Concorso di Motociclette


Der Concorso di Motociclette gehört seit 2011 zum festen Programm des weltweit exklusivsten und traditionsreichsten Schönheitwettbewerbs fĂŒr historische Fahrzeuge. Bei der achten Auflage wurden 30 Fahrzeuge in fĂŒnf Wertungsklassen prĂ€sentiert. Einmal mehr gerieten bei der RĂŒckschau in die Historie der motorisierten ZweirĂ€der neben populĂ€ren Klassikern auch zahlreiche exotische, oftmals nur Kennern gelĂ€ufige RaritĂ€ten ins Blickfeld des Publikums. Zu den besonders stimmungsvollen Programmpunkten zĂ€hlte auch in diesem Jahr der Street Run, bei dem die historischen MotorrĂ€der am Samstag den Weg vom Park der Villa Erba ĂŒber die Straßen von Cernobbio zum Grand Hotel Villa DÂŽEste antraten, um sich dort dem Publikum auf der Terrasse zu prĂ€sentieren.

Auch bei dem Concorso di Motociclette galt in diesem Jahr das Motto „Hollywood on the Lake“. Die aufgestellten MotorrĂ€der wurden in fĂŒnf Klassen aufgeteilt, die unter dem Titel „Golden years for american Motorcycles“, „Luxury on three wheels in 1920s and 1930s“, New ideas fort he 1950s“, Winning italien singles“ und „New clothes on british and german motorcycles“ standen. Insgesamt wurden beim Concorso di Motociclette 2018 25 historische MotorrĂ€der und fĂŒnf klassische Gespanne in fĂŒnf Wertungsklassen prĂ€sentiert.

Den begehrten Preis „Best of Show“ erhielt die Moto Major aus dem Jahr 1948. Die Moto Major verdankt ihr spektakulĂ€res Erscheinungsbild einem Experten fĂŒr Flugzeugfahrwerke. Der italienische Konstrukteur Salvatore Maiorca hatte ein durch integrierte Gummielemente in sich gefedertes Rad entwickelt und erhielt die Gelegenheit, diese Erfindung in einem Motorrad zu verwirklichen. Die aerodynamisch optimierte Karosserie und der Antrieb der Moto Major entstanden in der Flugzeugabteilung von Fiat. Auf der MailĂ€nder FrĂŒhjahrsmesse des Jahres 1948 wurde der Prototyp erstmals vorgestellt – und zwar von dem Reifenhersteller Pirelli. Dort sorgte die Moto Major fĂŒr reges Interesse, zu einer Serienfertigung kam es dennoch nicht. „Die Moto Mayor ist ein erstaunliches Motorrad. Alle Mitglieder der Jury waren sich einig, den Titel Best of Show an dieses Fahrzeug zu vergeben“, erklĂ€rte Jury-Mitglied Paul d’Orleans. „1948 hatte der Konstrukteur die Idee einer Federung innerhalb der RĂ€der – eine furchtbare Idee, er war schließlich kein Motorrad-Konstrukteur. Aber das Design der Moto Major ist großartig.”

Als Publikumsliebling entpuppte sich beim diesjÀhrigen Concorso di Motociclette im norditalienischen Cernobbio ein Gespann. Die Besucher wÀhlten die im Jahr 1939 gebaute Brough Superior SS80 mit Seitenwagen zu ihrem Favoriten.

Kessler konnte dafĂŒr die Trofeo Villa Erba entgegennehmen. „Ich arbeite seit 1987 an der Restaurierung dieses Motorrads und ich bin erst in der vergangenen Woche fertig geworden“, berichtete Kessler, der bereits zum zweiten Mal am Concorso di Motociclette teilnahm. „Leider kann ich nicht noch einmal antreten, weil ich kein weiteres Motorrad besitze, das den hohen AnsprĂŒchen dieses Wettbewerbs entspricht.“

Ein weiteres außergewöhnliches Exemplare war die Thor Model U von 1913. Die Aurora Machinery Company ĂŒbernahm zwischen 1902 und 1907 die Motorenfertigung fĂŒr Indian. William Ottoway schuf 1912 einen leistungsstarken V-Zweizylinder die in die eigene Motorradproduktion der Thor Model U integriert wurden. Ottoway wechselte allerdings ein paar Jahre spĂ€ter zu Harley Davidson und die Fabrikation der Thor MotorrĂ€der wurde eingestellt.

Hinter Indian und Harley Davidson war die Marke Excelsior die Nummer drei in den USA. Die Excelsior Model 16-s.C wurde auch im Motorsport eingesetzt.

William Henderson war der erste Konstrukteur, der in den USA ein Zweirad mit einem Vierzylinder Reihenmotor ausstattete, wie zum Beispiel bei der gezeigten Henderson Model C2 von 1914. Henderson MotorrĂ€der wurden noch bis 1931 ausschließlich mit Vierzylindermotoren ausgestattet.

Ein Motorrad mit Beiwagen zĂ€hlte in den 20er Jahren zum absoluten Prestigeobjekt, denn nun konnte man einen Beifahrer mitnehmen. NatĂŒrlich versuchte man, diese Beiwagen auch entsprechend luxuriös zu gestalten und so entstanden echte Sonderkarosserien. Gleich zwei Passagiere kann der Seitenwagen des Henderson Model K aufnehmen. Das 1921 gebaute Motorrad hat noch immer einen Vierzylindermotor. Die Brough Superior SS80 galt seinerzeit als Statusobjekt und so musste der Seitenwagen auch entsprechend luxuriös ausgestattet sein. Das Bodenchassis fĂŒr den Beiwagen bezog Brough in Wien bei Adolf Felber. Die bootĂ€hnliche Form des Beiwagens wirkt regelrecht sportlich.

Sportlich wirkt auch die Miller Balsamo von 1939 des italienischen Herstellers Balsamo. Die drei BrĂŒder Balsamo begannen 1924 mit dem Bau von Sportmaschinen mit britischer Miller Technik. Die 1939 mit einem Blechschalenrahmen und großflĂ€chiger Verkleidung ausgestattete Maschine war mit einem Einzylinder Zweitaktmotor ausgestattet. Das Motorrad fand jedoch kaum einen KĂ€ufer.

ZusĂ€tzlich wurde beim diesjĂ€hrigen Concorso di Motociclette ein „Special Prize by the Jury“ vergeben. Das Fachgremium wĂŒrdigte damit das Ă€lteste im Wettbewerb vertretene Motorrad, eine Indian Twin-Cylinder aus dem Jahr 1907. Mit diesem Modell startete der US-amerikanische Hersteller einst die Großserienproduktion von MotorrĂ€dern mit V-Zweizylindermotor.

Auch beim Motorrad Concours standen in diesem Jahr die sportlichen Rennmaschinen im Vordergrund. Nach der EinfĂŒhrung einer Weltmeisterschaftsserie im Motoorad-Straßenrennsport1949 entsprang der Wettstreit zwischen englischen und italienischen Herstellern. Die grĂ¶ĂŸten Erfolge und zugleich die grĂ¶ĂŸte Markenvielfalt italienischer Werksrennmaschinen prĂ€gte die 250 Kubik Klasse. Gemeinsam hatten sie das Motorenkonzept des Viertalt-Einzylinders mit obenliegender Nockenwelle. Viel Entwicklungsarbeit wurde in die Verbesserung der Aerodynamik mit unterschiedlichsten Verkleidungsformen investiert. Dadurch bot besonders diese Klasse beim Concorso di Motociclette eine Vielfalt an eleganten Formen. Darunter die Benelli Bialbero von 1952, eine mit Aluminium Verkleidung ausgestattete Moto Guzzi Bialbero von 1953, die Moto Guzzi Monobialbero mit aerodynamischer Vollverkleidung der Front, die erfolgreiche vollverkleidete Mondial Bialbero und die Weltmeistermaschine MV Augusta Bialbero.

Nach dem gelungenen Auftakt im Vorjahr wurde auch beim Concorso di Motociclette 2018 mit einer Sonderausstellung fĂŒr Concept Bikes und Prototypen ein Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft des Motorrads gespannt. Der Event am Comer See bietet damit eine der seltenen Gelegenheiten, die faszinierenden Studien einer breiteren Öffentlichkeit zu prĂ€sentieren. Der Klassensieg in dieser Kategorie ging an die Moto Guzzi Sogno aus dem Jahr 2002.