Der kleine NSU Prinz


Fahre Prinz und Du bist König“, ein Slogan mit dem NSU in den 50er Jahren den Nerv der Zeit traf. Die Nachwehen des Krieges ebbten ab, die Wirtschaft begann sich zu erholen und man gönnte sich ganz gelegentlich ein kleines bisschen Luxus und sehnte sich nach Entspannung und neuen Entdeckungen. Langsam verschwanden die großen Massen an MotorrĂ€dern, die gleich nach dem Krieg populĂ€r waren aus dem Straßenbild. Wer etwas auf sich hielt, kaufte sich ein Auto und prĂ€sentierte so seinen persönlichen Erfolg.

Mitte der 1950er Jahre war NSU die grĂ¶ĂŸte Zweiradfabrik der Welt. 1958, nach fast 30 Jahren Unterbrechung, brachte das Unternehmen mit dem Prinz wieder ein Automobil heraus. Zwar war der Prinz kein Luxusmodell, das durch seine Schönheit bestach, aber es traf den Nerv der Zeit und auf dem Markt der Kleinwagen kurvte der Prinz keck und sportlich durch die Lande. Bereits fĂŒr 3800 DM erhielt man den Prinz 1 (StandardausfĂŒhrung), fĂŒr 200 DM Aufpreis gab es den Prinz 2 (Luxus-AusfĂŒhrung). Beide Fahrzeuge hatten einen 20 PS starken Viertakt-Zweizylindermotor mit 583 ccm und brachten es immerhin auf eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h.

Ab Ende 1959 baute NSU auch den hier gezeigten Prinz 2, offiziell Prinz 30 genannt, mit erhöhter Leistung. Der Motor hatte 583 ccm, schluckte Super-Benzin und schaffte mit seinen 30 PS bei 5500 U/min eine Höchstgeschwindigkeit von 118 km/h. Der Motor befindet sich im Heck. Im Katalog wird gepriesen, dass dadurch im Falle einer Panne alle Bauteile leicht zugĂ€ngig sind. Der Antrieb erfolgt ĂŒber ein 4-Gang Getriebe, das beim Prinz 2 bereits voll synchronisiert ist.

Die Verkaufszahlen bewiesen, dass NSU mit dieser kleinen Limousine den richtigen Weg eingeschlagen hatte: Bereits von den ersten Serien wurden rund 90.000 Fahrzeuge verkauft. Die Konkurrenz war groß, denn es gab ebenbĂŒrtige Alternativen wie den Fiat 600 oder den Lloyd 600. Viele Kunden allerdings folgten dem Werbeslogan: „Wohl dem, der einen Prinz besitzt
“

Mit seiner selbsttragenden Ganzstahlkarosserie bot der Prinz viel Sicherheit und durch sein geringes Gewicht war er auch bemerkenswert sparsam. Der Aufpreis fĂŒr den Prinz 2 war fĂŒr die Sonderausstattung wie Kurbelfenster, verchromte Radkappen und eine sportliche Zweifarblackierung.

Auto-Journalisten bestĂ€tigten dem Prinz ein außerordentlich gutes Fahrverhalten. FĂŒr die Straßenlage sorgen EinzelradaufhĂ€ngung vorne und hinten. An der Vorderachse hĂ€ngen die RĂ€der einzeln an Trapez-Dreieck-Lenkern und Schraubenfedern und hinten an einer Pendelachse mit weitwinkeligen Dreieck-Quer-Lenkern mit Schraubenfedern. Der Radstand von 2m und die Spurbreite von 1,20m lassen den Prinz breitbeinig erscheinen. Zusammen mit den 12 Zoll großen Reifen garantiert dieses Fahrwerk eine sichere Straßenlage. FĂŒr den Stillstand sorgen große Trommelbremsen an allen 4 RĂ€dern.

Der Innenraum ist sparsam ausgestattet. FĂŒr den sportlichen Eindruck sorgen fĂŒr Fahrer und Beifahrer zwei harte Sitze, hinten bietet die schmale RĂŒckbank wenig Beinfreiheit und ist eher geeignet fĂŒr den Transport von Kindern oder Einkaufstaschen.

Parallel entwickelte NSU den von der Motorleistung ebenbĂŒrtigen Sport-Prinz, der jedoch ĂŒberraschenderweise trotz seiner schicken italienischen Sport-Karosserie keinen guten Absatz fand.

1961 löste der neue „Kompaktwagen“ Prinz 4 die kleinen Prinz Modelle ab.