Bremen Classic Motorshow 2017: Karmanns SchÀtze


Der elegante Damen-Volkswagen Karmann-Ghia, das „Erdbeerkörbchen“ – der offene Ur-Golf und natĂŒrlich das KĂ€fer-Cabrio. Das ist es, was einem zum Namen Karmann spontan einfĂ€llt. Kenner ergĂ€nzen, dass die Karosseriefabrik mit Sitz in OsnabrĂŒck auch den skurrilen „Volksporsche“ 914 fertigte, außerdem BMWs herrliche CS-CoupĂ©s der 70er-Jahre. Das war’s – glaubt man. Karmann Autosammlung„FĂŒr mehr Erkenntnisse sorgt die Bremen Classic Motorshow von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Februar 2017, in der Messe Bremen“, verspricht der Projektleiter Frank Ruge.

Nahezu unbekannt ist, dass das 2009 in Konkurs geratene Unternehmen Deutschlands wichtigste markenunabhĂ€ngige Ideenschmiede fĂŒr Fahrzeugaufbauten von morgen war. Karmanns KreativitĂ€t musste sich selbst vor den großen Feinblech-Couturiers Ă  la Pininfarina oder Bertone nicht verstecken. Vor allem vermied Karmann jahrzehntelang, das Familiensilber der raren und einzigartigen Schöpfungen unters Volk zu streuen. Weshalb die Sammlung des ehemaligen Familienunternehmens, das 2010 grĂ¶ĂŸtenteils von Volkswagen ĂŒbernommen wurde, noch heute erhalten ist – und mit ihren zahlreichen Unikaten zu den spektakulĂ€rsten automobilen Schatzkammern weltweit gehört.

Die Bremen Classic Motorshow, traditionell die Eröffnungsveranstaltung jeder neuen Oldtimersaison, gewĂ€hrt nicht nur einen tiefen Einblick in diese Schatzkammer. ZusĂ€tzlich zu den Exponaten der Karmann-Kollektion, die teilweise noch nie öffentlich zu bestaunen waren, prĂ€sentiert die Sonderschau weitere seltene Automobile aus der OsnabrĂŒcker Manufaktur.

Deren Geschichte reicht 115 Jahre zurĂŒck – bis ins Jahr 1901, in dem Wilhelm Karmann einen Kutschen- und Wagenbaubetrieb ĂŒbernommen hatte. Ein Jahr darauf fertigte er seine erste Motorwagen-Karosserie. Einer der ganz wenigen ĂŒberlebenden Zeitzeugen dieser Ära ist der DĂŒrkopp 8/18 PS Doppelphaeton von 1910, das Ă€lteste Automobil der Sonderausstellung.

Bereits damals gehörten viele Automarken zu Karmanns Klientel, etwa die Adler-Werke in Frankfurt am Main. Spitzenmodell war ab 1936 der stattliche Adler Diplomat, dessen wunderschöne Cabriolet-Version von Karmann karossiert wurde. Ehrensache, dass die Sonderschau mit diesem faszinierenden Luxusfahrzeug aufwartet. Ein paar Klassen bescheidener, aber umso entzĂŒckender ist der 1939er Ford Eifel Roadster mit Karmann-Aufbau, der Anfang Februar in Bremen vorfĂ€hrt.

Die Nachkriegsjahre lĂ€utet eine echter Mythos ein: der hochmodern gestaltete Hanomag Partner, mit dem der Nutzfahrzeughersteller 1951 in den Personenwagenbau zurĂŒckzukehren plante. Das Vorhaben wurde verworfen, alle 20 bei Karmann gefertigten Prototypen verschrottet … hieß es jahrzehntelang. TatsĂ€chlich entkam ein einziger Vertreter der Schrottpresse – und ist in Bremen als einzigartiges Original erlebbar.

In der folgenden Epoche prĂ€gten Sonderaufbauten fĂŒr Volkswagen das Portfolio des OsnabrĂŒcker Karossiers. Die Serienmodelle sind bestens bekannt. Nicht jedoch die entsprechenden Studien und Prototypen, die im Scheinwerferlicht der Sonderschau stehen werden. Der formale Archetyp des VW Karmann-Ghia von 1953, der im Konzeptstadium verworfene „CoupĂ©-KĂ€fer“ (1962), der „große Karmann“ Typ 34 als 1965er EinzelstĂŒck 1600 TL mit Fließheck, die exotische Sportwagen-Stilstudie Typ 1 Cabriolet von 1965. Diese und weitere kaum bekannte Denkmodelle, die Karmann einst fĂŒr seinen Großkunden kreierte, dĂŒrfen an der Weser endlich bewundert werden.

Daneben sorgen ein paar Exponate fĂŒr Überraschungsmomente ganz anderer Art; wer weiß schon, dass Karmann damals auch fĂŒr Volkswagens grĂ¶ĂŸten Konkurrenten Opel arbeitete? Zeugnisse sind die Cabrio-Prototypen der Opel-Typen Commodore (1967) und Manta (1970) – neben dem ehemals schnellsten deutschen Serienauto, dem extrem seltenen Opel Diplomat CoupĂ© von 1965, der ebenfalls das PrĂ€dikat „Made in OsnabrĂŒck“ trĂ€gt. Der „Pik As“, die 1973 gestaltete Vision eines rassigen Audi-SportcoupĂ©s, bildet schließlich das chronologische Finale des Feuerwerks.

Die Bremen Classic Motorshow findet statt von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Februar 2017, in allen Hallen der Messe Bremen sowie der mobilen Halle 8. Die Hallen sind von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 16 Euro.

Mehr Infos: www.classicmotorshow.de.

Fotos: ©MESSE BREMEN/Ingo Wagner