Emilia-Romagna: Ein Festival fr die Motor-Kultur


Die Emilia-Romagna gilt als Geburtssttte der italienischen Automobilkultur. Liebhaber von schnellen Flitzern knnen in und um Modena legendre Werkshallen und kaum bekannte Privatsammlungen besuchen. Erstmals findet in Modena im Mai das Motor Valley Fest statt. Von Donnerstag den 16. bis Sonntag den 19. Mai stellt sich das Motor Valley erstmals im Rahmen dieses Festivals dar. Das Event mchte die Region und dessen Reichtum prsentieren von Massimo Botturas Sterne-Kche bis zu Luciano Pavarottis Stimmgewalt. Ort der Handlung ist Modena, eine Stadt die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehrt und als kulinarische Hochburg der Emilia-Romagna gilt. Im Mittelpunkt steht die Motor-Experience, die unter anderem die Mglichkeit bietet, sich hinter das Lenkrad seltener Sonderanfertigungen und Traum-Boliden zu setzen oder die unvergesslichen Wagen der 1000 Miglia zu bewundern.

Die Biofarm Hombre steht zwischen Maisfeldern am Stadtrand von Modena: Ein Familienbetrieb, 1981 gegrndet, bekannt fr erstklassigen Parmesan, der im Hofladen verkauft wird. Doch die wenigsten Besucher interessieren sich fr Kse. Als Attraktion gelten die 20 historischen Maseratis, die in einer Scheune auf dem Gelnde stehen. Es ist die Privatsammlung der Familie Panini, die mit Abziehbildchen ein Vermgen verdient und den ersten kologischen Landwirtschaftsbetrieb Italiens gegrndet hat. Im Herzen ist Inhaber Matteo Panini aber ein Autonarr wie schon sein Vater und wie fast jeder in dieser Region. Kein Wunder: Nirgendwo ist die Dichte exklusiver Motorwerke so hoch wie in der Emilia-Romagna. In der Bltezeit zwischen den Kriegen wurden dort in ber 80 Fabriken Traktoren, Rennwagen und Motorrder gebaut, noch heute haben Ferrari, Lamborghini und Maserati in und um Modena ihre Werkshallen. Der Landstrich bekam den Namen Motor Valley, und das ist nicht nur ein guter Werbegag mehr schne und schnelle Autos bekommt man selten zu sehen. Insgesamt gibt es hier vier internationale Rennbahnen, sieben Autowerke, 15 Museen, 16 Privatsammlungen, 188 Rennteams und sechs spezialisierte Ausbildungszentren. Um dieses Kulturgut zu schtzen und zu promoten wurde die Non-Profit-Vereinigung Motor Valley Development gegrndet. Ihr Ziel ist es, das Motor Valley in das Projekt Via Emilia Experience the Italian Lifestyle zu integrieren und zu einem Bestandteil des Tourismus der Emilia-Romagna zu machen.

Kein Mensch wrde das knapp 20.000-Einwohner-Dorf Maranello besuchen, stnde hier nicht das hypermoderne Ferrari-Werk. Wer die automobile Entwicklungsgeschichte der Luxusmarke verfolgen mchte, kann das Ferrari-Museum auf dem Werksgelnde besuchen. Spektakulrer ist allerdings das Museo Casa Enzo Ferrari (MEF) in Modena, das sich auf die Person und Arbeit von Enzo Ferrari konzentriert. Gleich daneben entstand ein 5.000 Quadratmeter groer, futuristisch geschwungener Neubau die Nuova Galleria. In der strahlend weien Halle stehen historische Ferraris neben weiteren Auto-Mythen, die wie gigantische Schmuckstcke auf Podesten prsentiert werden.

Auch andere berhmte Autoschmieden fhren eigene Museen. Im modernen, voll verglasten werkseigenen Lamborghini-Museum in Sant’Agata Bolognese stehen alle Wagen, die fr die eigene Geschichte wichtig waren: vom 350 GT bis zum Countach, vom Miura, ber den Espada bis zur Diablo-Reihe. Nur ein paar Kilometer weiter befindet sich das Centro Museale Ferruccio Lamborghini. Zu sehen ist hier fast alles, was Ferruccio Lamborghini in seinem 40-jhrigen Arbeitsleben geschaffen hat. Die Traktoren, und der berhmte Topolino Mille Miglia, ein Fiat 500 den Ferruccio 1948 in eine Art Rennwagen verwandelte: Er vergrerte den Hubraum von 500 auf 650 ccm, baute einen Doppelvergaser und einen bronzenen Zylinderkopf ein, und fuhr damit mit 160 Stundenkilometer ber die Mille Miglia, bis er kurz vor dem Ziel in einen Bauernhof crashte. Diese und andere Stories erzhlt Fabio Lamborghini, der Besucher persnlich durch die Halle fhrt und dabei aus dem Leben seines Onkels berichtet.

Interessant ist auch ein Besuch bei Mario Righini, einem Schrotthndler aus Anzola. Schon sein Vater demolierte Lastwagen, Vorkriegs-Karossen und Kbelwagen, er rettete, was ihm gefiel. So hat es Signor Righini zu einem Fundus gebracht, um den ihn Autosammler weltweit beneiden neben deutschen Panzerachsen aus dem Zweiten Weltkrieg und amerikanischen Jeep-Vergasern gehren rund 70 Oldtimer dazu. Die schnsten davon stehen bei ihm zu Hause, in den ehemaligen Stallungen des Castello di Panzano, einem Schloss aus dem 17. Jahrhundert mit brckelnder Fassade und mannshohen Oleanderbschen im Hof. Da parken unter anderem das schwarze, rechts gelenkte Cabriolet Alfa 1750 von Mussolini und die helle Fiat-Limousine, mit der Frst Rainer von Monaco einst durch sein Frstentum kurvte. Gleich am Eingang nimmt der Velobenz einen Sonderplatz ein: Das deutsche Gefhrt gleicht einer offenen Kutsche und wurde ab 1894 als erstes Automobil in Serie gebaut. Seine 1,5 Pferdestrken schafften knapp 20 Stundenkilometer schnell war das nicht, aber bequemer als zu Fu.

https://motorvalley.it/ / www.emiliaromagnaturismo.it/de/