Horex in Bad Homburg


Motorradfahrer bekommen in der Regel glĂ€nzende Augen, wenn der Name Horex fĂ€llt oder gar ein solches Exemplar auf der Straße gesichtet wird. Diejenigen, die eine solche Maschine ihr Eigen nennen, treffen sich regelmĂ€ĂŸig bei der Internationalen Sternfahrt zu Pfingsten an wechselnden Orten und zum Internationalen Horex- und Veteranentreffen im September am „Geburtsort“ der Kult-MotorrĂ€der. Sie wollen die Erinnerung wachhalten an die bis zum Ende der 1950er-Jahre in Bad Homburg gebauten ZweirĂ€der. Dem hat sich auch das Horex Museum in der Kurstadt verschrieben. Jeden Herbst lĂ€dt Museums-Leiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr zum „Modellwechsel“ ein. So tragen in diesem Jahr die sieben deutschen Horex-Clubs mit jeweils einer besonderen Leihgabe zur Ausstellung „Die Legende lebt“ bei. Zusammengestellt wurde sie von Frank Vollmer vom Horex-Club Taunus. Sie zeigt die Vielfalt der restaurierten und auf zahlreichen Fahrten bewĂ€hrten MotorrĂ€der der legendĂ€ren Bad Homburger Marke Horex.

Und: Die Werkstattfotografien des mit Horex verbundenen Industriedesigners Louis Lucien Lepoix (1918–1998) sind eine weitere Sensation, da sie zum ersten Mal zu sehen sind. In seinem Baden-Badener Archiv bewahrt Erika KĂŒbler den Archivnachlass, u.a. eine Mappe mit Negativen, die sie dem StĂ€dtischen historischen Museum Bad Homburg zur Entwicklung entlieh. Neben den Aufnahmen der Lepoix-Verkleidungen fĂŒr den Rebell-Roller als auch fĂŒr die Regina, belegen sie die Entwicklung eines Kleinstauto-Prototyps bis 1955. Von Lepoix „L3“ genannt, war er sowohl in offener, als auch in geschlossener Variante gedacht.

Kleinstautomobile wurden in den beginnenden 1950er-Jahren immer beliebter, da sie ein Dach ĂŒber dem Kopf und mehr Platz boten und zudem nicht wesentlich teurer waren als ein Motorrad. Eine Horex-Regina mit Beiwagen kostete zum Beispiel 2700 D-Mark, ein Volkswagen 3950 D-Mark. Wolf Fischer-Jene, einer der Horex-GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Schwiegersohn von Fritz Kleemann, wandte sich 1953 mit einer Anfrage an den Industriedesigner Louis Lucien Lepoix. Der in Baden-Baden lebende Lepoix begann umgehend mit Konstruktionszeichnungen fĂŒr einen „L3“.

Neben den Zeichnungen entstanden kleine Holz-, Gips-, Plastilin- und Betongussmodelle sowie ein Prototyp der L3-Karosserie. Die Werkstattfotografien zeigen, dass bei einem geöffneten Dach tatsĂ€chlich vier Personen hĂ€tten Platz nehmen können. Nach Fertigstellung des Prototyps 1955 wandte sich Lepoix erneut an Wolf Fischer-Jene – diesmal mit den Entwicklungskosten fĂŒr eine L3-Sportvariante. Auch dazu entstanden wieder Modelle, die leider nur noch auf den Werkstattfotografien existieren.

Parallel entwarf Lepoix eine windschnittige Verkleidung fĂŒr die Horex Regina und den Rebell-Roller – eine der letzten Entwicklungen bei Horex. Seine letzte Arbeit widmete Lepoix einem Horex-Kinder-Lastendreirad, dessen Zeichnungen er 1958 abschloss.

Das Kleinstautomobil L3 wurde nicht, wie alle anderen Modelle, auf der IAA 1955 in Frankfurt prÀsentiert. Die Verkleidungen der Horex-Regina, des Rebell-Rollers und die KinderfahrrÀder gingen nicht mehr in die Produktion. So hörte 1958 die geschÀftliche Zusammenarbeit zwischen Wolf Fischer-Jene und Louis Lucien Lepoix auf und das Werk stellte die Produktion in Bad Homburg komplett ein.

27. Oktober 2018 bis 25. August 2019
Ausstellung Die Legende lebt!
Modellwechsel und Werkstattfotografien von Louis Lucien Lepoix
Eröffnung: 27. Oktober, 19 Uhr (Kulturnacht Bad Homburg)
Horex Museum, Horexstraße 6, 61352 Bad Homburg
Öffnungszeiten: Mittwoch 10 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr
Eintritt: 2,50 €