Ford Mustang Bullitt


Das Wort „Nein“ ist im Wortschatz von BerĂŒhmtheiten manchmal nicht wirklich vorhanden –

jedenfalls, wenn sie es als Antwort auf einen Wunsch erhalten. Das spĂŒrt man, wenn man die letzte Zeile im Kaufgesuch von Filmschauspieler Steve McQueen liest: „Ich wĂŒrde Ihnen gerne einen anderen Mustang besorgen, wenn nicht zu viel Geld im Spiel ist. Andernfalls vergessen wir es besser.“ Der Star wollte 1977 „sein“ Auto zurĂŒck kaufen, das er in der wohl berĂŒhmtesten Auto-Film-Verfolgungsjagd der Filmgeschichte in „Bullitt“ gefahren hatte: Den legendĂ€ren Mustang 68, der jahrelang als verschollen galt.

Jetzt wurde das originale Fahrzeug in Detroit von Ford bei der PrĂ€sentation eines Neuwagens der Öffentlichkeit prĂ€sentiert. FĂŒr Sean Kiernan erfĂŒllte sich damit ein Traum, an den er einst gemeinsam mit seinem Vater Robert geglaubt hatte.

Der Oldtimer-Krimi

Das Leben geht manchmal verschlungene Wege und die Geschichte des Filmfahrzeugs liest sich wie ein Krimi mit prominenter Besetzung aus der Oldtimer-Szene. Alle spielten mit: Der legendĂ€re Promi (Steve McQueen), der Familienvater (Robert (Bob ) Kiernan), der Erbe (Sean Kiernan), dessen Arbeitskollege (Casey Wallace) , dessen Freund Kameramann (Ken Horstmann), der Ford-Experte (Kevin Marti), der Automobil-Historiker (Mark Gessler), der Markt-Kenner (McKeel Hagerty) und die am Ende traurigen Mitstreiter (Ralph Garcia und Hugo Sanchez). Bevor all diese Personen in Aktion, treten mĂŒssen ein paar geschichtliche Details erzĂ€hlt werden.

Die Mustang-Bullitt-Film-Geschichte

Beim Dreh des Hollywood-Blockbusters „Bullitt“, der am 17. Oktober 1968 Premiere hatte, kamen zwei nahezu identische Ford Mustang GT 1968 zum Einsatz fĂŒr die zehnminĂŒtige Szene. Beide hatten das GT-Paket und einen 390 Kubikzoll großen V-8. Sie wurden Ă€sthetisch modifiziert, indem die Abzeichen und RĂŒckfahrscheinwerfer entfernt wurden. Beide Mustangs wurden auf grauen Torq Thrust-RĂ€der verschraubt. Ein Mustang hatte einen ÜberrollkĂ€fig und fĂŒhrte die Mehrheit der brutalsten Stunts durch – der sogenannte „Jumper Car“, der in den meisten Verfolgungsjagdszenen in den Straßen von San Francisco zu sehen ist. Der „Hero Car“ wurde fĂŒr die Aufnahmen mit Steve McQueen genutzt. WĂ€hrend der Jumper Car verkauft und angeblich verschrottet wurde, war der Hero Car zunĂ€chst verschwunden. Zuletzt war es 1990 in einem Artikel des Magazins „Mustang Illustrated“ aufgetaucht. Heute wĂŒrde man „Fake“ dazu sagen und der Besitzer des wirklichen Bullitts hatte sich bei der Chefredaktion anonym gemeldet und belegt, dass er den Original-Wagen besitzt und irgendwo an der OstkĂŒste lebe. Das Rumoren im Internet begann 


Das Mustang–Bullitt-Familienauto

1974, Road Track Magazin, Kleinanzeigen, Seite 121: „1968 ‚Bullett‘ MUSTANG von McQueen in dem Film gefahren … Kann dokumentiert werden. Bestes Angebot.“ Familienvater Robert Kiernan erfĂŒllte sich einen Wunsch und kaufte fĂŒr 6000 Dollar den Mustang, der fortan auf den Straßen New Jersey’s zu sehen war. Davor hatte er einem Filmredakteur von Warner Bors gehört und dem Polizisten Frank Marranca, der ihn nach New Jersey gebracht hatte. Vater Kiernan fuhr den Wagen als Alltagsauto bis er ein Firmenfahrzeug bekam und den Bullitt an seine Frau abtrat. Sie wird zitiert mit „Der Bullitt ist ein SĂ€ufer.“ Nach einem Kupplungsschaden wird der Wagen im Jahr 1980 mit 65.000 Meilen in der Garage abgestellt, wo er lange, lange bleiben sollte. Es folgten mehrere UmzĂŒge der Kiernan-Familie und der Wagen blieb dabei.

Vater Robert und Sohn Sean nahmen sich bei der AnkĂŒndigung des Ford Mustang GT-Neuwagens im Jahr 2001 vor, das Fahrzeug an die Öffentlichkeit zu bringen. Schließlich, so fanden sie, sei es amerikanische Geschichte. „Es war an der Zeit unseren Schatz zu teilem“, wird Sohn Sean zitiert. Der Wagen sollte gerade soweit fertig gemacht werden, dass er wieder bewegt werden konnte. Den Gedanken, den Steve McQueen in seinem Kaufgesuch erwĂ€hnt hatte – dass der Wagen nicht restauriert werden sollte – hatten die beiden nicht vergessen. Der Bullitt war inzwischen 33 Jahre.

Das Schicksal wollte es anders. Robert Kiernan erkrankte an Parkinson, die Familie wuchs und mit ihr die Aufgaben. Der Bullitt nahm nicht mehr den wichtigsten Platz ein im Alltagsleben. 2008, als Ford einen weiteren Mustang GT prĂ€sentierte flammte die Idee nochmals auf – aber nichts geschah, weil das Leben seine ganze Aufmerksamkeit forderte.

 

Die Idee der Mustang 68 Bullitt-PrÀsentation

In einem GesprĂ€ch mit seinem Arbeitskollegen Casey Wallace erwĂ€hnte Sean Kiernan, dass er einen graugrĂŒnen Ford Mustang 68 in der Garage habe. Dessen Freund, Kameramann Ken Horstmann brachte die Sache dann ins Rollen. Das Auto sollte zusammengesetzt werden, um einen KĂ€ufer zu finden. Sean erzĂ€hlt von seiner fĂŒnf Monate dauernden Arbeit Anfang 2016: „Ich hatte Angst etwas zu vermasseln.“ GlĂŒcklicherweise war keines der Teile je bearbeitet worden. Im Mai wurde der nicht fahrtĂŒchtige Wagen in ein Studio von Horstmann transportiert, damit es einem Ford-Experten vorgestellt werden konnte. Kevin Marti gilt in der Oldtimer-Szene als Ford-Guru und unterzeichnete eine Geheimhaltungsvereinbarung bevor er den Wagen zu Gesicht bekam und komplett begeistert war. Marti schildert: „Ich bin hingegangen und dachte mir 
 wieder ein Bullitt. Doch es war alles anders und ich dachte Oh Gott er ist es.“ Marti begutachtete jedes Detail. Löcher, die zur Versorgung mit Licht wĂ€hrend der Filmaufnahmen fĂŒr die Kabel gemacht wurden, TrĂ€ger fĂŒr Kamerahalterungen und selbst KleberĂŒckstĂ€nde von Gaffertape mit dem beispielsweise Gurte oder DrĂ€hte aus dem Bild gehalten wurden, waren zu finden. „Ein unglaubliches Artefakt.“

Horstmann filmte alles und wĂ€hrend der SEMA (Specialty Equipment Market Association) 2016 in Lag Vegas wollte man der Ford Motor Company alles prĂ€sentieren. Larry Webster ein amerikanischer Fachjournalist wurde einbezogen und stellte die Verbindung zu McKeel Hagerty, seinem Boss her. Der EigentĂŒmer der Hagerty Insurance Company erkannte: Dieses Fahrzeug muss Teil des National Historic Vehicle Register werden, das bedeutsame Fahrzeuge der USA in der Library of Congress dokumentiert und fĂŒr die Nachwelt bewahrt. Angetrieben wird dieses großartige Projekt durch Mark Gessler, PrĂ€sident der HVA (Historic Vehicle Association). Gleich im MĂ€rz 2017 sollten die detaillierten Foto- und Filmaufnahmen des gefundenen Bullitts gemacht werden in Allentown, Pennsylvania.

 

Ein unrestaurierter Oldtimer hat mehr Wert

Wie aus dem Nichts tauchte im MĂ€rz 2017 die News auf, dass der zweite Bullitt gefunden sei. Karosseriebauer Ralph Garcia und sein Partner Hugo Sanchez hatten den Wagen auf einem Schrottplatz in Mexiko entdeckt. Man kann sich unschwer vorstellen, dass Sean Kiernan einem Herzinfarkt nahe war. Auch Sanchez und Garcia bestellten den Ford-Experten Kevin Marti ein, um ihr Fahrzeug zu begutachten. Und: es stellte sich heraus, dass auch dieses Fahrzeug eines der beiden Filmautos war. Der „Jumper“ trug die VIN Nr. 125558. Umfangreiche Restaurationsarbeiten waren durchgefĂŒhrt worden, viele Teile erneuert worden. Doch wie wertvoll ist OriginalitĂ€t? Diese Frage stellt genau hier. Experte Kevin Marti: „Ein unrestauriertes Auto – und wenn es nur eine HĂŒlle ist – hat mehr Wert. Alles andere ist belanglos“