Benz feiert 105 Jahre 1908 Grand Prix


1908 fĂŒhrte LautenschlĂ€ger Benz zum Sieg in Dieppe. 2013 jĂ€hrt sich der Sieg zum 105ten Mal.


Sehen Sie hier das exklusive Video mit einzigartigen Aufnahmen des Mercedes-Benz 1908 Grand Prix Wagens.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Entwicklung von Rennfahrzeugen getrieben von der Frage nach dem grĂ¶ĂŸtmöglichen Motor in einem vom Gewicht vorgegebenen Chassis. Dabei entstanden gefĂ€hrliche Rennwagen die kaum mehr zu beherrschen waren und der Verbrauch in maßlose Dimensionen anstieg. Was ĂŒbrig blieb, war ein Rennwagen mit einem Fahrgestell, 2 Sitzen fĂŒr Fahrer und Beifahrer und einem Motor. So gab es Rennwagen, die einen 13,5 Liter Motor auf einem 1000 kg schweren Chassis hatten und eine Geschwindigkeit von fast 160 km/h erreichten.
1908 wurden die Regeln fĂŒr Grand Prix Fahrzeuge geĂ€ndert. 4 Zylinder Rennwagen durfeten nur noch ein Gesamtgewicht von 1150 Kg haben. Diese Gewicht setzte sich zusammen aus dem Gewicht des Motors und dem Chassis mit Karosserie (gemessen ohne KotflĂŒgel und ohne Ersatzrad, ohne KĂŒhlmittel und Kraftstoff). Schmiermittel wurden im Gesamtgewicht mit einkalkuliert. Auch der Hubraum der 4 Zylinder Motoren war beschrĂ€nkt, so durften die Zylinder eine Bohrung von max. 155mm nicht ĂŒberschreiten. Die Fahrzeuge sollten sparsamer werden. Das Gewicht von Fahrer und Beifahrer, dem Mechaniker, durfte 120 kg nicht ĂŒberschreiten.
Entwickelt wurde die Idee zum Mercedes 140PS Grand Prix bereits 1906, aber William Maybach hatte 1907 Mercedes verlassen und Paul Daimler ĂŒbernahm die Aufgabe den Mercedes GP weiter zu entwickeln. Er ĂŒbernahm allerdings einige Ideen Maybachs. Der Mercedes GP 140 PS 1908 wurde sehr niedrig gebaut. Auch die KĂŒhlerfront wurde insgesamt tiefer gesetzt und somit war der gesamte KĂŒhler und Motorhauben Bereich niedriger. Der Motor mit einem Hubraum von ĂŒber 12 Litern leistete 120 PS bei 1500 Umdrehungen/Min.


Damit erreichte der Mercedes ca. 160 km/h. Es war bei den damaligen StraßenverhĂ€ltnissen mit vielen Schlaglöchern und Bodenwellen, eine außerordentliche Leistung von Christian LautenschlĂ€ger, in Dieppe 1908, den Sieg des Grand Prix einzufahren. Der Rahmen bestand zudem nur aus schweren Pressstahlprofilen und die großen RĂ€der waren aus Holz mit einer schmalen Reifenpolsterung aus Gummi.
Dennoch fÀhrt LautenschlÀger den Grand Prix von Dieppe mit einer Spitzenzeit von 6 Stunden, 55 Minuten und 43 Sekunden. Dies war auch die beachtliche Premiere des Mercedes Grand Prix 140PS.
Auf der RĂ©tromobile 2013 dokumentiert Mercedes-Benz Classic das Engagement von Benz & Cie. zunĂ€chst mit einem originalen Grand-Prix-Rennwagen von 1908. FĂŒr die damalige Saison neu entwickelt, schickt das Unternehmen gleich drei Fahrzeuge zum Großen Preis von Frankreich. Das Ergebnis ist herausragend: Die Benz-Fahrer Victor HĂ©mery und RenĂ© Hanriot belegen die PĂ€tze zwei und drei, und Benz ist die einzige Marke, die alle drei Fahrzeuge ins Ziel bringt. Nur Christian Lautenschlager auf Mercedes ist noch schneller und gewinnt das Rennen. Damit ist ein deutscher Dreifachsieg komplett.

1903: Benz bekennt sich zum Rennsport


Die Unstimmigkeiten zwischen Carl Benz und seinem Partner Julius Ganß ĂŒber die Ausrichtung der Modellpalette fĂŒhren 1902 dazu, dass ein zweites KonstruktionsbĂŒro unter der Leitung des Franzosen Marius Barbarou bei Benz & Cie. in Mannheim eingerichtet wird. Aufgabe der Mannschaft ist es unter anderem, einen modernen Rennwagen als Konkurrenten des Mercedes zu bauen. Barbarou entwirft den Rennwagen Benz 60 PS Parsifal in konsequenter Leichtbautechnik: Das Fahrzeug wiegt 782 Kilogramm, insbesondere der Motor ist sehr leicht im Vergleich zu den Mercedes-Maschinen.
1903 kommt das Fahrzeug mit einem Vierzylindermotor von 11,2 Liter Hubraum nur einmal bei einem Langstreckenrennen zum Einsatz: Barbarou selbst steuert den Parsifal im Mai 1903 beim Rennen Paris–Madrid bis nach Bordeaux, wo der Wettbewerb wegen zahlreicher UnfĂ€lle abgebrochen wird. Am 19. Juni 1903 gewinnt Barbarou dann mit einer Leichtbau-AusfĂŒhrung des Parsifal-Rennwagens das Kilometer-Rennen von Huy in Belgien mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 119,8 km/h.
Die Reibungsverluste in der UnternehmensfĂŒhrung von Benz & Cie. verringern sich nach dem Ausscheiden von Carl Benz 1903 und seinem Wiedereintritt als technischer Berater 1904 deutlich. So steht 1905 im Zeichen der Konsolidierung des Modellprogramms und der Entwicklung neuer Fahrzeuge. Im Jahr 1906 entsteht der neue Hochleistungsrennwagen Benz 38/60 PS mit 8,9-Liter-Motor und 44 kW Leistung. Bei der Targa Florio, die im April 1907 zum zweiten Mal durchgefĂŒhrt wird, gelingt es den drei Benz-Fahrern Fritz Erle, Paul Spamann und Herzog von Bojano, den Mannschaftspreis der RegelmĂ€ĂŸigkeit auf diesem Fahrzeug zu gewinnen. Mit einer Zeit von 9:11:15 Stunden kommt Erle zudem auf den 15. Platz im Gesamtklassement. Zugleich sind das Belege, dass sich die Einstellung von Benz & Cie. zum Rennsport gegenĂŒber der-Jahrhundertwende deutlich verĂ€ndert hat.
Auf dem Benz 60 PS Targa-Florio-Rennwagen basieren auch drei Fahrzeuge, mit denen sich Benz & Cie. am Kaiserpreis-Rennen beteiligt, das von Kaiser Wilhelm II. ausgeschrieben und im Juni 1907 im Taunus durchgefĂŒhrt wird. Das Reglement schreibt ein Mindestgewicht von 1175 Kilogramm vor und limitiert den Hubraum auf maximal 8 Liter. Fritz Erle setzt zwei verschiedene Motoren ein, einen Kurzhuber mit 145 Millimeter Bohrung und 120 Millimeter Hub sowie ein lĂ€ngerhubiges Aggregat von 130 x 140 Millimetern. Beiden Varianten ist jedoch kein Erfolg beschieden: Weder Benz noch Mercedes können in dem Rennen punkten. Gewinner des Kaiserpreises wird der Italiener Felice Nazzaro auf Fiat, bester deutscher Fahrer ist Carl Jörns auf einem Opel, der auf den dritten Platz kommt.
1908: Prinz Heinrich als Förderer des Rennsports
In diesem Jahrzehnt werden neben den regulĂ€ren Rennen auch mehrfach Wettbewerbe fĂŒr Tourenwagen durchgefĂŒhrt, die etwa heutigen Rallyes entsprechen. So lassen begĂŒterte und am Motorsport interessierte MĂ€zene Langstreckenfahrten veranstalten und stiften wertvolle Preise. Zum Zweck haben die Tourenfahrten die Pflege der Automobiltouristik und die Vervollkommnung des Tourenwagens. Verschiedene PrĂŒfungen bieten dabei allerdings eindeutigen Renncharakter. In Deutschland geschieht dies durch den Maler und UniversalkĂŒnstler Hubert von Herkomer: Von 1905 bis 1907 finden die „Herkomer-Konkurrenzen“ als mehrtĂ€gige Fahrten ĂŒber Strecken von 900 bis zu 1800 Kilometern statt. Im Juni 1907 gewinnt Fritz Erle auf Benz 50 PS die 3. Herkomer-Konkurrenz (Dresden–Eisenach–Mannheim–Lindau–MĂŒnchen–Augsburg–Frankfurt/Main) ĂŒber 1818 Kilometer und sichert sich damit den Gewinn des Herkomer-Wanderpreises.
Heinrich Prinz von Preußen, der automobilbegeisterte Bruder des deutschen Kaisers, stiftet im Juli 1907 den Wanderpreis fĂŒr eine große internationale Tourenfahrt, die vom Jahr 1908 an ausgetragen werden soll. Das Reglement beschrĂ€nkt die Teilnahme auf viersitzige Vier- oder Sechszylinderwagen, die zur Fahrt auf öffentlichen Straßen zugelassen sind und am Tag der Abnahme eine Laufleistung von mindestens 2000 Kilometern haben mĂŒssen. Dieser Wettbewerb in den Jahren 1908 bis 1910 tritt damit das Erbe der Herkomer-Konkurrenzen an.
Benz & Cie. startet bei der ersten Prinz-Heinrich-Fahrt vom 9. bis 17. Juni 1908 ĂŒber eine Distanz von 2201 Kilometern mit insgesamt elf Fahrzeugen, die Nennleistungen von 18, 37 und 55 kW haben. Unter den insgesamt 129 Teilnehmern setzt sich Fritz Erle auf seinem Benz 7,5-Liter-Spezial-Tourenwagen mit nominell 37 kW erneut als Sieger durch.
Die zweite Prinz-Heinrich-Fahrt wird vom 10. bis 18. Juni 1909 ĂŒber eine Distanz von 1858 Kilometern auf der Strecke Berlin–Breslau–Budapest–Wien–Salzburg–MĂŒnchen ausgetragen. Es starten 108 Teilnehmer, davon acht Benz Spezial-Tourenwagen mit einer Nennleistung von 15 kW. Sieger in der Gesamtwertung wird Wilhelm Opel auf Opel, der bestplatzierte Benz, gesteuert von Edward Forchheimer, belegt den vierten Platz.
Der dritte Wettbewerb der Serie wird vom 2. bis 8. Juni 1910 ĂŒber 1945 Kilometer auf der Strecke Berlin–Braunschweig–Kassel–NĂŒrnberg–Straßburg–Metz–Homburg vor der Höhe gefahren und umfasst 17 SonderprĂŒfungen. Benz entwickelt fĂŒr diese Fahrt zehn vollkommen neue Spezial-Tourenwagen, davon vier mit 5,7 Liter und sechs mit 7,3 Liter Hubraum. Im Gegensatz zu den Benz-Wagen der vorherigen Prinz-Heinrich-Fahrten sind die Fahrzeuge von 1910 mit Kardanantrieb ausgerĂŒstet und haben eine aerodynamisch optimierte Karosserie mit einem charakteristischen Spitzheck.
Wie schon 1909 endet die Prinz-Heinrich-Fahrt fĂŒr Benz auch 1910 nicht mit dem erhofften Sieg: Ferdinand Porsche, damals Chefkonstrukteur bei Austro-Daimler in Wien, gewinnt. Die von ihm entwickelten Fahrzeuge belegen sogar die ersten drei PlĂ€tze. Fritz Erle kommt als bester Fahrer der Marke Benz auf einem 5,7-Liter-Wagen mit 59 kW auf Platz fĂŒnf ins Ziel. Die meisten Benz-Wagen fĂŒr die Prinz-Heinrich-Fahrten der Jahre 1908 bis 1910 werden auch nach ihrem eigentlichen Verwendungszweck noch bei Rennen und Tourenfahrten eingesetzt und anschließend an sportlich ambitionierte Privatleute verkauft.
1908: Die Benz Grand-Prix-Wagen
Mit einer Teilnahme am französischen Grand Prix von 1908 will Benz & Cie. nach lĂ€ngerer Abwesenheit in den internationalen Spitzen-Rennsport zurĂŒckkehren. Hans Nibel und Louis de Groulart ĂŒbernehmen die Aufgabe, einen leistungsfĂ€higen Rennwagen fĂŒr dieses Ziel zu entwerfen, die Leitung des Projektes hat der Benz-Chefkonstrukteur Georg Diehl. Der Belgier de Groulart ist 1903 zusammen mit Marius Barbarou zu Benz nach Mannheim gekommen und hat sich bald als Motorenkonstrukteur einen Namen gemacht.
Die Chassiskonstruktion des Grand-Prix-Rennwagens Benz 120 PS folgt bewĂ€hrten Prinzipien: Unter anderem zeichnet ein Rahmen aus Pressstahlprofilen mit ĂŒber der Hinterachse gekröpften LĂ€ngstrĂ€gern das Fahrzeug aus, dazu kommen FederbanddĂ€mpfer an Vorder- und HinterrĂ€dern. Der von de Groulart konstruierte Vierzylindermotor hat hĂ€ngende Ventile, die ĂŒber Stoßstangen und Kipphebel von einer unten liegenden Nockenwelle gesteuert werden. Die Bohrung liegt mit 154,9 Millimetern an der zulĂ€ssigen Grenze, und mit einem Kolbenhub von 165 Millimetern ergibt sich ein Hubraum von 12,4 Litern.
Der erste Wagen wird im MĂ€rz 1908 fertiggestellt und ausgedehnten Erprobungen unterzogen. Seinen ersten Renneinsatz erlebt er am 1. Juni beim Rennen St. Petersburg–Moskau ĂŒber 686 Kilometer, das Victor HĂ©mery in der Rekordzeit von 8:30:48 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80,6 km/h als Sieger beendet – bei den gegebenen StraßenverhĂ€ltnissen eine eindrucksvolle Leistung!
Schon das nĂ€chste Rennen ist die große Herausforderung, der französische Grand Prix am 7. Juli 1908 in Dieppe. Die Benz-Fahrer Victor HĂ©mery und RenĂ© Hanriot kommen hinter dem Sieger Christian Lautenschlager auf Mercedes als Zweiter und Dritter durchs Ziel. Teamchef Fritz Erle belegt den siebten Platz. Damit teilen sich Mercedes und Benz den Triumph ĂŒber die französischen Rennteams, die einen Heimsieg erwartet hatten. Benz kann als einzige Marke alle drei gestarteten Wagen ins Ziel bringen.


Eine direkte Weiterentwicklung des Grand-Prix-Rennwagens Benz 120 PS ist der Rennwagen Benz 150 PS, dessen Motor durch die VerlÀngerung des Kolbenhubs auf 200 Millimeter nun eine Leistung von 116 kW bei 1500/min aus 15,1 Liter Hubraum erzielt. Der erste Renneinsatz erfolgt am 20. September 1908 beim Semmering-Rennen, wo René Hanriot in der Klasse der Rennwagen mit mehr als 8 Liter Hubraum den dritten Platz belegt. Hémery kommt im selben Rennen auf einem Grand-Prix-Rennwagen Benz 120 PS in der Klasse der Grand-Prix-Rennwagen auf den dritten Platz.
Beim Grand Prix von Amerika, der am 26. November 1908 in Savannah/Georgia ausgetragen wird, geht das Unternehmen mit drei Rennwagen Benz 150 PS an den Start. Nachdem Erle wegen eines leichten Unfalls aufgeben muss, erreichen HĂ©mery und Hanriot die PlĂ€tze zwei und vier. In den USA erzielen verschiedene Fahrer mit dem Rennwagen Benz 150 PS bei Sprintrennen und Rekordversuchen in den Jahren 1908 und 1909 zahlreiche weitere Erfolge. Barney Oldfield, der spĂ€ter durch noch spektakulĂ€rere Bestleistungen berĂŒhmt wird, erreicht am 19. August 1909 auf der kurz zuvor fertiggestellten Bahn von Indianapolis eine Höchstgeschwindigkeit von 183,4 km/h, seine Durchschnittsgeschwindigkeit bei einer Meile (1,609 Kilometer) mit stehendem Start betrĂ€gt 134,4 km/h.
1910: Der „Blitzen-Benz“
Dieser Wagen ist die Automobil gewordene Gegenthese zur Forderung von Carl Benz nach einem vernĂŒnftigen, maximal 50 km/h schnellen Fahrzeug: Der Rekordwagen Benz 200 PS, berĂŒhmt und bekannt vor allem unter dem in Amerika geprĂ€gten Namen „Blitzen-Benz“, katapultiert die Mannheimer Marke endgĂŒltig ins Bewusstsein einer am Motorsport interessierten Öffentlichkeit. Seine Paradedisziplin sind vor allem die Geschwindigkeitsrekorde, die in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts die Evolution des Automobils zum schnellsten Fortbewegungsmittel unterstreichen.
Bei dieser Jagd der verschiedenen Autohersteller nach immer höherer Geschwindigkeit ist der „Blitzen-Benz“ eines der erfolgreichsten Automobile einer ganzen Epoche: 228,1 km/h – schneller ist ein Landfahrzeug noch nie zuvor gefahren als das Mannheimer Weltrekordfahrzeug, das Bob Burman am 23. April 1911 am Strand von Daytona Beach/Florida ĂŒber einen Kilometer mit fliegendem Start steuert. Auf der fliegenden Meile erzielt der Wagen eine ebenso spektakulĂ€re Marke: 225,6 km/h. Bis 1919 bleiben diese Rekorde ungeschlagen. Damit ist der Benz doppelt so schnell wie ein Flugzeug der damaligen Zeit, und auch der Schienenfahrzeug-Rekord (1903: 210 km/h) ist ĂŒbertroffen.
Konstruktiv geht der Wagen auf die erfolgreichen Benz Grand-Prix-Wagen von 1908 zurĂŒck. Die Techniker Victor HĂ©mery, Hans Nibel und ihre Kollegen schaffen ein imposantes Automobil, das mit seinem mĂ€chtigen, 21,5 Liter großen Vierzylindermotor lange Zeit das schnellste Auto der Welt sein wird. Mehr Zylindervolumen wird kein Renn- oder Rekordwagen von Benz & Cie., der Daimler-Motoren-Gesellschaft oder der Daimler-Benz AG mehr haben. In der ersten AusfĂŒhrung leistet dieser gewaltige Motor 135 kW bei 1500/min, doch sorgfĂ€ltige Feinarbeit der Ingenieure erbringt schließlich 147 kW bei 1600/min. Die Karosserie wird um diesen Motor herum aufgebaut, Basis ist dabei das Chassis des Grand-Prix-Wagens.
Einen Vorgeschmack auf seine Leistung zeigt das Fahrzeug schon bei seinem ersten Einsatz im Kilometerrennen von Frankfurt/Main. Hier siegt Fritz Erle mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 159,3 km/h mit fliegendem Start. Der Benz 200 PS besucht die Rekordstrecken der alten Welt, beispielsweise das Betonoval in Brooklands/England. Victor HĂ©mery ĂŒberschreitet auf dieser Strecke am 8. November 1909 erstmals in einem Automobil mit Verbrennungsmotor die Geschwindigkeitsgrenze von 200 km/h: 202,648 km/h fĂŒr den Kilometer zeigt die Messung an, die halbe Meile (804,67 Meter) absolviert er sogar mit 205,666 km/h. Auf diese Weise verschiebt der Benz 200 PS alle bis dahin bekannten Grenzen – und zeigt schon bald, dass die Strecken in Europa zu kurz und zu eng sind fĂŒr die angepeilten Geschwindigkeiten.
1910 wird der neu karossierte Wagen nach Amerika verschifft. Dort kauft ihn der Veranstaltungsmanager Ernie Moross, der ihm den werbewirksamen Namen „Lightning Benz“ verpasst, weil das Auto so schnell wie der Blitz (englisch: lightning) ist. Bald bricht Barney Oldfield in Daytona Beach den bestehenden Weltrekord mit seiner Rekordgeschwindigkeit von 211,9 km/h. Solche Hochgeschwindigkeitsfahrten finden damals ausnahmslos auf Sandpisten statt; die Leistungen der Fahrer – bei dĂŒrftiger Straßenlage und ohne Windschutzscheibe – verdienen grĂ¶ĂŸten Respekt.
Moross Ă€ndert den Namen des Wagens in das deutsch klingende „Blitzen-Benz“ und zieht weiter die Aufmerksamkeit des Publikums auf dieses Ausnahmeautomobil. Das Rekordfahrzeug wird zu einer Attraktion, die – Ă€hnlich einem Wanderzirkus – durch die USA tourt. Im Rahmen dieser Tournee bricht der „Blitzen-Benz“ schließlich mit Bob Burman am Steuer im April 1911 die noch frische Weltrekordmarke und setzt den auf Jahre hinaus gĂŒltigen Rekord von 228,1 km/h. Neben dem Rekordfahrzeug entstehen weitere fĂŒnf „Blitzen-Benz“.


Benz & Cie. nimmt ebenso wie die Daimler-Motoren-Gesellschaft wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs und in den zwei darauffolgenden Jahren offiziell an keinen motorsportlichen Veranstaltungen teil. Einzelne Privatfahrer schreiben die Sieggeschichte mithilfe ihrer deutschen Fahrzeuge aber fort. Zu Beginn der 1920er-Jahre entstehen bei Benz & Cie. dann wieder verschiedene neue Rennwagen auf der Basis von Serienwagen. Das Fahrgestell wird dabei nach entsprechenden Modifikationen jeweils mit einer aerodynamisch optimierten Karosserie versehen, die in ihrer Grundform mit dem spitzen Heck noch immer an den „Blitzen-Benz“ erinnert.
In Berlin wird eine neue Strecke fertiggestellt, auf der auch Rennen durchgefĂŒhrt werden können: die Avus (AbkĂŒrzung fĂŒr Automobil- Verkehrs- und Übungsstraße). Beim Eröffnungsrennen am 24. und 25. September 1921 setzt Benz vier Rennwagen ein, zwei Benz 6/18 PS und zwei Benz 10/30 PS. Im Rennen der Klasse X B (Wagen mit bis zu 10 Steuer-PS und hĂ€ngenden Ventilen) siegt Werksfahrer Franz Hörner auf einem der Benz 10/30 PS. Über eine Distanz von 157,4 Kilometern erreicht er die Durchschnittsgeschwindigkeit von 118,1 km/h.
Obwohl der Benz 6/18 PS nur wenige Rennerfolge einfÀhrt, gilt seine Konstruktion als fortschrittlich, insbesondere die des Motors. Das 1,6-Liter-Aggregat erreicht damals beachtliche 33 kW. Diese erreicht er als klassische Zweiventil-Konstruktion und nicht mit vier Ventilen je Zylinder, die dem Motor in verschiedenen Quellen zugeschrieben werden. Der Motor hat eine per Königswelle angetriebene obenliegende Nockenwelle, zwei Ventile und eine Kurbelwelle mit Gleitlagerung.
Im Oktober 1921 gewinnt Willy Walb auf Benz 6/18 PS die Gesamtwertung der Klasse I beim Baden-Badener Automobilturnier. Und Franz Hörner siegt im September 1922 beim Semmering-Rennen auf dem Benz 200 PS mit einem Durchschnitt von 79,1 km/h: Der Rekordwagen ist auch in seinem zwölften Jahr auf der Rennpiste fĂŒr Siege gut.

Technische Daten
Baujahr: 1908
Zylinder: 4
Hubraum: 12.060 cm3
Leistung: 120 PS (88 kW) bei 1.500/min
Höchstgeschwindigkeit: 163 km/h