Autos und Film: Die Unzertrennlichen


Auto und Film sind zwei bahnbrechende Erfindungen des spĂ€ten 19. Jahrhunderts. WĂ€hrend das Auto 1886 seine ersten Meter unter die RĂ€der nahm, entwickelte der Franzose Louis Le Prince im englischen Leeds praktisch zeitgleich eine Filmkamera mit nur einem Objektiv. 1888 drehte er damit die ersten bewegten Bilder, die sich aus heutiger Sicht als Film bezeichnen lassen. Seit die Bilder laufen lernten, fĂŒhren Autos und Filme eine unzertrennliche Beziehung. Zu beiderseitigem Nutzen. Vor allem Autohersteller profitieren seit jeher vom Glanz der Filmwelt. Darum engagieren sich viele Unternehmen traditionell als Sponsoren, nicht nur mit Produkten fĂŒr die Produktionen, sondern auch als Partner bei großen Events. Zur Verleihung des EuropĂ€ischen Filmpreises in Berlin durften die Stars bequem im Fond eine Scoda 35 anreisen. Blick auf eine glĂŒckliche Verbindung zwischen Auto und Film.

 

Ford Mustang Fastback aus dem Film „Bullit“ (1968). Foto: Ford

Ford Mustang Fastback aus dem Film „Bullit“ (1968).
Foto: Ford

 

Die Karrieren von Auto und Film verliefen stets synchron. 1891, fĂŒnf Jahre nach Erfindung des Automobils stellte Thomas Edison seinen „Cinematografen“ vor. 1895 war die Geburtsstunde des kommerziellen Kinos. In New York, im Berliner Wintergarten und in Paris durch die GebrĂŒder GebrĂŒder LumiĂšre fanden öffentliche FilmvorfĂŒhrungen statt. Die Autogeschichte notiert fĂŒr das gleiche Jahr die GrĂŒndung des französischen Automobilclubs, die Inbetriebnahme der weltweit ersten Verbindung mit einem benzingetriebenen Omnibus zwischen Siegen und Deutz im Rheinland, sowie die GrĂŒndung von Laurin & Klement im tschechischen MladĂĄ Boleslav, aus dem Skoda hervorging.

Als im frĂŒhen 20. Jahrhunderts Stummfilme bereits Millionen in die LichtspielhĂ€user lockten, emanzipierte sich das Auto von der anfĂ€lligen technischen Spielerei zum massentauglichen Verkehrsmittel. Besonders seit 1907 Henry Ford mit der EinfĂŒhrung der Fließbandfertigung seines T-Modell dafĂŒr gesorgt hatte, dass Autos auch fĂŒr Arbeiter erschwinglich wurden. Kein Wunder, dass die Filmstars jener Tage von Charlie Chaplin ĂŒber Buster Keaton, Roscoe „Fatty“ Arbuckle oder Ben Turpin sich damit ĂŒbertrafen, ihr Publikum mit immer gewagteren Autostunts zu unterhalten. Fords „Tin Lizzy“ wurde so der erste Auto-Superstar der Filmgeschichte.

Die Chronik aller Filmautos könnte BĂ€nde fĂŒllen. Was wĂ€re James Bond in seinen frĂŒhen Abenteuern „Goldfinger“ und „Feuerball“ ohne den unsterblichen Aston Martin DB 5? HĂ€tte die Trilogie „ZurĂŒck in die Zukunft“ ihren Kultstatus erlangt, wenn Regisseur Robert Zemeckis vor mehr als 30 Jahren seiner ursprĂŒnglichen Intension gefolgt wĂ€re, den „Fluxkompensator“ fĂŒr die Zeitreisen in einen KĂŒhlschrank statt in Doc Emmet Browns DeLorean zu verbauen? – Eher nicht.

 

LegendÀr: Sean Connery mit Aston Martin DB 5 (1964). Foto: Aston Martin

LegendÀr: Sean Connery mit Aston Martin DB 5 (1964).
Foto: Aston Martin

 

Manche Autos durften sogar Hauptrollen ĂŒbernehmen, wie der Volkswagen im „Tollen KĂ€fer“ (Herbie). Unvergessen auch der rot weiße Plymouth Fury in „Christine“, der kongenialen Verfilmung des gleichnamigen Horrorklassikers von Stephen King. Und nicht zuletzt wĂ€re der amerikanische Thriller „Bullit“ von 1968 lĂ€ngst in der cineastischen Belanglosigkeit versunken, wenn Steve McQueen mit seinem Ford Mustang auf der Jagd nach einem Dodge Challenger nicht die bis heute immer noch lĂ€ngste und aufregendste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte auf die Straßen von San Francisco gezaubert hĂ€tte.

 

De Lorean DMC-12 (1982). Foto: Autostadt

De Lorean DMC-12 (1982).
Foto: Autostadt

 

FĂŒr traditionsreiche Hersteller wie Skoda oder Mercedes mit ihren weit ĂŒber hundertjĂ€hrigen Firmengeschichten eröffnet das Filmsponsoring die unterschiedlichsten Aspekte. Neben spektakulĂ€ren Veranstaltungen erlaubt das breite Spektrum des Mediums Film auch UnterstĂŒtzung abseits des großen Mainstreamkinos. Skoda fördert beispielsweise auch das Hamburger Filmfest mit seinem Shuttledienst, Mercedes unterstĂŒtzt den kritischen Filmemacher Alexander Kluge bei seinen Projekten. BMW engagierte sich im vergangenen Jahr im Rahmen des MĂŒnchener Kunstfilmfestivals „Kino der Kunst“ einem internationalen Wettbewerb fĂŒr junge FilmkĂŒnstler unter 35 Jahren.

 

Schauspieler Oliver Momnmsen an einem Skoda Superb von 1935. Foto: Skoda

Schauspieler Oliver Momnmsen an einem Skoda Superb von 1935.
Foto: Skoda

 

Wenn es um historische Filmstoffe geht und die Ausstattung mit authentischen Fahrzeugen, gehen Hersteller den Produktionen gerne mit Autos aus ihrem Traditionsfundus zur Hand. Mercedes stellte in den letzten 100 Jahren beispielsweise Fahrzeuge bei ĂŒber 500 Spielfilmproduktionen und ungezĂ€hlten Fernsehserien auf der ganzen Welt zur VerfĂŒgung. Das mĂŒssen nicht die glĂ€nzenden Topmodelle sein, wie das Beispiel „Russendisko“ von 2012 zeigt. In der Verfilmung des russischen Bestsellers von Vladimir Kaminer glĂ€nzt in der Hauptrolle, neben Matthias Schweighöfer ein Mercedes „Strich/Acht“ aus den frĂŒhen Siebzigern.

Die Strategie vieler Autohersteller, Filmproduktionen nicht nur mit aktuellen Fahrzeugen oder Oldtimern zu unterstĂŒtzen, sondern fĂŒr Science-Fiction-Filme sogar futuristische Eigenbauten auf die RĂ€der zu stellen, wie beispielsweise Audi fĂŒr den US-Streifen „I Robot“ von 2004, verfolgte Skoda bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. FĂŒr eine Verfilmung des Romans „Vampir Ltd.“ des bedeutendsten tschechischen Science-Fiction-Autors Josef Nesvadba lieferte das Unternehmen das aufsehenerregende Unikat eines futuristischen Sportwagens. Der „Ferat Vampir“ entstand auf Basis der Studie Skoda 110 Super Sport, den Skoda als Studie fĂŒr die Autoshow in BrĂŒssel 1972 vorbereitet hatte und der im Westen viel Lob fĂŒr seinen mutigen Entwurf sammeln konnte. Das schwarze Filmauto zĂ€hlt noch heute zu den Highlights im Werksmuseum von Skoda.

 

Audi-Studie in „I Robot“ (2004) mit Will Smith. Foto: Audi

Audi-Studie in „I Robot“ (2004) mit Will Smith.
Foto: Audi

 

Die UnterstĂŒtzung von Filmen und Filmfestivals ist bei den engagierten Autoherstellern nur ein Aspekt einer umfassenden Kunstförderung. Eine wichtige Veranstaltung fĂŒr die Marke ist seit 2014 auch der „Echo“, der renommierteste deutsche Musikpreis. FĂŒr die MobilitĂ€t der KĂŒnstler und EhrengĂ€ste ist eine Logistik erforderlich, die sich in eindrucksvollen Zahlen niederschlĂ€gt: 98 Fahrzeuge und 100 Mitarbeiter, rund 1000 Einzelfahrten, bei denen mehr als 30 000 Kilometer zurĂŒckgelegt werden.