Ausstellung: Voisin – ein fast vergessener Meister


„Die meisten Menschen wissen nicht einmal, wie man Voisin buchstabiert“, meint Peter Mullin, dessen Leidenschaft fĂŒr die Art Deco Zeit zu einer der außergewöhnlichsten Autosammlungen der Welt gefĂŒhrt hat.

Jetzt widmet Mullin in seinem Museum eine Sonderausstellung dem Werk von Gabriel Voisin (+ 1973), französischer Autobauer und Flug-Pionier.
Im vergangenen Jahr durfte Peter Mullin endlich den heiß ersehnten Award Best of Show beim Concours d’Elegance in Pebble Beach entgegen nehmen. Der Sammler hatte Jahr fĂŒr Jahr mit einem anderen Oldtimer am Wettbewerb teilgenommen und schließlich war der Coup um die prestigetrĂ€chtige Auszeichnung gelungen – mit einem Voisin von 1934. Dieser Siegerwagen des fast vergessenen französischen Autobauers Gabriel Voisin wurde von Mullin in einer aufwendigen Restauration wieder in den Originalzustand zurĂŒckversetzt. ‚La Vision de Voisin‘ – ‚Die Vision von Voisin‘ lautet der Titel der Sonder-Ausstellung. „Wenn man etwas genauer forscht entdeckt man“, weiß Peter Mullin, „dass Voisin vor dem Krieg einer der wichtigsten Vorgriegsmarken Europas war. Geschaffen hat sie ein Mann, der nie an gestern dachte, sondern immer von der Zukunft trĂ€umte.“
WĂ€hrend der kurzen Zeit (1918 – 1930) ihrer Existenz hatte die Firma Avions Voisin ĂŒber 27.000 Fahrzeuge gebaut. Heute gibt es höchstens noch 50, die erhalten sind. Mullin allein hat sich einen Voisin-Fuhrpark von 17 Exemplaren zusammen gesammelt beginnend bei den AnfĂ€ngen bis zum letzten gebauten Wagen, einem C30 S CoupĂ©. Mit UnterstĂŒtzung der Nachfahren von Gabriel Voisin, die sich im Gedenken an den besonderen Mann in ‚Les Amis de Gabriel Voisin‘ zusammen gruppiert haben, hatte der amerikanische Unternehmer StĂŒck fĂŒr StĂŒck gesammelt. Jetzt kann man diese seltene Fahrzeug-Sammlung erstmals sehen. Die Ausstellung ist noch im April geöffnet und zeigt neben den Klassikern auch Memorabilia, Zeichnungen und ErinnerungsstĂŒcke an das aufregende Leben Voisins, dessen Fahrzeuge auch gefahren wurden von Josephine Baker, Le Corbusier, Rudolph Valentino, François Mitterand, Maurice Chevalier und Anatole France.
Geboren wurde Voisin 1880, in einer Zeit, in der der technische Fortschritt gerade so richtig in Fahrt kam. 1904 – die Whright BrĂŒder klopften noch den Sand von ihren ersten Gleitern, begann Voisin mit seinen Flug-Experimenten. Bereits zwei Jahre spĂ€ter baute er mit seinem Bruder die ersten Flugzeuge unter dem Firmennamen SociĂ©tĂ© Anonyme des AĂ©roplanes G. Voisin. Ein Jahr spĂ€ter bauten die GebrĂŒder Voisin das erste bemannte Flugzeug Europas. 1908 gewann die Voisin-Farman I den ersten Flug-Grand-Prix.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges brachte dem Unternehmen der Voisins einen finanziellen Schub. Voisin baute das erste Kampfflugzeug fĂŒr Frankreich – aus Nationalstolz. Ein Replica dieser Maschine von 1907 wird ĂŒbrigens auch in der Ausstellung gezeigt – das Original hĂ€ngt im Smithsonian Air and Space Museum.
Voisin’s Interesse nach dem Krieg entwickelte sich hin zum Automobil. Seine neue Firma Avions Voisin brauchte eine ganze Weile, um in den Art Deco Schick mit einzusteigen. Doch unter dem Blechkleid steckte geniale Technik, die unter anderem von AndrĂ© LefĂšbvre (spĂ€ter Citroen) stammte.
„FĂŒr gewöhnlich entwarf Voisin seine eigenen Autos“, erzĂ€hlt Peter Mullin „wer also einen Wagen bestellte bekam seinen eigenen Wagen. Aber Voisin schwĂ€rmte von Figoni et Falaschi. Deshalb war er damit einverstanden, dass auf dem sie auf einem Voisin Chassis ihre eigene Karosserie aufbauten. Der C27 ist das Ergebnis und wurde direkt von der PrĂ€sentation in Paris an den Schah von Persien verkauft. Äußerlich erinnert er an einen Bugatti Type 55.“

Mullin Automotive Museum in Oxnard, California