Auktion Millionen Dollarnoten & Oldtimer


Das StĂ€dtchen Monterey und der Nachbarort Carmel by-the-Sea und Pebble Beach gehören zur PilgerstĂ€tte fĂŒr Oldtimer-Fans und Automobil-Enthusiasten.

Shelby

Jedenfalls seit 1950 wenn im August die Monterey Car Week stattfindet – ein Festival klassischer Automobile mit Paraden und Auszeichnungen, mit Ausstellungen und nicht zuletzt mit Versteigerungen seltener Fahrzeuge, die oft fĂŒr stolze zweistellige MillionenbetrĂ€ge unter den Hammer kommen.
Am Dienstag, 16. August startet der Marathon im Automobil-Mekka mit der Automobilia Monterey Expo im Embassy Suites-Hotel. Rund 45 HĂ€ndler zeigen ihr Angebot an KĂŒhlerfiguren, Markenzeichen, SchriftzĂŒgen, Prospekten und FachbĂŒchern bei der grĂ¶ĂŸten Messe dieser Art in den USA. Am gleichen Tag wird die Ocean Avenue in Carmel by-the-Sea fĂŒr den Verkehr gesperrt fĂŒr die erste Vorstellung begehrter Oldies aus aller Welt. Der Eintritt ist frei, was fĂŒr die wenigsten Veranstaltungen der Woche gilt. Bei einigen Events sind Ticketpreise von 450 Dollar und mehr an der Tagesordnung. Danach beginnt ein schier endloser Ausstellungs- und Kongressreigen, dieses Jahr von der Little Car Show mit ĂŒber 100 japanischer Kleinwagen, die mindestens 30 Jahre oder Ă€lter sind, bis zum von der Bank Credit Suisse ausgerichteten Pebble Beach Classic Car Forum, wo es um Trends in der Szene geht.

Seit 2009 veranstaltet der BMW Car Club of America ein Event namens Legends of the Autobahn. Ein Jahr spĂ€ter gesellte sich der Mercedes Club of America hinzu und schließlich 2012 der Audi Club of North America. Alle drei – normalerweise heftige Konkurrenten – veranstalten diesmal im vornehmen Nicklaus Club-Monterey in trauter Eintracht die PrĂ€sentation und Parade von Autos, die in den tempolimitierten USA mit neidvollem Blick ĂŒber den großen Teich als „German alternative“ angesehen werden. Der Eintritt ist frei, Parken kostet 20 Dollar.

Zahlreich und Aufsehen erregend sind auch die vielen Paraden alter und neuer Autos, die am Sonntag mit dem Pebble Beach Concours d’Elegance ihren Höhepunkt erleben und der gleichzeitig das Finale der Woche darstellen. Dabei geht es ausschließlich um Schönheit und detailgetreue historische Genauigkeit der teilnehmenden Autos und MotorrĂ€der. Treffpunkt ist der Golfplatz des Hotels The Lodge at Pebble Beach, wo fĂŒr den Eintritt 375 Dollar und das VIP-Ticket 750 Dollar pro Person kassiert werden. Mit einigen Extras wie GetrĂ€nken, Mahlzeiten und ein paar Memorabilia ist das sogenannte Chairman’s Hospitality Paket zu haben. Kostenpunkt: 2500 Dollar.

Ebenso zahlreich wie die Paraden sind die Versteigerungen wĂ€hrend der Monterey Car Week, veranstaltet von den renommiertesten AuktionshĂ€usern der Welt. Im vergangenen Jahr belief sich der in Monterey erzielte Betrag auf fast eine halbe Milliarde Dollar, in diesem Jahr könnte es sogar noch etwas mehr werden. Die Zahl der Highlights ist gewaltig, sĂ€mtliche Höhepunkte einzeln aufzuzeigen wĂŒrde ein Buch fĂŒllen. Rund 100 Ferraris sind dabei, viele Mercedes, Shelby, Maserati, Jaguar, Aston Martin oder Duesenbergs. Ganz zu schweigen von den Höhepunkten amerikanischer Autokunst aus den Jahren zwischen den Weltkriegen und den 1950er und 1960er Jahren sowie berĂŒhmte Wettbewerbswagen aus der europĂ€ischen Renngeschichte.
Schon immer fĂŒr einen gesteigerten Verkaufswert gut, waren und sind Fahrzeuge, die einst in der Garage berĂŒhmter Persönlichkeiten standen.

Der Maserati 3500 GT von Elizabeth Taylor
Die Schauspielerin brachte es auf acht Ehen mit sieben verschiedenen MĂ€nnern (mit dem Briten Richard Burton war sie zweimal verheiratet). Ihr kĂŒrzestes VerhĂ€ltnis aber war wohl das mit ihrem Maserati. Den bekam sie von ihrem vierten Ehemann Eddie Fisher zu Weihnachten – nachdem sie ihm zum Geburtstag einen olivgrĂŒnen Rolls-Royce geschenkt hatte. Die Freundschaft zum neuen Sportwagen wĂ€hrte jedoch nur eine Viertelstunde. Liz machte eine kurze Probefahrt und drĂŒckte Eddi danach die SchlĂŒssel enttĂ€uscht vom hart gefederten Sportwagen in die Hand. Fisher wiederum verĂ€ußerte dann den Wagen an Anthony Quinn, der ihn mit nach Beverly Hills nahm und neben seinem Facel Vega parkte. SpĂ€ter erhielt der Maserati 3500 GT eine Restauration, die ihn reif fĂŒr jeden Concours d’Elegance machte. Am Samstag, dem 20. August, wird er bei Gooding and Company versteigert. Das Unternehmen hofft, zwischen 400 000 und einer halben Million Dollar zu erzielen.

Jacqueline Kennedy’s Lincoln Continental Cabrio
Der angebotene Lincoln Continental Cabrio aus dem Jahr 1961, wurde von Ford fĂŒr die damaligen First Lady der USA, Jacqueline Kennedy, mit zahlreichen Extras des Secret Service ausgestattet und als Leihgabe ĂŒbergeben. Nach dem Attentat auf den PrĂ€sidenten im November 1963 – ausgerechnet in einem Lincoln Continental Cabrio – war der Name Kennedy mit diesem Modell auf traurige Weise noch mehr verbunden, der glamouröse Nimbus der offenen Version verdorben. SpĂ€ter entfernte der Geheimdienst seine speziellen Extras aus Jacquelines Lincoln, und das Auto wurde als Gebrauchtwagen verkauft. KĂŒrzlich erhielt es eine Renovierung und wird jetzt von Mecum Auctions in Monterey zu einem SchĂ€tzpreis von 100 000 bis 150 000 Dollar neben einem Ferrari LaFerrari (3,9 bis 4,5 Millionen) und einem Aston Martin Vulcan (2,3 bis 3,3 Millionen) versteigert. Insgesamt will Mecum in Monterey 600 Fahrzeuge verkaufen.

Paul Newman und der Porsche
Der Porsche 935 von 1979, den Gooding & Company neben 139 weiteren automobilen Pretiosen am 20. und 21. August versteigert, ist eines der wichtigsten Modelle in der Porsche-Geschichte. Mit ihm kam der damals 54jĂ€hrige Schauspieler Paul Newman zusammen mit Teameigner Dick Barbour und Rolf Stommelen bei seinem Einsatz fĂŒr die 24 Stunden von Le Mans auf einen viel beachteten zweiten Platz. Das gleiche Auto beendete zwei Jahre spĂ€ter mit anderen Fahrern als Sieger die 24 Stunden von Daytona und die von Sebring und nach einer aufwĂ€ndigen Restauration 2007 als Erster den Concours d’Elegance von Amelia Island. Preis: auf Anfrage.

Shelby’s Cobra
„ESTIMATE: PRICELESS“ steht in Großbuchstaben unter der Beschreibung von Sotheby’s fĂŒr das Auto mit der Lot-Nummer 117. Es handelt sich dabei um einen Shelby 260 Cobra aus dem Jahr 1962. Nicht um irgendeinen Shelby 260 Cobra, sondern um den CSX 2000, das allererste von Carroll Shelby höchstpersönlich veredelte Modell eines AC Cobra. Der Wagen landete im Februar 1962 per Luftfracht ohne Motor und Getriebe aus England kommend auf dem Flughafen von Los Angeles, woraufhin ihm Shelby einen Ford V8-Zylinder mit 4,3 Liter Hubraum und 194 kW – 264 PS einpflanzte. „Dieses Auto zu versteigern“, so ist bei Sotheby’s voller Ehrfurcht zu hören, „ist etwa so, als nĂ€hme man das Original der Mona Lisa oder die amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung unter den Hammer.“ Unter den rund 150 Exemplaren edelster Old- und Youngtimer bei Sotheby’s befinden sich 21 Ferrari, sieben Mercedes, sieben Shelby, zwölf Maserati drei Jaguar und ein Alfa Romeo. Drei davon könnten einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen.

Die beiden teuersten Objekte stammen aus England beziehungsweise aus Italien. Was fĂŒr die Franzosen der Bugatti Atlantic, das war fĂŒr die Italiener der Alfa Romeo 8C 2900B Lungo Spider von 1939: der ultimative Sportwagen seiner Generation. Von diesem Fahrzeug existieren heute schĂ€tzungsweise nur noch zwölf Exemplare, von denen eins am Ende der Monterey Car Week fĂŒr einen SchĂ€tzpreis zwischen 20 Millionen und 25 Millionen Dollar als erstes in diesem Jahrhundert ĂŒberhaupt unter den Hammer kommt. Das Auto mit dem drei Liter großen Achtzylindermotor und 134 kW – 182 PS verfĂŒgt ĂŒber ein Vierganggetriebe und fand seit dem Zweiten Weltkrieg zunĂ€chst Eigner in SĂŒdamerika, dann in Europa. Zuletzt war es Bestandteil der Autosammlung von Sam und Emiliy Mann in Englewood/New Jersey, wo es die vergangenen 20 Jahre gehegt und gepflegt verbrachte. Die Manns waren bisher die einzigen Autosammler, die mit verschiedenen Fahrzeugen aus ihrer Kollektion bereits viermal den Pebble Beach Concours d’Elegance gewinnen konnten.

Ebenfalls zwischen 20 Millionen und 25 Millionen schĂ€tzt Sotheby’s den Wert des „zweifelsfrei wichtigsten Jaguar der Welt“, ein Jaguar D-Typ aus dem Jahr 1955. Der zweisitzige Rennwagen, Nachfolger des Jaguar C-Type belegte 1956 bei den 24 Stunden von Le Mans den ersten Platz mit fĂŒnf Runden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Auch die beiden Jahre danach standen seine Fahrer auf dem Siegertreppchen von Le Mans ganz oben. Sein Sechszylinder mit 3,5 Liter Hubraum und 184 kW – 250 PS schaffte rund 250 km/h. Der in Monterey angebotene Jaguar hat die Fahrgestellnummer XKD 501, die ihn als den ersten D-Typ ausweist, der fĂŒr ein privates Rennteam produziert und am 5. Mai 1955 an den Schotten Ecurie Ecosse ausgeliefert wurde.

Dagegen erscheint der Preis fĂŒr den dritten im Bunde der Exemplare mit einem zweistelligen Millionenpreis fast bescheiden. Auf zwölf Millionen bis 14 Millionen schĂ€tzt Sotheby’s den Wert des Ferrari 250 GT LWB California Spider aus dem Jahr 1958. Kein Zweifel, der Begriff California Spider lĂ€sst das Herz eines jeden Ferraristi schneller schlagen. Der Kandidat in Monterey kam im Januar 1959 ĂŒber New York zu einem HĂ€ndler in Texas bevor er zu seinem ersten Besitzer in Kalifornien ausgeliefert wurde. Danach wanderte es durch die HĂ€nde mehrerer Ferrari-Sammler und erhielt 1994 eine Überholung fĂŒr 150 000 Dollar. 1998 kaufte den Wagen der deutsche Vermögensberater und Rennfahrer Jörn-Holger Richter aus Gstadt am Chiemsee, wo er die folgenden 13 Jahre blieb und eine weitere Restauration erlebte. Schließlich ĂŒberquerte er nochmal den Atlantik und stand seither wieder in Kalifornien.

LegendÀr: Rennwagen Bugatti Typ 51 Grand Prix
Immer wieder bietet auch das Auktionshaus Bonhams wĂ€hrend der Monterey Car Week an besondere Automobile in Millionenwert. Der zweisitzige Rennwagen Bugatti Typ 51 Grand Prix aus dem Jahr 1931 ist in diesem Jahr eines davon. Auch dieses Fahrzeug könnte einen neuen Preisrekord aufstellen. Es handelt sich um das erste Modell einer Serie von 40 produzierten Exemplaren, das Francis Curzon, der fĂŒnfte Graf Howe und PrĂ€sident des British Racing Driver’s Club kaufte. Gefahren wurde der Rennwagen unter anderem in Donington, MontlhĂ©ry, Monza, Reims und auf dem NĂŒrburgring von den namhaftesten Rennfahrern seiner Zeit. Der bekannteste darunter war Tazio Nuvolari, der noch heute als einer der besten Rennfahrer der Geschichte sowohl auf zwei als auch auf vier RĂ€dern gilt. Beim Bergrennen von Shelsey Walsh erreichte er die schnellste Zeit im Jahr 1932. Im gleichen Jahr wurde der Wagen Vierter beim Monaco Grand Prix. Nun kommt er, der seit den 1950er Jahren nur zwei Besitzer hatte und bisher noch nie öffentlich zum Verkauf stand, am 19. August 2016 an der Quail Lodge Versteigerung von Bonhams unter den Hammer. Wie hoch sein SchĂ€tzwert ist? Noch hĂŒllt sich Bonhams in Schweigen.