betĂ€tigtem, automatisiertem Schaltgetriebe von Jean Cotal statt des konventionellen manuellen Dreigang-Schaltgetriebes. Das Cotal-Getriebe galt als die modernste Form einer Automatik und der zukunftsweisend gezeichnete Peugeot 402 erwies sich als ideales Fahrzeug, um diesem komfortbetonten wie effizienten Getriebe in Frankreich den Weg zu bahnen. TatsĂ€chlich begnĂŒgten sich die Peugeot 402 Diesel-Transporter mit einem Durchschnittsverbrauch von 10 Liter auf 100 Kilometer, was im Vergleich zum 402 Benziner einer Verbrauchsreduzierung um 40 Prozent entsprach. Allerdings war die Höchstgeschwindigkeit der Versionen 402 MKH und HMK nutzfahrzeugtypisch auf 72 km/h begrenzt. Mit maximal 100 km/h vergleichsweise flott, waren dagegen die fĂŒnf Meter langen 402 Diesel Limousinen, von denen bis 1939 rund 1.000 Einheiten ĂŒberwiegend in bis zu achtsitzigen Taxiversion ausgeliefert wurden. In Einzelexemplaren erprobt wurden auch elegante 402 CoupĂ©s und Cabriolets mit SelbstzĂŒnder.

Das Startsignal zur Großserienfertigung sollte fĂŒr den im Alltag erfolgreich erprobten Peugeot 402 Diesel anlĂ€sslich des Pariser Automobilsalons gegeben werden, doch es kam anders. Der Zweite Weltkrieg und die französische Steuergesetzgebung der frĂŒhen Jahre des Wiederaufbaus verhinderten den Durchbruch des 2,3-Liter-Diesels vom Typ HL 50. Stattdessen entwickelte Peugeot von 1953 bis 1957 einen neuen 1,8-Liter-Diesel mit innovativem Ricardo-Zylinderkopf fĂŒr die in moderne Pontonform gekleideten Mittelklassemodelle 403 Limousine und 403 Kombi. Zwei Peugeot, die mit ihren gleichermaßen kostengĂŒnstigen wie langlebigen SelbstzĂŒndern nicht nur Taxiunternehmer, sondern auch Privatkunden begeisterten.

Durch internationale Absatzerfolge und zahlreiche Geschwindigkeitsweltrekorde ließ der Peugeot 404 den Diesel in den 1960er Jahren abheben. TatsĂ€chlich bezogen schließlich viele Automobilhersteller aus insgesamt fĂŒnf europĂ€ischen LĂ€ndern SelbstzĂŒnder fĂŒr ihre eigenen Modelle von Peugeot und die Löwenmarke wurde weltweit grĂ¶ĂŸer Dieselmotorenproduzent.

Nachdem der kompakte Peugeot 204 Break ab 1967 vom bis dahin kleinsten Großseriendiesel aller Zeiten angetrieben wurde, erreichte der 1983 lancierte Peugeot 205 als weltweit erster Diesel-Kleinwagen eine Millionenauflage. StandesgemĂ€ĂŸer Antrieb fĂŒr die Oberklasse wurde der Diesel durch Turboaufladung im 1979 eingefĂŒhrten Peugeot 604 TD. Das weltweit erste serienmĂ€ĂŸige und wartungsfreie Rußpartikelfiltersystem FAP debĂŒtierte 1999 im Peugeot 607 und schon wenig spĂ€ter waren sĂ€mtliche Peugeot Diesel mit FAP-System ausgerĂŒstet.

Heute ist es die BlueHDi-Technologie, die sich dank selektiver katalytischer Reduktion (SCR) und Rußpartikelfiltersystem (FAP) mit Additiv als effizienteste Lösung zur Dieselabgasreinigung auf dem Automobilmarkt erweist. Nur mit SCR werden bis zu 90 Prozent der Stickoxide (NOx) ausgefiltert, denn das System besitzt die FĂ€higkeit, schon bei niedrigeren Temperaturen als andere vom Wettbewerb eingesetzte Partikelfiltersysteme seine Regeneration einzuleiten. Durch die hohe Effizienz beim Ausscheiden der NOx werden sowohl die CO2-Emissionen als auch der Dieselverbrauch optimiert. TatsĂ€chlich bietet die BlueHDi-Technologie in allen Leistungsvarianten und in fast allen Fahrzeugsegmenten des Peugeot Modellprogramms Niedrigverbrauch-Varianten oder „Best in Class“-Versionen. So wie der Peugeot 402 mit Schwerölmotor vor 80 Jahren MaßstĂ€be definierte, sind es heute die wegweisenden Peugeot BlueHDi-Modelle, die als Effizienzmeister neue Meilensteine setzen. Der Peugeot 208 BlueHDi 100 ist mit 3,0 Liter Normverbrauch (CO2-Ausstoß 79 g/km) das sparsamste Auto mit konventionellem Antrieb auf dem deutschen Markt.