Rallye: Oldtimer zwischen Hamburg & Berlin


FrĂŒher fuhren ganze Familien mit ihrem Volkswagen KĂ€fer quer durch Deutschland, ĂŒberquerten die Alpen, um bis nach Italien in den verdienten Urlaub zu kommen. Heute spielt sich ein Ă€hnliches Szenario ab. Allerdings weniger nostalgisch, als es ĂŒber kurvige GebirgspĂ€sse in der Schweiz und in Österreich ging. Die Autostadt Wolfsburg fuhr bei der diesjĂ€hrigen Hamburg-Berlin-Klassik mit gleich elf Preziosen aus der hauseigenen Sammlung mit.
Der KĂ€fer Export mit 30 PS von 1956 fuhr sozusagen als „Geburtstagskind“ mit und begeisterte die Menschen an den StraßenrĂ€ndern schon bei der Anfahrt auf eigener Achse. Mitten in der LĂŒneburger Heide hielt die KĂ€fer-Combo zum traditionellen Zwischenstopp mit Fischbrötchen. Unverhofft fragten drei MĂ€nner einer freiwilligen Feuerwehr nach einem KĂ€fer-Motor. Trotz lediglich 100 Stunden Laufzeit ihrer bisherigen tragbaren Wasserpumpe benötigen sie nun ein Ersatzaggregat. Da spontan auf keinen Motor der Autostadt-KĂ€fer verzichtet werden konnte, wurden die Hilfesuchenden freundlich an „Volkswagen Classic Parts“ in Wolfsburg verwiesen.

 

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Von der alten Fischauktionshalle an den LandungsbrĂŒcken ging es auf die erste offizielle Etappe der diesjĂ€hrigen HBK. Über die Burg in Neustadt-Glewe fĂŒhrte die Route an die MĂŒritz in Mecklenburg Vorpommern.
Nach rund 790 Kilometern haben sie es geschafft: Rund 170 Oldtimer erreichten nach drei Tagen und 24 WertungsprĂŒfungen auf der Hamburg-Berlin-Klassik-Rallye das Ziel. Den Gesamtsieg hat sich nach dreitĂ€gigem Kampf mit nur 0,03 Sekunden Vorsprung das Team Sonax mit Dirk Hattenhauer und Tim LĂŒcke mit ihrem Volkswagen T 1 aus dem Jahr 1964 in einem Wimpernschlag-Finale gesichert.
Knapp geschlagen geben mussten sich nach 24 WertungsprĂŒfungen Tim Westermann und Co-Pilot Alexander Voigt in einem VW KĂ€fer Export von 1956. Die beiden gewannen dafĂŒr aber die Sanduhrklasse, die ausschließlich mit mechanischen Uhren gefahren wird. Ihr Auto war eines von zehn Fahrzeugen aus dem Fundus der Volkswagen-Erlebniswelt Autostadt in Wolfsburg, die acht KĂ€fer und zwei Golf I-Modelle zu der Oldtimer-Veranstaltung an den Start gebracht hatte. Die Einrichtung war erneut Hauptsponsor der Veranstaltung. Dabei konnte Autostadt-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Otto F. Wachs auf die KĂŒnste des zweimaligen Rallye Weltmeisters Christian Geistdörfer zĂ€hlen. Andreas Hornig, Leiter der Sammlung im „Zeithaus“ der Autostadt, fuhr gemeinsam mit der Schauspielerin Katharina Schubert im Jeans-KĂ€fer von 1974 nach Berlin. Auch der Ovali-KĂ€fer von 1956, das Volkswagen Cabriolet 1500 und der „Jubi“-KĂ€fer von 1985 erreichten mĂŒhelos nach 790 Kilometern ihr Ziel. „Wir konnten mit den historischen Volkswagen-SchmuckstĂŒcken aus der Sammlung des Zeit-Hauses viel Sympathie fĂŒr die Marke Volkswagen wecken“, freute sich Otto F. Wachs ĂŒber Tausende von Zuschauern entlang der Strecke.

Mit der Startnummer 40 gingen Michael und Elvira Pietras in einem Volkswagen Typ 1 Export von 1962 auf die Strecke. FĂŒr die beiden Stuttgarter war es die erste Rallye, die sie selbst an Lenkrad und Roadbook erlebten. Den Startplatz hatten sie bei einer gemeinsamen Verlosung der Autostadt und der Zeitschrift „Auto Bild Klassik“ gewonnen. Das Gewinnspiel-Motto „Erste Liebe“ galt dabei nicht nur dem KĂ€fer – das Paar feierte bei der Rallye seinen 40. Hochzeitstag. Das Ă€lteste Fahrzeug im Feld war ĂŒbrigens ein Bentley 8 Litre Le Mans Open Tourer aus dem Jahr 1931, und auch BMW schickte eine kleine Flotte –  unter anderem einen 328 aus dem Jahr 1937 und einen wunderschönen 507 (1957) – auf die Reise.

Text: T.Westermann & W. Meinertshagen