Ein einzigartiger Bentley


Eine wirklich abenteuerliche Lebensgeschichte begleitete diesen Bentley 4 ÂŒ Liter, Baujahr 1938. Er wird bei der kommenden RETRO Classics in Halle 10 zu sehen sein – als Teil der Sammlung von Erdmann & Rossi Spezialist Saulius Karosas, der den Oldtimer im Jahr 2014 kaufte.

Mit dem Bau einer edlen Karosserie beauftragte Baron Harold von Oppenheim im April 1938 Erdmann & Rossi. Es sollte ein viersitziges Sport-Cabriolet mit einer Reihe von Extras werden. Auf dem Kommissionierticket Nr. 3118, das original erhalten ist, sind die SonderwĂŒnsche verzeichnet. Die erste Reise fĂŒhrte den Adelsspross mit seinem Neukauf ans Mittelmeer. Als man ĂŒber die Alpen schließlich an der französischen KĂŒste an kam, war klar, dass sich die Hinterradbremsen bei lĂ€ngeren Abfahrten stark aufgeheizt hatten. Erdmann & Rossi musste nacharbeiten und entfernte die komplette Verkleidung des hinteren KotflĂŒgels. Das behob das Problem, aber das Automobil verlor ein wenig seiner makellosen, eleganten Linien. Oppenheim liebte schnelle, elegante Luxusfahrzeuge, die er in der Oppenheim-Farbgebung in Dunkelblau und Rot – fertigstellen ließ.

Harold von Oppenheim, geboren 1892 in Köln, war der Sohn von Simon Alfred von Oppenheim (Mitinhaber Bankhaus Sal. Oppenheim). ZunĂ€chst studierte Harold – dem Wunsch des Vaters entsprechend – Bankier, danach absolvierte er ein Jurastudium in Heidelberg. Seine Leidenschaft aber war der Gesang. Bei Max Reinhardt nahm er schließlich Unterricht und trat spĂ€ter als Tenor in StĂ€dten wie Berlin (Staatsoper Unter den Linden) oder unternahm Tourneereisen durch Italien und Frankreich.

Der Baron lebte hauptsĂ€chlich in Berlin und so wurde der Bentley am Savignyplatz 6 registriert. Harold von Oppenheim blieb jedoch oft im Berliner Luxushotel Adlon. Im August 1939 war Oppenheim mit dem Bentley auf dem Weg nach Monte Carlo. Der 2. Weltkrieg stand unmittelbar vor dem Ausbruch. Oppenheim war bisher von den antisemitischen Dekreten verschont geblieben. Er nutzte die gĂŒnstige Gelegenheit und kehrte Deutschland den RĂŒcken. In Le Havre, schaffte er es, sich selbst und sein Auto an Bord des letzten Schiffes zu bringen, das vor dem Krieg nach New York fahren sollte.

In den USA nahm Harold von Oppenheim den Namen Harry Hartwell an, bezog in New York in eine Wohnung ĂŒber dem Ritz-Hotel und eröffnete einen Nachtclub, Chez Harry, den er bis 1941 leitete. Im Jahr 1951 kehrte er nach Deutschland zurĂŒck. Harold von Oppenheim STARB am 29. November 1961 im Alter von 69 Jahren in Berlin.

Wie lange der Baron seinen Bentley in New York noch nutzen konnte? Als zweiter Besitzer wird in den Papieren G. F. Cronkhite, stellvertretender Vorsitzender des Southern California Rolls-Royce Owners ‚Club genannt. Er hatte den Wagen 1962 ungesehen von einem SchrotthĂ€ndler gekauft. Cronkhite berichtete, dass der Bentley sogar einmal in Hollywood gewesen sei und in einem Tony Curtis Film verwendet wurde. Cronkhite verkaufte das Auto wahrscheinlich 1967 an den Besitzer der BĂ€ckerei Heinemann in Chicago, Herbert Dorner.

Der nĂ€chste Besitzer war Rupert Stuhlemmer (Autor des Buches: The Coachwork of Erdmann & Rossi), ein bedeutender Historiker der Marke Erdmann & Rossi, bevor dieses wundervolle Auto am 15. April 2014 von Saulius Karosas gekauft wurde. Nach einer dreijĂ€hrigen Restaurierung glĂ€nzt der historische Wagen nun endlich wieder in seinen ursprĂŒnglichen Farben mit der blauen Karosserie und dem roten „Benedikt“ – Interieur sowie den HeckflĂŒgel mit ihren Bentley – Logos.