Geburtstag: Opel & 130 Jahre Fahrrad


Opel feiert in diesem Jahr den 130. Geburtstag seiner Fahrradproduktion, die in der frĂŒhen Unternehmensgeschichte eine wichtige Rolle fĂŒr den Aufstieg der Marke spielte. Nach dem Bau des ersten Hochrads im FrĂŒhjahr 1886 stieg Opel in den 1920er-Jahren zum weltweit grĂ¶ĂŸten Fahrradhersteller auf. Selbst die 1929 einsetzende Wirtschaftskrise konnte das erfolgreiche FahrradgeschĂ€ft nicht stoppen. Dennoch wurde der Zweirad-Unternehmenszweig im Dezember 1936 an NSU verkauft, um sich voll und ganz auf die Automobilproduktion zu konzentrieren.

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23 Jahre nach der FirmengrĂŒndung – bis dato hatte Opel ausschließlich NĂ€hmaschinen produziert – kam Adam Opel 1885 von einer GeschĂ€ftsreise aus Paris zurĂŒck. Vor seinem Besuch in der französischen Hauptstadt hielt er HochrĂ€der fĂŒr „eine neumodische Spielerei. Eine Modeerscheinung, die genauso schnell wieder vorĂŒber gehen wird, wie sie gekommen ist“. Eine Aussage, die nach dem Paris-Besuch nur noch Schnee von gestern war. Inspiriert vom dort florierenden Handel mit HochrĂ€dern und unter dem Eindruck des Bicycle-Booms in England, hatte Opel eine Idee. Er ließ sich Einzelteile von der Insel liefern und begann zur Freude seiner Söhne mit dem Bau des ersten Hochrads. 1886 verkaufte Opel das erste Exemplar – und die unternehmenseigene Fahrradproduktion startete.

Bereits ein Jahr spĂ€ter begann Opel mit der Fabrikation von DreirĂ€dern und NiederrĂ€dern, der Bautyp wurde Safety genannt. Ein solches Sicherheitsrad hatte sein Sohn Karl von einer Studienreise ĂŒber die Fahrradproduktion aus dem englischen Sheffield mitgebracht. Das Safety hatte zwei nahezu gleich große RĂ€der und war nun wesentlich einfacher zu fahren als das Hochrad, außerdem war schon die Fallhöhe um einiges geringer.

Karl ging nun bei Fahrradrennen an den Start. Er brachte von dem ersten Sieg in Frankfurt gleich fĂŒnf Fahrradbestellungen mit nach Hause, zahlreiche weitere Rennerfolge hatten immer neue AuftrĂ€ge zur Folge. Allein das Jahr 1889 brachte 240 Rennsiege, darunter 13 Meisterschaften, die auf Opel-FahrrĂ€dern gewonnen wurden. FĂŒr die nationale Anerkennung der Opel-RĂ€der sollte der 20. Juli 1889 zu einem Meilenstein werden. Symbolisch fĂŒr die OriginalitĂ€t und den Unternehmergeist der Opel-BrĂŒder ist ein Foto aus dem Jahre 1895, das sie alle auf einem Sondermodell mit fĂŒnf Sitzen – dem „Quintuplet“ – in Szene setzte.

1899 bauten die Opel-Söhne – Vater Adam war 1895 verstorben – zwar das erste Automobil, das FahrradgeschĂ€ft forcierten sie aber weiterhin. Bis in die 1920er-Jahre verpflichteten sie regelmĂ€ĂŸig die weltbesten Radrennfahrer, die reihenweise Siege einfuhren. Weil die Nachfrage nach den ZweirĂ€dern weiter zunahm, stellten die RĂŒsselsheimer ihre Produktion 1923 grundlegend um und fĂŒhrten als erstes deutsches Unternehmen die Fließbandfertigung fĂŒr die Fahrradproduktion ein. Nun lief alle sieben Sekunden ein neues Rad vom Band. Die sinkenden Produktionskosten drĂŒckten auch die Anschaffungskosten fĂŒr die Kunden und machten das Fahrrad fĂŒr weite Teile der Bevölkerung zu einem erschwinglichen Fortbewegungsmittel. 1925 stieg Opel so zum grĂ¶ĂŸten Fahrradhersteller der Welt auf und ein Jahr spĂ€ter lief das millionste Opel-Fahrrad vom Band.

Nach dem Tod der Opel-Söhne Karl und Heinrich in den Jahren 1927 und 1928 gerieten die BrĂŒder Wilhelm und Fritz wegen der nun doppelt zu zahlenden Erbschaftssteuer in finanzielle Nöte. Als das Geld zur Renovierung der zuvor stets ausgelasteten Produktionsanlagen fehlte, schauten sich die Opels nach einem KĂ€ufer um. Zu diesem Zeitpunkt kam ein Übernahmeangebot von General Motors, dem weltgrĂ¶ĂŸten Automobilhersteller, gerade recht. Im September 1929 wurde I.J. Reuter als erster Amerikaner zum Generaldirektor von Opel ernannt, die BrĂŒder Wilhelm und Fritz Opel wurden Mitglieder des Aufsichtsrates.

Der Vorstand und Aufsichtsrat der Adam Opel AG entschied dann Ende 1936, das FahrradgeschÀft an NSU zu verkaufen. Am 15. Februar 1937 lief das letzte Opel-Fahrrad vom Band und beendete eine mehr als 50-jÀhrige Tradition mit rund 2,6 Millionen gefertigten Drahteseln.

Fast auf den Tag genau 75 Jahre spĂ€ter kehrte Opel zu seinen Wurzeln zurĂŒck. Die umweltfreundliche Designstudie RAD e feierte im MĂ€rz 2012 ihre Premiere auf dem Genfer Automobilsalon. Im Jahr des 150-jĂ€hrigen Bestehens der Marke ließen sich die Konstrukteure dabei von einem historischen Fahrzeug inspirieren, dem Opel-Motorrad Motoclub 500 von 1928.

 

Fotos: Opel

 

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