Jean Bugattis kurzes Leben


Der Ă€lteste Sohn von Ettore Bugatti, Jean, ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Unternehmensgeschichte von Bugatti. KĂŒrzlich wĂ€re er 110 Jahre alt geworden, ein Geburtstag im Jahr der FestivitĂ€ten rund um das 110jĂ€hrige Bestehen von Bugatti.

Am 15. Januar 1909 wurde Jean Bugatti in Köln geboren. Sein Vater Ettore war Leiter der Produktionsabteilung der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG. Im Herbst desselben Jahres zog die kleine Familie Ettore Bugattis nach Molsheim. In der elsĂ€ssischen Kleinstadt öffnete Ettore die Tore seines eigenen Unternehmens in einer stillgelegten FĂ€rberei, noch bevor am 1. Januar 1910 offiziell der Mietvertrag fĂŒr seine ProduktionsstĂ€tte in Molsheim unterzeichnet wurde.

Jean war Ă€ußerst interessiert am GeschĂ€ftsleben seines Vaters und verbrachte den Großteil seiner Freizeit bei den Arbeitern in der Produktion. Schon als Jugendlicher zeigte er großes Talent und Geschick in den verschiedenen Handwerken. In den spĂ€ten 1920er Jahren war Jean Bugatti aus dem Unternehmen nicht mehr wegzudenken, 1936 ĂŒbernahm er im Alter von 27 Jahren die GeschĂ€ftsfĂŒhrung von seinem Vater.

Bekanntheit erlangte Jean aber vor allem fĂŒr das Design einiger der renommiertesten Modelle der Marke. Die Ingenieurskunst seines Vaters wurde von ihm mit Design erhoben zu einem der bedeutenden Namen der Automobilindustrie. Der revolutionĂ€re und legendĂ€re Type 57 SC Atlantic war Jean Bugattis ikonischste Schöpfung mit fließenden CoupĂ©-Linien und einer einzigartigen vernieteten Finne sowie einem signifikant kleinerem Bodenabstand. Er gilt als eines der weltweit exklusivsten und beeindruckenden Sport CoupĂ©s. Vier Exemplare wurden ĂŒberhaupt nur gebaut. Nur zwei der Fahrzeuge sind im Originalzustand erhalten und zĂ€hlen heute zu den teuersten Klassikern der Welt.

Der zweite der vier gebauten Atlantic war das 1936 Bugatti Type 57SC – AĂ©ro CoupĂ©, ein Auto, das als “La voiture noire” in die Automobilgeschichte einging. Nach dem Bau wurde das elegante, ikonische Erscheinungsbild fĂŒr interne BroschĂŒren sowie fĂŒr verschiedene Motorausstellungen auf dem französischen Heimathafen verwendet. Es wird erzĂ€hlt, dass es noch nie einen registrierten Besitzer hatte, aber es wurde als persönliches Auto seines Schöpfers Jean Bugatti verwendet, der nur seinen Rennfahrer-Freunden wie William Grover-Williams und seiner Frau erlaubte, mitzufahren. Die letzte gesicherte ErwĂ€hnung des Fahrzeugs fand man auf der Bestandsliste eines Zuges, mit dem Ettore Bugatti einige seiner wertvollsten BesitztĂŒmer nach Bordeaux schickte, um aus dem von den Nazis besetzten Frankreich zu fliehen. Was danach mit „La voiture noire“ passiert ist, bleibt offen und es ranken sich viele Geschichten darum. Die am weitesten verbreitete Theorie besagt, dass die Nazis das Fahrzeug erobert hĂ€tten und gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerlegt worden seien. Sie verwendeten ihre Aluminiumkomponenten fĂŒr ihre letzten verzweifelten Kriegsanstrengungen.

Jean Bugatti selbst hat den endgĂŒltigen dramatischen Verlust seines geliebten „La voiture noire“ nicht mehr miterlebt. Am 11. August 1939, im Alter von nur 30 Jahren, fuhr der begnadete Designer und Techniker auf einer seiner ĂŒblichen Teststrecken in der NĂ€he der Fabrik nahe des Dorfes Duppigheim. Überraschend war ein Radfahrer durch ein Loch in einem Bauzaun gekommen und hatte die Straße gequert. Jean Bugatti versuchte einer Kollision zu entgehen, verlor die Kontrolle ĂŒber sein Fahrzeug und prallte gegen einen Baum. Noch heute erinnert ein Denkmal am Unfallort an diesen tragischen Unfall. Die letzte RuhestĂ€tte von Jean ist auf dem FamiliengrundstĂŒck der Familie Bugatti auf dem stĂ€dtischen Friedhof in Dorlisheim. Ganz in der NĂ€he, sind bis heute die RĂ€umlichkeiten von Bugatti.