Museum Schön, schöner, Bellissima!


„Schön“ allein ist manchmal nicht gut genug. Beispielsweise wenn man zum Ausdruck bringen will, dass etwas unglaublich schön ist – atemberaubend, hinreißend, faszinierend. Der Italiener sagt dann einfach „Bellissima“ und wir hören schon im Klang dieses Wortes die huldvolle Bewunderung für das Objekt der Begierde.

In Nashville, Tennesee, USA ist im First Center for Visual Arts eine geniale Ausstellung zu sehen: Bellissima! The Italian Automotive Renaissance, 1945 – 1975. Noch bis zum 9. Oktober haben Besucher Gelegenheit, diese Oldtimer-Ikonen des schönsten italienischen Automobil Designs zu erkunden.
Gast Kurator Ken Gross hat 20 Exemplare exquisite Exemplare ausgewählt. Hier geht es nicht um Masse, sondern um Klasse. Manches mutet bizarr an Schon im ersten Ausstellungsraum verstummen die Zuschauer vor Staunen: drei unverschämt gut aussehende Italiener stehen nebeneinander. Drei Alfa Romeo BAT, die der damals junge Designer Franco Scaglione für das Designhaus Bertone erschaffen hat. Was müssen das für geniale Handwerker gewesen sein. Metall wölbt sich flügelartig beschwingt um die Fahrgastzelle – einer Welle gleich. Kurven, Kanten und Sicken verschmelzen zum Gesamtkunstwerk. Details, Details, Details …
Sammler’s Traum: ein blutroten Maserati A6G 2000 Zagato, Baujahr 1955 und einem Fiat 8V Supersonic, Baujahr 1953 und zwischen den beiden ein Cisitalia 202 SC, Baujahr 1950. Er wirkt schmal und filigran zwischen den beiden Kraftpaketen, verliert aber nichts an seiner Eleganz.
Weiter geht die aufregende Reise durch die Historie zum 1962 Ferrari 250 GTO, Chassis 3387 GT mit seiner ungewöhnlichen Metallic-Blau-Lackierung – es ist der zweite GTO, der gebaut wurde. Es ist berühmt für seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung des 12-Stunden-Rennens von Sebring mit Phil Hill und Olivier Gendebien am Steuer im Jahr 1962.
Nach so viel Automobil-Adel geht es weiter mit Motorrad-Design im nächsten Raum. Eine Moto Guzzi V-8 mit Baujahr 1957, eine MV Agusta 750 Sport aus dem Jahr 1973 und eine Ducati 750 Supersport, Baujahr 1974 stehlen sich gegenseitig die Schau.
Weiter mit den Klassikern auf vier Rädern: Ein 1955 Lincoln Indianapolis in leuchtendem Orange zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Nur wenige Schritte weiter warten ein 1955 Alfa Romeo 6C 2500 S und in tiefem Blau ein 1961 Ferrari 400 Superamerica Pininfarina Series II Aerodinamico. Ein Leckerbissen für Oldtimerfans: ein 1963 Chrysler Turbine Auto. Dazu gesellt sich ein 1952 Lancia B52 Aurelia PF200 Spider und schließlich noch ein 1952 Cunningham C3 Continental.
Spätestens jetzt wissen Design-Fans, dass für diese Ausstellung ein bis zwei Stunden nicht ausreichend sind. Planen Sie noch mehr Zeit ein …
Der nächste Raum beherbergte die schöne Gilda von Chrysler. Das Automobil, Baujahr 1955, verschafft sich bei jedem Anschalten der Düsen Gehör und die alleinige Aufmerksamkeit bei jedem öffentlichen Auftritt. Doch in dem ruhigen Museumsbau wirkt ihre schlanke Linienführung.
Rundungen und Wellen sind in den kommenden Jahren beim Italienischen Design „out“. Geraden und Kanten sind „in“. Der 1970 Lancia Stratos HF Zero ist ein Beispiel dafür. An seiner Seite posiert der 1966 Ferrari 365 P Tre Posti und ein schneeweißer 1968 Bizzarrini 5300 Strada. Natürlich darf auch der Lamborghini Miura nicht fehlen – schließlich feiert er 1916 seinen Geburtstag.
Der letzte Raum ist dem 1963 ATS 2500 GT. Dieses Automobil ist das Produkt der weniger bekannten Marke ATS (Automobili Turismo e Sport), die Ex-Ferrari Chefingenieur Carlo Chiti gegründet hatte. Der ATS 2500 GT war der Stolz von ATS im März 1963 beim Genfer Automobilsalon. Die traumhafte Franco Scaglione-Stil Karosserie wurde nur neun Mal insgesamt gebaut und lag damit weit, weit hinter den Träumen des Firmengründers.
Nur selten gibt es in Museen Automobil-Ausstellungen wie diese. Kunstwerke auf Rädern werden in ihrer Einzigartigkeit so präsentiert, dass auch der Nachwuchs Freude an den herrlichen Formen finden kann. Und dank solch mutiger Museumsprojekte bekommen auch Autofreunde Fahrzeuge zu Gesicht, die sonst irgendwo als Schatz hinter hohen Mauern gehütet werden.