Ausstellung – Paykan – Der Pfeil im Auge iranischer KĂŒnstler


Noch bis vor kurzem wurde im Iran auch Kunst zensiert. Wie eine frische Brise wirkt jetzt die gesellschaftskritische Ausstellung einer jungen KĂŒnstlergruppe in Teheran. Im Zentrum steht der Paykan, ein Automobil, das im Iran Geschichte schrieb und fĂŒr viele ein bedeutender Dreh- und Angelpunkt im Leben ist und war.

Über vier Jahrzehnte prĂ€gte der Paykan, dessen Name sich ableitet aus dem Farsi ‚peykan’ – ‚Pfeil‘, das Straßenbild des Iran, war Fortbewegungsmittel fĂŒr Privatleute, StaatsgĂ€ste und natĂŒrlich Taxi. Das ist es bis heute, denn die gerĂ€umige schnörkellose Limousine ohne Chrom und besondere Extras ist ĂŒberaus widerstandsfĂ€hig.
Die Ausstellung „Final Encore II“ wurde durch die Kuratoren Sogol Kashani, Joubeen Mireskandari und Shahin Armin auf die beine gestellt. Shahin Armin, 37, Design Engeneer mit 13 Jahren US-Erfahrung bei Chrysler erklĂ€rt: „Die Unsicherheiten im sozialen, ökonomischen und kulturellen Bereich des iranischen Lebens brachten VerĂ€nderungen mit, die bisher in der Vergangenheit keine Rolle spielten. Damit einher geht ein Mangel an IdentitĂ€t. Der Durst nach ModernitĂ€t vermischt mit den importierten Ideen, die nicht loyal sind zu unseren historischen Gedanken, fĂŒhren zu einer Zukunft, die weit entfernt ist von dem, was wir uns vorgestellt haben.“

Fotos: Nathalie Taleghani
Zwölf KĂŒnstler setzten ihre Gedanken am Paykan um. Bevor das endgĂŒltige Werk in der Dastan Gallery in Teheran ausgestellt werden konnte gab es noch eine logistische Aufgabe zu lösen: Damit das GefĂ€hrt in die Kellergalerie passte, musste der Wagen sorgsam auseinandergetrennt werden, in Einzelteilen hinuntergetragen und dort wieder zusammen gefĂŒgt werden.
Aber eigentlich ist auch das wieder ein – wenn auch nicht beabsichtigtest – Element, das mit dem Paykan und seiner Geschichte verwoben ist. Der Paykan wurde ab 1967 im Iran gebaut und basiert auf dem britischen Hillman Hunter. Aus England wurde er komplett zerlegt in den Iran geliefert, wo er wieder zusammengebaut wurde. Dies hing mit den Einfuhrbestimmungen des Iran zusammen. Zu Zeiten von Shah Pahlavi wurden die Paykans auch ohne Typen oder Markenbezeichnung zusammengesetzt. Karosserie, Chassis und alle Anbauteile wurden im Iran gefertigt. Lediglich der Motor und das Getriebe von Hillman kamen noch zum Einsatz. 1979 ĂŒbernahm Chrysler die Firma Hillman und die Rechte an der Produktion wurden an den Iran verkauft.
Die Kunst-Ausstellung zeigt einen völlig verrosteten dunkelblauen Paykan in der Mitte des Raums. Rund um das Fahrzeug prĂ€sentieren die einzelnen KĂŒnstler ihre Werke zum Thema Paykan. Namdar Shirazian nahm sich den Frontscheinwerfern an, es entstand das Kunstwerk mit dem Titel „Eyezzzzz“. An der Heckscheibe prangt das Bild von Mina Bozorgmehr & Hadi Kamali Moghadamm „Once upon a time Teheran-J“ . An der rechten TĂŒre zeigt MAD unter dem Titel „The Window“, ein kleines MĂ€dchen, das aus dem Fenster schaut wĂ€hrend ihre Mutter am Steuer sitzt. Das war in den 70er-Jahren, eine Provokation, denn damals war es im Iran Frauen untersagt Auto zu fahren . Jedes einzelne kĂŒnstlerische Element am ausgestellten Paykan steht als Anagram fĂŒr ein gesellschaftliches Statement.

Weitere Infos: www.paykanhunter.com

Fotos: Nathalie Taleghani