JubilÀum: Jensen feiert auf Schloss Topazc


Viele werden sie noch kennen, die Trumpf-Karte beim Auto Quartett – den Jensen Interceptor. Die Leistungsdaten sprachen fĂŒr sich: 6,3 bis 7,2 Liter und bis zu 325 PS. In diesem Jahr feiert der Jensen Interceptor seinen 50. Geburtstag. Dies nahm der polnische Interceptor Besitzer und Clubmitglied des Jensen Clubs, Szyman Rajwa zum Anlass, ein europĂ€isches Treffen in Breslau bei der Motoclassic zu organisieren. Aus Deutschland, der Schweiz, England und sogar aus Estland reisten viele Besitzer mit ihren Jensen Fahrzeugen nach Polen. Darunter sogar echte RaritĂ€ten wie zwei Jensen Interceptor Cabriolets, zwei Jensen FF, Jensen Healey Spider und Interceptor Modelle unterschiedlicher Baureihen. Ein Bild, das nicht so alltĂ€glich auf Oldtimer Treffen ist. Auch im Rahmen der Motoclassic auf Schloss Topazc war dies ein außergewöhnlicher Anblick. Der Veranstalter zeichnete diese Ausstellung sogar mit dem Sonderpreis der polnischen Auto Bild Classic aus.

 

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Jensen Motors, ein britisches Karosserieunternehmen, stellte eigentlich in erster Linie Karosserien in Großserien fĂŒr fremde Automobilfirmen her, so auch den Volvo PV 1800, der ebenfalls als erste Serie bei diesem Zusammentreffen in Breslau zu sehen war. In Kleinserie baute Jensen in den 60er Jahren aber auch eigene Modelle, wie den C-V8 oder den 541. Bereits 1954 stellte Jensen ein Interceptor Modell vor, dass auf dem Austin A40 Roadster basierte, der auch im Jensen Werk gefertigt wurde. Dieses Modell wurde bis 1959 gebaut. Als Nachfolger des C-V8 sollte wieder ein Interceptor Modell auf den Markt kommen. Gezeichnet wurde es bei Touring in Italien. Die ersten Modelle wurden bei Vignale, spĂ€ter bei Jensen gebaut. Waren zuvor die Karosserien des 541 und des C-V8 aus Kunststoff, sollte die neue Karosserie wieder aus Stahl sein. Die ersten Fahrzeuge basierten auch noch auf dem Antrieb des C-V8. Erst die Mark 2 Serie erhielt ein ĂŒberarbeitetes Chassis und einen neuen 7,2 Liter Motor. Die erste Serie erkennt man ĂŒbrigens an der tiefliegenden Stoßstange und den darĂŒber liegenden Blinkern. Bei der zweiten Serie sitzt die Stoßstange höher und die Blinklichter sind unterhalb der Stoßstange. Die dritte Serie unterscheidet sich nicht sehr, lediglich gehörten Alu-Leichtmetallfelgen ab 1971 zur Serienausstattung.
Sehr markant beim Jensen Interceptor ist die gewölbte große Panorama-RĂŒckschiebe der zweitĂŒrigen Sport-Saloons, die gleichzeitig auch als Heckklappe dient. Die EnglĂ€nder nennen diese Scheibe auch „Goldfish Bowl“ (Goldfisch Glass). Aufgebaut ist der Interceptor wie auch der C-V8 auf einem Gitterrohr-Rahmen. Die Achtzylinder V-Motoren stammen von Chrysler. Es handelt sich dabei um die sogenannten leistungsstarken Big-Blocks. Leider konnten die Mark 2 und Mark 3 Modelle trotz Hubraumsteigerung keine deutliche Leistungssteigerung vorweisen, was der Kundschaft nicht gefiel.
Parallel zum Interceptor stellte Jensen 1966 auch noch den Jensen FF vor, ein vierradgetriebenen Sportwagen. Das „FF“ stand fĂŒr Ferguson Formula. Ferguson entwickelte in den spĂ€ten 50er Jahren den Allrad angetriebenen Formel 1 Rennwagen Ferguson P99. Er sieht dem Interceptor zwar sehr Ă€hnlich, ist im Grunde aber ein völlig eigenes Modell. Beim genauen Betrachten ist die Front etwas lĂ€nger, da die Allrad Technik mehr Platz braucht. Zu erkennen sind die FF Modelle Ă€ußerlich sofort an den doppelten Kiemen EinlĂ€ssen am seitlichen vorderen KotflĂŒgel.
In Hinblick auf den amerikanischen Markt, baute Jensen vom Interceptor ab 1974 auch eine Cabriolet Variante. Doch anstehende Sicherheits-Vorschriften in den USA hĂ€tten die Zulassung des Jensen nicht zugelassen. Daher wurde die Produktion Mitte der 70er Jahre wieder eingestellt. Es wurden knapp ĂŒber 500 Modelle gebaut.
Der Jensen Interceptor ist ein gesuchter Klassiker. Die Preise steigen fĂŒr gut erhaltene Modelle auf sechsstellige Summen