Classic Days: Gartenparty mit Oldtimersound


Tausende Fans strmten auch in diesem Jahr wieder zu den Classic Days am Wasserschloss Dyck im Rheinland. Die Klassikerveranstaltung vor den Toren Dsseldorfs zeichnet sich auch dadurch aus, dass Oldtimer nicht nur zur Schau gestellt werden, sondern bei diversen Showlufen auf dem knapp drei Kilometer langen Rundkurs auch in Fahrt zu erleben sind. Auch bei Schloss Dyck fanden sich wie bei den meisten Klassikerveranstaltungen neben den Automobile gestern auch Fahrzeuge von heute und Motorsportklassiker von morgen ein. Rennfahrer-Legende Hans-Joachim Stuck hatˋs gefallen und er kommentierte: Geile Veranstaltung.

Am ersten Augustwochenende freuten sich besonders die Teilnehmer des Concours dElegance auf der Orangerie-Halbinsel des Gelndes ber das gute Wetter. Was ist schon ein Concours, bei dem die schnen Klassiker abgedeckt prsentiert werden mssen?

Beim Klassiker- und Motorfestival tummelten sich neben Motorsportgren natrlich auch viele Hersteller. Mercedes-Benz feierte 125 Jahre Motorsport, unter anderem mit einer Prsentation von historischen Rennfahrzeugen wie dem DTM-Tourenwagen 190 E 2.5-16 Evolution II aus dem Jahr 1990. Auch in der DTM zu Hause ist Rennfahrer Ferdinand von Habsburg. Der aktuelle Aston-Martin-Pilot genoss die Stimmung rund um Schloss Dyck sichtlich. Audi Tradition zeigte DKW-Sonderlufe, und Ford feierte 50 Jahre Capri. Rund 20 seltene Exemplare dieses Klassikers prsentierten sich im Schlossgarten oder auf dem Rundkurs. Jaguar-Sonderlufe bereicherten das umfangreiche Programm ebenfalls: Die Briten nahmen den 60. Geburtstag des Mk II sowie 30 Jahre Land Rover Discovery zum Anlass. Dazu kamen Tourenwagen Classics und die Prsentation der Heritage-Abteilung von Fiat Chrysler (FCA): Acht Oldtimer und drei aktuelle Modelle aus Bella Italia fanden sich ein.

Die Kommunikationsplattform Autostadt von Volkswagen vereinte gleich mehrere Marken des Konzerns mit ihrem Auftritt im Paddock am Rand der Rennstrecke. Unter dem Motto Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft starteten Modelle wie der Bugatti Chiron, eine ganze Meute historischer Skoda-Rallye-Boliden, ausgewhlte Ducati-Motorrder und ein Mille-Miglia-Kfer aus dem Jahr 1956 mit 75-PS-Porsche-Motor im Heck.

Besondere Sympathie bei den Schlossgartenbesuchern fanden die Brasilianer. Anlsslich der VW-Werksgrndung in Anchieta vor 60 Jahren zeigte die Autostadt aus ihrer Zeithaus-Sammlung Modelle, die ausschlielich fr den brasilianischen Markt gebaut wurden: Darunter das Coup SP2 (1976), der mit Kunststoff-Karosserie daherkommende Gurgel X-12 (1978), ein kompakter Volkswagen Brasilia (1980) und ein Kombi in der Last Edition aus dem Jahr 2013 ein Bulli im Stil des T2 mit einer auffllig rustikalen Frontpartie. Auerdem aus der Konzernvielfalt dabei: Der Volkswagen Nardo W12 von 2001, ein Porsche 911 Carrera Gulf (1974) und eine NSU Delphin III (1956).

Gegenwrtige Rekordjger wie der Elektro-Rennwagen ID.R und ein Porsche 918 Spyder Hybrid zirkelten ebenfalls um den Schlossgarten.

Bei den Schloss Dyck Classic Days (2.4.8.2019) fhrt die Heritage-Abteilung von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) acht Oldtimer. Im Mittelpunkt stehen dabei Rennwagen und Cabrios, die in Italien gerne auf den Namen Spider hren.

Neben dem Fiat 500 gehrte der Fiat 600 zu den favorisierten Modellen der Privatrennfahrer unter den Abarth-Kunden. Im Laufe der Jahre werden die Modifikationen immer extremer. 1972 gelangte der Hubraum bei 982 Kubikzentimetern an, die Leistung bei 112 PS (Serie: 767 ccm, 23 PS). Abarth nennt die Rennversion Berlina TCR fr Touring Corsa Radiale“. Radial ist dabei die italienische Bezeichnung fr die doppelt hemisphrisch geformten Brennrume. Charakteristische Merkmale sind die groen l- und Wasserkhler an der Fahrzeugfront und die offen stehende Motorhaube sie wirkt gewissermaen als Heckspoiler und verbessert den cW-Wert. Bei unter 600 Kilogramm Einsatzgewicht war der Abarth 1000 TCR bis zu 190 km/h schnell und in seiner Hubraumklasse nahezu unschlagbar.

Parallel zum Kundengeschft betrieb Carlo Abarth auch ein eigenes Werksteam, das sich auf Sportwagen-Rennen auf der Rundstrecke und am Berg konzentrierte. Konstrukteur Mario Colucci entwarf fr den Abarth 2000 Sport Spider (1968) einen 39 Kilogramm leichten Gitterrohrrahmen und eine Karosserie aus Kunststoff. Als Antrieb dient ein 2,0-Liter-Motor. Das bei den Schloss Dyck Classic Days gezeigte Exemplar hat die Vier-Ventil-Variante mit 250 PS im Heck, der eine Hchstgeschwindigkeit von 270 km/h ermglicht. Seine grten Erfolge feiert der Abarth 2000 Sport Spider bei Bergrennen. Zu den Piloten gehrte auch Arturo Merzario.

Der ehemalige Formel-1-Pilot ist lngst Stammgast bei den Schloss Dyck Classic Days. Auch dieses Jahr lsst es sich der inzwischen 76 Jahre alte Cowboyhut-Trger nicht nehmen, das ein oder andere Rennauto persnlich um den Dreieckskurs zu chauffieren. Darunter wird auch der Alfa Romeo Tipo 33TT12 sein, mit dem Merzario und seine Teamkollegen Jacques Laffite, Derek Bell und Henri Pescarolo 1975 fr Alfa Romeo den Titel in der Marken-Weltmeisterschaft holten. Das original erhaltene Fahrzeug steht normalerweise im Werksmuseum in Arese bei Mailand. Der Tipo 33TT12 ist eine weitere Ausbaustufe des Tipo 33, den die Alfa-Romeo-Rennabteilung Autodelta fr die Langstrecken-Weltmeisterschaft entwickelt. Der Namenszusatz TT12 ist ein Verweis auf die wichtigsten technischen Komponenten ist. TT steht fr Telaio Tubolare“ (Gitterrohrrahmen). Und die Zahl 12 bezeichnet den V12 im Heck, der mit dem seltenen Bankwinkel von 180 Grad, vier Ventilen pro Zylinder, Lucas-Benzineinspritzung und aus der Formel 1 stammenden Dinoplex-Zndung offiziell 450 PS (331 kW) leistet.

Der Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport von 1930 war eine Weiterentwicklung des Tipo 6C 1500, mit dem Alfa Romeo Werksfahrer Giuseppe Campari 1928 bei der Mille Miglia siegte, und des Tipo 6C Super Sport, mit dem Campari ein Jahr spter erneut das berhmte Langstreckenrennen in Norditalien gewann. Kennzeichen des Gran Sport ist der krzere Radstand, die Karosserie kam wiederum von Zagato. Unverndert blieb der Sechszylindermotor mit 1752 Kubikzentimetern Hubraum. Mit 102 PS waren Grand-Prix-Star Tazio Nuvolari und Beifahrer Giovanni Battista Giudotti bei der Mille Miglia 1930 nicht zu schlagen. Zum ersten Mal lag die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke von Brescia nach Rom und zurck jenseits von 100 km/h. Das whrend der Schloss Dyck Classic Days gezeigte Fahrzeug hat zu seiner Zeit an der Mille Miglia und der Targa Florio teilgenommen, es wird heute vom italienischen Historic-Racing-Team Mantova Corse eingesetzt.

Vittorio Jano, Konstrukteur des legendren Sechszylinders von Alfa Romeo Tipo 6C 1500 und 6C 1750, entwickelte mit hnlichen Eckdaten auch einen Achtzylinder. Er erhielt die vom Hubraum abgeleitete Bezeichnung 8C 2300. Alfa Romeo baute zwei unterschiedliche Chassis, eine krzere Variante fr Karosserien mit zwei Sitzpltzen und eine Langversion fr Viersitzer. Wie zu der Zeit blich, liefert Alfa Romeo nur Chassis und Antrieb, die Karosserie geben Kufer anschlieend bei einer Carozzeria in Auftrag. Der auf Schloss Dyck zu sehende Alfa Romeo 8C 2300 (1934) wurde von Touring komplettiert.

Der Alfa Romeo 6 war 1979 das Topmodell der Marke und wird bei den Classic Days als Safety-Car prsentiert. Bis 1988 war es im belgischen Spa-Francorchamps im Einsatz, auch whrend der Weltmeisterschaftslufe der Formel 1 und der Gruppe C. Von den damaligen Aufgaben zeugen neben der auffallenden Lackierung auch Rundumleuchten und Suchscheinwerfer auf dem Dach sowie eine krftige Sirene, die vom Beifahrer aktiviert werden konnte. Original erhalten sind auerdem eine Alu-Kiste im Kofferraum seinerzeit gefllt mit medizinischer Ausrstung fr Notflle und der Helm des Fahrers.

Die Karosserie des 1966 prsentierten Fiat 124 Sport Spider ist das Meisterwerk von Pininfarina-Designer Tom Tjaarda. Er verpasste dem 2+2-Sitzer eine markante Front mit flach auslaufender Motorhaube, die von ausgeprgten Kotflgeln mit runden Scheinwerfern eingerahmt wird. Auch der elegante Hftschwung der hinteren Kotflgel und der Knick zur Kofferraumkante der sogenannte Schwalbenschwanz sind unverwechselbar. Das Chassis inklusive Radaufhngungen und hinterer Starrachse stammte von der Limousine ab. Beim Motor entschieden sich die Ingenieure dagegen fr einen aufwndigeren Weg. Ex-Ferrari-Techniker Aurelio Lampredi konstruierte eigens einen Vierzylinder, der 90 PS (66 kW) aus knapp 1,5 Litern Hubraum holt. Mit bis zu 170 km/h gehrte der Spider zu seiner Zeit zu den sportlichsten Fahrzeugen in sei-nem Segment. Der bei den Schloss Dyck Classic Days gezeigte Fiat 124 Sport Spider stammt aus der Sammlung von FCA Germany.

Der als Spider und als Coup gebaute Fiat Dino ist 1966 ein symbolisches Geschenk der Entwicklungsabteilung zum 100. Geburtstag von Giovanni Agnelli, dem 1945 verstorbenen Grnder des Unternehmens. Das Design des Spider stammt von Pininfarina, Bertone zeichnet das Coup. Der 2,0-Liter-Sechszylinder der ersten Baureihe (1966 bis 1968) war die Basis fr einen Rennmotor von Ferrari. Daher stammt auch der Modellname Dino, die Kurzform von Alfredino, Sohn von Enzo Ferrari. In der zweiten Bauserie (19691972), aus der auch der bei den Schloss Dyck Classic Days gezeigte Spider von Leo Aumller stammt, wird das technisch sehr aufwndige Aggregat durch eine etwas zivilere Variante mit 2,4 Liter Hubraum ersetzt. Sie ist mit 180 PS (132 kW) 20 PS strker als das Serie-1-Triebwerk. Auch das Fahrwerk erhlt mit unabhngigen Radaufhngungen an der Hinterachse zuvor Starrachse mit Blattfedern ein Update.

Besitzer klassischer Fahrzeuge der Marken Abarth, Alfa Romeo, Fiat und Lancia knnen sich bei den Schloss Classic Days ber das Angebot von FCA Heritage informieren, das unter anderem fachgerechte Restaurierungen und das Ausstellen von Echtheitszertifikaten umfasst. Abgerundet wird der Auftritt durch die Prsentation von drei aktuellen Modellen: Abarth 595 Esseesse, Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio und Fiat 124 Spider.

Text: B.L. Blank