Ausstellung – Der Bruchteil eines Augenblicks


Was aussieht wie eine Aufnahme, die im Bruchteil einer Sekunde entstanden sei, dauert in Wahrheit mehr als zwei Monate bis zur Vollendung. „Die Welt um mich herum inspiriert und beeinflusst mich, und ich habe großes Interesse an allen Bereichen der Wissenschaft.

Sehen Sie hier das Video ĂŒber die Entstehung der Kunstwerke des Augenblicks

Wenn ich mit einem neuen Thema beginne, weiß ich kaum, wie das Endergebnis aussehen wird. Nachdem ich eine Weile damit experimentiert habe, bekomme ich ein GefĂŒhl dafĂŒr, und dann entsteht die eigentliche Idee fĂŒr die Bilder,“ erzĂ€hlt der Schweizer KĂŒnstler Fabian Oefner,29, dessen Kunstwerke derzeit in Genf in der M.A.D. Galerie bis Mai 2014 ausgestellt werden. Die Entstehung eines Bildes ist minutiöse Klein- und Feinarbeit. Jedes einzelne Teil eines Fahrzeugs wird „frei schwebend“ (an einem hauchdĂŒnnen Draht) an der Position gehalten und fotografiert, in der es spĂ€ter im Gesamtkunstwerk perspektivisch richtig stehen soll.
Fabian Oefner hat seine Werke in verschiedene Kategorien aufgeteilt: Disintegrating und Hatch. Bei der Serie Disintegrating geht es darum, einen Augenblick im Zeitablauf zu erfinden. „Was man in diesen Bildern sieht, ist ein Zeitaugenblick, den es im wirklichen Leben niemals gab“, erklĂ€rt Oefner. „Das, was so aus aussieht, als wĂŒrde ein Fahrzeug auseinanderbrechen, ist tatsĂ€chlich ein Augenblick, der durch eine Vermischung von Hunderten einzelner Bilder kĂŒnstlich geschaffen wurde. Es bereitet eine einzigartige Freude, kĂŒnstlich einen Augenblick zu erzeugen … . Einen Moment einzufrieren ist verblĂŒffend.“ Die Kunstwerke zeigen explodierende Aufnahmen klassischer Sportwagen wie einen Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut CoupĂ© mit FlĂŒgeltĂŒren (1954) oder beispielsweise einen schwarzen Jaguar E-Typ (1961) oder einen Ferrari 330 P4 (1967).


Hatch stellt die mögliche Geburt eines Autos dar. In den ersten beiden Bildern wird ein Ferrari 250 GTO (1962) gezeigt, der gerade aus der Schale bricht. Im dritten Bild ist die leere Schale zu sehen – und dazu noch weitere, nicht ganz fertige. Ein Latex-Abguss des Modellautos, den mit einer dĂŒnnen Gipsschicht gefĂŒllt wird, dient zur Herstellung der Schale. Gleich mehrere Dutzend dieser Schalen werden benötigt um das ZertrĂŒmmern der Schale auf dem Auto und damit die Illusion des EntschlĂŒpfens kreieren zu können. Damit auch wirklich der Augenblick, in dem die Schale das Modell trifft, erfasst werden konnte, wurde ein Mikrofon und ein Blitz an die Hasselblad H4D Kamera angeschlossen. So wurde jedes Mal, wenn die Schale auf die FahrzeugoberflĂ€che traf, der Tonimpuls vom Mikrofon wahrgenommen und in der Folge der Blitz und der Kameraverschluss ausgelöst.
„Ich habe schon von einem frĂŒhen Stadium an mit verschiedenen Kunstformen experimentiert“, sagt der 29-JĂ€hrige, der sein Atelier in Aarau, bei ZĂŒrich hat. „Die Fotografie war dabei die Kunstform, die mich am meisten interessierte.“