Goodwood Revival


Ein Wochenende voller Höhepunkte war das diesjÀhrige Goodwood Revival, das vom 9.-11. September rund um das traute Heim von Lord March in Goodwood, West Sussex, England stattfand. Auf der hauseigenen Rennstrecke fanden bereits von 1948 bis 1966 britische und internationale Rennserien statt.

Der Sussex Circiut wurde 1966 geschlossen. Nachdem das Goodwood Revival Festival 1998 ins Leben gerufen wurde, erleben die GĂ€ste von Lord March spannende Momente auf der Rennstrecke. In der Klassiker Szene ist der Termin schon lange im Voraus ein rot markiertes Wochenende im Veranstaltungskalender. Und wie immer war Goodwood Revival mehr als nur ein Autorennen. Vielmehr bringen die Zuschauer, die sich in historische GewĂ€nder kleiden, den Flair der guten alten Zeit zum Auferstehen. Selbst die Earls Court Motorshow – oder die AtmosphĂ€re von damals – wird spĂŒrbar.
Das ganze Wochenende ĂŒber feierte man das Renngeschehen auf der Strecke, auch wenn das Wetter in diesem Jahr nicht mittspielen wollte. Der Samstag fiel förmlich ins Wasser und wurde fĂŒr die Fahrer mit ihren hochwertigen Rennboliden zu einer echten Herausforderung. Der starke Regen forderte auch seinen Tribut, wie zum Beispiel zwei Aston Martin DB4, die von der Strecke rutschten und von den seitlichen Barrieren unsanft aufgefangen wurden. Doch bei allen UnfĂ€llen blieben die Fahrer glĂŒcklicherweise unverletzt.

 

6acf31f0d2e247b58da92ae6b7a3f812

Im goldenen Licht der Abendsonne glitten Maserati 500S, der wunderschöne 250 Si und der Tipo 61s mit anderen atemberaubenden einstigen Weltmeisterwagen aus den 1950er Jahren ĂŒber die Rennstrecke und kĂ€mpften um die Sussex Trophy.
Ihre Muskeln ließen die Fahrzeuge beim RAC TT Rennen spielen: ISO und Maserati Tipo Bizzarini 151, Ferrari 250 GTO, 330 GTO und 250 GT SWO duellierten sich mit Jaguar-Etypes, Aston Martins und Corvettes.

Spannende Renn-Duelle
Den Sieg trug am Sonntag schließlich das Team Chris Ward und Gordon Shedden mit ihrem Jaguar E-Type. Das Rennen war von Anfang an sehr spannend. Bereits zum Start ĂŒbernahm Chris Ward die FĂŒhrung des Rennens. Er fuhr eine sehr eigenwillige Taktik und das Feld abzuhĂ€ngen und nutzte die Curbs sehr großzĂŒgig aus. An manchen Abschnitten fuhr Ward sogar ĂŒber die Wiese, um seinen Vorsprung zu vergrĂ¶ĂŸern und brachte es teilweise auf einen zehnsekĂŒndigen Abstand zum restlichen Feld. Der Vorsprung Ă€nderte sich allerdings drastisch, als nach einem Drittel des Rennens Ward in die Pits fuhr und mit Shedden wechselte. Als Jo Bamford in einem Ferrari 250 GTO/64 und Bill Shepherd im AC Cobra sich touchierten musste das Savety Car auf die Strecke. Dies nutzte das Team Ward und Shedden wiederholt fĂŒr einen Fahrerwechsel. Wieder auf der Strecke lieferte sich Ward nun einen harten Zweikampf mit dem HollĂ€nder Giedo van der Garde in einer AC Cobra. 17 Minuten vor dem Zieldurchlauf ĂŒbernahm von der Garde die FĂŒhrung. Auf der letzten Runde hatte Ward bereits 1,5 Sekunden Abstand zu van der Garde. Ward gab noch einmal alles und fuhr auf gleiche Höhe wie die AC Cobra. In dem Moment macht Giedo van der Garde einen Fahrfehler und rutscht ĂŒber die Wiese in Richtung der Leitplanke. Er hatte GlĂŒck im UnglĂŒck und touchierte die Leitplanke nicht. Ward konnte als Sieger ĂŒber die Ziellinie fahren. Van der Garde wurde Vierter.

Die Sussex Trophy
Chris Ward konnte sich auch bei der Sussex Trophy mit seinem Lister-Jaguar als Sieger behaupten. Auch hier kam es zu einem erbitterten Zweikampf mit dem nur 0,6 Sekunden hinter ihm liegenden Lister-Jaguar Kollegen John Pearson. Das Rennen wurde durch das Savety Car abgebrochen, nachdem David Hart und Darren McQuirter miteinander kollidierten. So ging Chris Ward als Sieger aus diesem Rennen hervor.

Die Kinara Trophy
Das Programm begann bereits am Freitag mit einem absoluten Highlight, der Kinrara Trophy. Es war eines der grĂ¶ĂŸten Felder und mit rund 178 Millionen Euro bewegte sich auch der höchste Gesamtwert ĂŒber die Rennstrecke. Als Sieger in dem Rennen der GT Fahrzeuge die vor 1962 gebaut wurden konnte sich der neunfache Le Mans Gewinner Tom Kristensen im Ferrari 250GT SWB behaupten.
Das Goodwood Revival Festival ist auch bekannt fĂŒr seine PrĂ€sentationsfahrten. In diesem Jahr wurde dem Schaffen des verstorbenen Sir Jack Brabham eine Tribut Fahrt gewidmet. Vor 50 Jahren war Sir Jack Brabham der erste Rennfahrer, der ein Formel 1 Rennen in einem Rennwagen gewann, der den Namen seines Fahrers trĂ€gt. Bisher wurde dieser Sieg nicht mehr wiederholt. Jack Brabham hatte im gleichen Jahr auch auf der Goodwood Rennstrecke den zweiten Platz im Formel 2 Rennen gewonnen. Einige Familienmitglieder kamen dieses Jahr zum Goodwood Reviaval Festival. Darunter auch David, der jĂŒngste Sohn Brabhams. David Brabham, 24H von Le Mans Sieger, fuhr selbst das Siegerfahrzeug von 1966, einen Brabham-Repco BT24 und trug den Helm seines Vaters. In der Parade fuhren auch der Brabham BT33, mit dem Sir Jack Brabham 1970 sein letztes Rennen gewonnen hatte, der in Indianapolis gefahrene Cooper T54 und der Brabham BT25, ebenfalls aus der Indianapolis 500 Serie. Zu den Fahrern dieser einzartigen Rennfahrzeuge zĂ€hlten Sir Jackie Stewart, Sir Stirling Moss und John Surtees.

Tretautos im Wettkampf
Neben den spannenden Rennen der Hubraum geladenen Rennlegenden ist aber auch Beinkraft angesagt. Denn auch fĂŒr den Nachwuchs gibt es ein Rennen. So konnten beim Settrington Cup die jĂŒngsten um den Sieg kĂ€mpfen. In Tretautos die einem Austin J40 nachempfunden sind, mussten sie um den Sieg strampeln. Mit etwa sieben WagenlĂ€ngen Vorsprung fuhr Henry Dark ĂŒber die Ziellinie. Henry ist der Sohn von Tom Dark, der am Morgen des gleichen Tages das Goodwood Trophy Rennen gewonnen hatte.

Stock-Car Rennen haben in England eine lange Historie. In den 50er Jahren baute man kleine ovale Rennstrecken, auf denen man mit ehemaligen amerikanischen Karossen die Runden drehte. Dabei galt es, die Gegner aus der Bahn zu bringen und fahrunfĂ€hig zu machen. In der Regel ĂŒberlebten die Rennfahrzeuge nicht mehr als 6 bis 8 Monate. Dennoch konnten einige dieser Fahrzeuge bis heute erhalten werden. Rund 20 Stock-Car Fahrzeuge traten am Samstag FrĂŒh zum Rennen in Goodwood an. Doch viele der teilnehmenden Fahrzeuge waren Replikas aus jener Zeit. Dieses ungewöhnliche Rennen gewann der 17 jĂ€hrige Duncan Bell mit seinem Ford Model 50 Tudor. Ein echtes Highlight im Feld war der originale Ford Model B Racer von Harold „Bozzy“ Bosworth, der von Keith Barber gefahren wurde.
Über fĂŒnf Jahre hinweg wurde das Rennen der Vorkriegsfahrzeuge von Mark Gillie dominiert. In diesem Jahr musste er sich mit der Silbermedaille begnĂŒgen, denn erstmals konnte ein Maserati 6CM, Fahrer Callum Lockie, den Sieg fĂŒr sich behaupten. Am Anfang hatte Dick Skipworth in seinem ERA A-Type R3A einen fast elf Sekunden Vorsprung. Doch eine lockere Ölschraube zwang ihn, in die Boxengasse zu fahren. Es folgte ein enges Rennen zwischen Lockie und Gillie. In der St-Marys Kurve drehte sich allerdings Gillies und Lockie konnte sich nach vorne arbeiten, dicht gefolgt von Mattgrist im Alfa Romeo und Tom Dark im Bugatti Type 37C. Doch Lockie konnte seinen leichten Vorsprung bis zum Schluss erkĂ€mpfen und fuhr als Sieger ĂŒber die Ziellinie.
NatĂŒrlich machten die Rennen nur einen Teil des Zaubers rund um das Goodwood Revival Festival aus. Flugschau, ClubprĂ€sentationen, Wettbewerbe und ein Konzert am Freitagabend trugen nochmals zur GesamtatmosphĂ€re bei.

 

Comments

No Comments