Der Kadett wird 80


Der erste Opel Kadett war technisch wie preislich eine kleine Sensation. Der erste Kadett mit der revolutionĂ€ren selbsttragenden Karosserie, lieferbar als Limousine oder Cabrio-Limousine, wurde fĂŒr nur 2.100 Mark angeboten. Über 100.000 Exemplare des Viersitzers entstanden von 1936 bis 1940 in RĂŒsselsheim.

Opel led the way in the 1930s, especially with the innovative and revolutionary all-steel unitary body construction.

Opel led the way in the 1930s, especially with the innovative and revolutionary all-steel unitary body construction.

Mit seinem guten Preis-/LeistungsverhĂ€ltnis und innovativen Details legte der erste Kadett den Grundstein fĂŒr die Opel-Erfolge in der Kompaktklasse. Bis heute sind elf Generationen Kadett und Astra in ihrem Segment mit ĂŒber 24 Mio. Verkauften Exemplaren. Aneinandergereiht wĂŒrden alle bis heute gebauten Opel-Kompaktmodelle die magische 100.000-Kilometer-Marke knacken und eine Fahrzeugkolonne bilden, die zweieinhalbmal um den Äquator reichen könnte.

1936-1940: Opel Kadett 1 – „Der Volkswagen“

Der nahezu 100 km/h schnelle Opel Kadett 1 eroberte nach seiner Premiere die Herzen des Publikums und auch die Presse schwĂ€rmte: „Der Kadett ist, wie die ersten Probefahrten uns bestĂ€tigen, ein fĂŒr diese Preislage keineswegs alltĂ€gliches Fahrzeug“ so die Braunschweiger Tageszeitung im Dezember 1936. Das Fahrwerk mit Synchronfederung und blattgefederter Hinterachse stammte vom Olympia, der seitengesteuerte Vierzylinder-Graugussmotor mit 23 PferdestĂ€rken aus 1.073 cm3 Hubraum vom Opel P 4. Die Vorteile der Technik aus dem Baukastensystem waren denn auch an der gĂŒnstigen Preisgestaltung maßgeblich beteiligt. Wie der große Bruder Olympia, dem er auch optisch Ă€hnelt, ist der Kadett ein modernes Auto; Kennzeichen sind harmonische Proportionen mit SchrĂ€gheck und integrierten Scheinwerfern. 1938 erhielt der Kadett im Zuge einer großen Modellpflege unter anderem einen SpitzkĂŒhler im Stil des spĂ€ten Art dĂ©co – Fachleute zĂ€hlen diese Version heute als Zwischengeneration.

Vom Kadett zum Admiral

„Genauso flink, wendig und gehorsam auf alle Befehle des Fahrers […], wie man es von einem karrieremachenden Kadetten erwartet“, schrieb die „Kölnische Zeitung“ 1936 ĂŒber die neue Baureihe von Opel. So neu wie das Segment war auch die Bezeichnung „Kadett“. Mit den Modellen Admiral und KapitĂ€n prĂ€sentierte das Unternehmen 1937 und 1938 zwei weitere Baureihen, deren Namen ebenfalls aus dem Marine-Bereich stammen.

Selbsttragende Karosserie und modernste Produktion

Nach dem Olympia, dem ersten deutschen Serienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, bekam auch der erste Kadett ein solches Blechgerippe. Die Pressemeldung von damals zog Parallelen zu Architektur und Flugzeugbau: „Die von frĂŒher gewohnte Unterteilung zwischen Fahrgestell und Karosserie wird hinfĂ€llig. Das Gerippe der Karosserie ist wie ein BrĂŒckentrĂ€ger aufgebaut, eine AusfĂŒhrungsform, die bei geringstem Gewicht die mĂŒhelose Aufnahme großer KrĂ€fte möglich macht. Dieses Gerippe besteht aus ProfiltrĂ€gern, die wie im Metallflugzeugbau miteinander verbunden sind.“ Die Vorteile dieses Bauprinzips gegenĂŒber der klassischen Konstruktion aus Fahrgestell und Holzaufbau sind vielfĂ€ltig: Vom geringeren Gewicht profitieren Fahrleistungen und Verbrauch, und das Sicherheitsniveau ist höher dank steifer Fahrgastzelle und niedrigerem Schwerpunkt. Die selbsttragende Bauweise ermöglicht eine neue, 1934 von Opel patentierte und bis heute ĂŒbliche Fertigungsmethode: Karosserie und Aggregate (Motor, Getriebe, Achsen) feiern am Band mit Hilfe hydraulischer Hebetische die so genannte „Hochzeit“. Produziert wurde der Opel Kadett in RĂŒsselsheim. 1936 betrieb die Marke mit dem Blitz hier das grĂ¶ĂŸte Karosserie-Presswerk Europas.

Frische Form und innovative Technik

In die Karosserie integrierte Scheinwerfer statt bis dato ĂŒblicher Topflampen verliehen dem Kadett ein frisches Erscheinungsbild. Viel Auto fĂŒrs Geld: Schon 1936 bot der erste Kadett und demokratisierte so den Luxus. Denn Details wie hydraulische Vierradbremse, Fahrtrichtungsanzeiger, zugfreie EntlĂŒftung mittels dreieckiger Ausstellfenster und staubdichter, von innen zugĂ€nglicher ReisegepĂ€ckraum waren in der Klasse damals unĂŒblich – der Kadett besaß sie allesamt ab Werk.

Als erstes Opel-Modell besass der Kadett einen im eigenen Haus entwickelten Fallstromvergaser mit so genanntem Venturi-Rohr. In dieser nach dem italienischen Physiker Giovanni Battista Venturi (1746–1822) benannten DĂŒse wird vor der Drosselklappe der Kraftstoff in den angesaugten Luftstrom gemischt. Das Venturi-Rohr ist ein glattwandiges RohrstĂŒck mit einer Verengung. Wenn Luft durch das Rohr strömt und den engeren Bereich passiert, muss sie an dieser Stelle schneller strömen als in den anderen Zonen. Dadurch entsteht an der Engstelle ein Unterdruck (wie an der Oberseite einer Flugzeug-TragflĂ€che). An der Verengung befindet sich ein mit Benzin gefĂŒlltes Röhrchen. Der Kraftstoff wird vom Unterdruck im Venturi-Rohr angesaugt und mitgerissen

1962-1965: Opel Kadett A – FĂŒrs Wirtschaftswunder

Großer Kofferraum und viel Platz fĂŒr vier Personen; ein neuer, drehfreudiger Motor und geringe Unterhaltskosten waren das Erfolgsrezept des Kadett A von 1962 bis 1965. Fast 650.000 Exemplare wurden gebaut. Die LinienfĂŒhrung des zweitĂŒrigen Stufenheck-Modells war sachlich-modern: Die GĂŒrtellinie liegt tief, die großen GlasflĂ€chen sorgen fĂŒr gute Übersichtlichkeit. Eine ĂŒber die gesamte Seitenlinie laufende Zierleiste betont die gestreckte Form. Die vorderen KotflĂŒgel laufen in die Scheinwerfer aus, und die hinteren Enden sind als „Peilecken“ ausgebildet. Die PlatzverhĂ€ltnisse im Innenraum verblĂŒffen bisherige Kleinwagen-Fahrer. Der Kofferraum ist ein richtiges GepĂ€ckabteil und – der Tankverschluss liegt außen! „Opel Kadett kurz gesagt: O.K.“, loben die Werbetexter, die sich auch einen Seitenhieb auf den Hauptkonkurrenten aus Wolfsburg nicht verkneifen können. „Nie haben Sie Benzingeruch im Kofferraum“, heißt es mit einem Augenzwinkern. Mit seinem modernen, wassergekĂŒhlten Frontmotor bietet der Kadett einen weiteren konstruktiven Vorteil gegenĂŒber dem KĂ€fer: 40 PS leistet der 993 cm3 große Vierzylinder und treibt ab MĂ€rz 1963 auch den neuen Kadett Caravan an.

1965-1973: Opel Kadett B – Das Auto

Wer A sagt, muss auch B sagen – 1965 löst die neue Baureihe den ersten Kadett ab. Der Neue misst ĂŒber vier Meter und ist damit eine ganze Nummer grĂ¶ĂŸer geraten. Bei dessen modischer LinienfĂŒhrung ließen sich die Designer von ihren Kollegen aus Übersee inspirieren: Das flach abfallende Heck erinnert an die Fastback-Modelle aus den USA und signalisiert „Kraft und Geschwindigkeit schon, ehe man den Motor vernommen hat“, so dieAutomobil Illustrierte 1966. Analog zur LĂ€nge wachsen die PS-Zahlen. Die Opel-Ingenieure vergrĂ¶ĂŸerten die Bohrung des Vierzylinders um drei Millimeter: Das nun 1.078 cm3 große Basisaggregat leistet 45 PS. Alternativ ist der höherverdichtete 1.1 S-Motor mit 55 PS erhĂ€ltlich. Schnell wird der Kadett zum Erfolg: Mit mehr als 2,6 Millionen produzierten Modellen von September 1965 bis Juli 1973 wird der Kadett B zum StĂŒckzahl-MillionĂ€r. Der Erfolg ist dabei nicht auf das Geburtsland beschrĂ€nkt: 1966 erreicht der Exportanteil 50 Prozent. Der Kadett wird in 120 LĂ€ndern rund um den Globus verkauft.

1973-1979: Opel Kadett C – Der Sportler

Adrettes Familienauto, schicker Zweitwagen mit praktischer Heckklappe oder antrittsstarker Breitensportler in Kriegsbemalung: Die Familie des Kadett C hat viele Gesichter. Insgesamt 1,7 Millionen Modelle werden von 1973 bis 1979 produziert. Mit einer klar gezeichneten Karosserie und einer neuen Doppelquerlenker-Vorderachse debĂŒtiert im August 1973 der heckgetriebene Kadett C. Charakteristische Designmerkmale sind der flache KĂŒhlergrill, die Motorhaube mit der markentypischen BĂŒgelfalte sowie die zum Spoiler ausgebildete FrontschĂŒrze. Ein Auto, „das sich nicht nur erfreulich gut fĂ€hrt, sondern auch gewissenhaft konstruiert und sauber verarbeitet ist, das außerdem wartungs- und reparaturfreundlich und wirtschaftlich im Unterhalt ist“, loben die Tester von auto motor und sport in Ausgabe 20/73. Auf der IAA 1975 debĂŒtiert der GT/E. Sein 1,9-Liter-Motor mit L-Jetronic-Einspritzung von Bosch leistet 105 PS und ist bei nur rund 900 Kilogramm Leergewicht fĂŒr 184 km/h gut.

1979-1984: Opel Kadett D – Der Fronttriebler

Die vierte Generation des Nachkriegs-Kadett lĂ€utet eine neue Kompaktklasse-Ära bei Opel ein: Auf der IAA 1979 debĂŒtiert mit dem modern gezeichneten Kadett D das erste Frontantriebsmodell von Opel. Und das Packaging ĂŒberzeugt: Obwohl der Neue mit einer LĂ€nge von 3.998 Millimeter immerhin 12,6 Zentimeter kĂŒrzer als sein VorgĂ€nger ist, bietet der Kadett D einen lĂ€ngeren Innenraum als dieser und deutlich mehr Platz als so mancher Konkurrent. Doch nicht nur Antriebslayout und Fahrwerk (mit einer Verbundlenkerachse hinten) brechen mit Traditionen; der Kadett erhĂ€lt einen neuen 1,3-Liter-ohc-Motor mit 60 und 75 PS. Dass eine neue Ära in der Kompaktklasse begonnen hat, verdeutlicht auch das Karosserieangebot: Neben dem gerĂ€umigen Caravan mit bis zu 1.425 Litern Ladevolumen bietet Opel ausschließlich Fließheckversionen an. Im Januar 1983 folgt der sportliche Kadett GTE zum lustigen GTI-Jagen. Der bis zu 187 km/h schnelle GTE ist mit einem 115 PS starken 1,8-Liter-Vierzylinder ausgerĂŒstet. Weitere technische Modifikationen sind ein strafferes und tiefer gelegtes Fahrwerk, neue LenkungsdĂ€mpfer und innen belĂŒftete Scheibenbremsen vorn. Von 1979 bis 1984 werden insgesamt 2,1 Millionen Kadett D produziert.

1984-1991: Opel Kadett E – Der Aerodynamik-Weltmeister

Der zweite Frontantriebs-Kadett, gebaut von 1984 bis 1991, wird zum „Auto des Jahres 1984“ gewĂ€hlt und ist ein absoluter Erfolgstyp. Mit insgesamt 3.779.289 Exemplaren ist er der bis dahin meistverkaufte Opel und ein echter Aerodynamik-Weltmeister. Den Opel-Ingenieuren gelingt 1984 ein ganz großer Wurf. Auf der technischen Basis des VorgĂ€ngers, aber mit ganz neuer Fließheck-Karosserie, macht der Kadett E eine Riesenkarriere. Der Kadett D war mit einem cW-Wert von 0,39 bereits der beste Kompakte – sein Nachfolger aber lĂ€sst diesen Wert verblassen: Nach 1.200 Stunden Feinschliff im Windkanal erreicht das E-Modell sensationelle cW 0,32. Und der sportliche GSi ist mit cW 0,30 und einem Luftwiderstand von 0,57 Quadratmetern die windschlĂŒpfigste Limousine der Welt. Schon nach kurzer Zeit nehmen die Kunden die neue Form begeistert an und es beginnt ein Höhenflug, der dem Kadett E im Jahr 1987 europaweit 625.000 Neuzulassungen beschert. Der Caravan ist da schon lĂ€ngst Lademeister aller Klassen, und seit Herbst 1985 gibt es zum ersten Mal seit dem Kadett C auch wieder eine Variante mit Stufenheck. Der GSi wird endgĂŒltig zur Ikone, als er ab 1987 mit dem richtungsweisenden 150 PS starken 16-Ventil-Motor die Wettbewerber einfach stehen lĂ€sst.

1991-1997: Opel Astra F – Der Bestseller

Rund 4,1 Millionen Astra F wurden von 1991 bis 1997 gebaut. Damit ist die Baureihe das bis heute meistproduzierte Opel-Modell aller Zeiten.