Kindersicherheit im Oldtimer


NatĂŒrlich wollen die Kinder bei der Ausfahrt mit dem Old- oder Youngtimer im FrĂŒhling dabei sein. Experten von TÜV SÜD geben Tipps, wie Fahrten mit klassischen Fahrzeugen fĂŒr Familien gefahrenfrei möglich sind.

Wenn es ums Fahren mit Kindern im Auto geht, fĂŒhlen sich Menschen mitunter von den Vorschriften eingeschrĂ€nkt – das gilt nicht nur fĂŒr Oldtimerfans. Ein Beispiel dafĂŒr ist das Mitfahren im Kofferraum. FĂŒr Dr. Lothar Wech, Experte fĂŒr Fahrzeugsicherheit bei TÜV SÜD hat aber Sicherheit Vorrang: „Nicht jedes Auto ist fĂŒr den Transport vor allem von mehreren Kindern geeignet“, sagt er. So wie ein Sportwagen nichts fĂŒr Waldwege sei und ein Kleinwagen sich kaum fĂŒr EinkĂ€ufe beim Möbelmarkt eigne, sei eben auch mancher Oldtimer kein geeignetes Transportmittel fĂŒr Kinder. Ohnehin dĂŒrfe man nicht vergessen: „Heutige Sicherheitsstandards wie ABS, ESP und zahlreiche Fahrerassistenzsysteme darf man bei einem alten Fahrzeug nicht erwarten.“

Zudem haben alte Autos womöglich keine Gurte fĂŒr die RĂŒcksitze und ganz alte noch nicht einmal fĂŒr Fahrer und Beifahrer. „Doch Anschnallmöglichkeiten sind gerade fĂŒr Kinder unter Sicherheitsgesichtspunkten unabdingbar“, sagt Dr. Wech. Da es keinen Kindersitz und keine Sitzerhöhung mit Zulassung gebe, die nicht den Fahrzeuggurt mitbenutzen, sollten eben keine Kinder auf gurtlosen PlĂ€tzen mitfahren.

NachrĂŒstung: Oldtimer mĂŒssen je nach Alter auch keine Gurte haben. Bis in die 1960-er Jahre waren oft noch nicht einmal Befestigungsgewinde vorgesehen. Auf RĂŒcksitzgurte oder eine Montagemöglichkeit mussten die KĂ€ufer sogar noch lĂ€nger warten. Doch lassen sich RĂŒckhaltesysteme oft nachrĂŒsten. Andere alte Autos haben noch Statikgurte ohne Aufroller, und fĂŒr sie gilt Ähnliches. Oftmals ist es nĂ€mlich möglich, Automatikgurte nachtrĂ€glich zu montieren. FĂŒr die Zulassung als Oldtimer mit H-Kennzeichen ist eine solche VerĂ€nderung des Originalzustands nicht hinderlich.

Vordersitz: Wenn im Fond keine Dreipunktgurte verfĂŒgbar sind, bleibt nur der Beifahrerplatz fĂŒr eine sachgerechte Sicherung. Voraussetzung ist natĂŒrlich, dass dort ein entsprechender Gurt vorhanden ist. Dann sollte aber auch niemand auf dem RĂŒcksitz dahinter Platz nehmen. „Bei einem Unfall wĂŒrde diese Person sonst ungebremst nach vorn geschleudert und könnte das Kind auf dem Beifahrersitz verletzen“, erklĂ€rt Wech.

Dreipunkt: Auf der RĂŒcksitzbank war der Zweipunktgurt lang eine ĂŒbliche AusrĂŒstung. Schon fĂŒr Erwachsene bedenklich, ist er fĂŒr die Befestigung eines Kindersitzes oder eines Boosters unbrauchbar. „Ich kenne kein aktuelles KinderrĂŒckhaltesystem, das eine Zulassung nur mit einem Zweipunktgurt hat“,  verdeutlicht Dr. Wech. Wegen der hohen Belastung des Unterleibs im Fall des Falles rĂ€t der Experte eindringlich, der Versuchung zur Montage zu widerstehen. Ein Dreipunktgurt sei ein Muss. Und das RĂŒckhaltesystem muss nach den aktuellen Regulierungen ECE 44/03 oder 04 zugelassen sein. Jahrzehnte alte Kindersitze mögen im Stil zum alten Auto passen, nicht jedoch zum aktuellen Gesetz.

StĂŒtze: Erst in den 1970-er Jahren wurden KopfstĂŒtzen fĂŒr die Vordersitze Pflicht. Eine Vorschrift fĂŒr die rĂŒckwĂ€rtigen AußenplĂ€tze musste gar bis in die 1990-er warten und beim Mittelplatz ließ sich der Gesetzgeber sogar bis nach 2000 Zeit. FĂŒr Kindersitze ist das Fehlen einer KopfstĂŒtze kein Problem, da sie schon per Auslegung ĂŒber eine eigene AbstĂŒtzung fĂŒr den Kopf verfĂŒgen. Anders bei Sitzerhöhungen. „Sie sollten auf jeden Fall eine RĂŒcklehne haben, die ĂŒber den Kopf hinausragt“, rĂ€t der Experte von TÜV SÜD. Diese Modelle haben ĂŒbrigens auch in anderen Autos große Sicherheitsvorteile, weil sie den Schultergurt gut fĂŒhren.

Bußgeld: Auch im Oldtimer gibt es rechtlich kein Erbarmen. Wer Kinder nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ sichert, muss ein Bußgeld zahlen. So kostet es 30 Euro, wenn ein Kind zwar irgendwie, aber falsch angeschnallt mitfĂ€hrt. 60 Euro und ein Punkt in Flensburg werden fĂ€llig, wenn ĂŒberhaupt keine vorgeschriebene Sicherung zum Einsatz kam. Sind mehrere Kinder betroffen, muss der VerkehrssĂŒnder noch einen Zehner hinzulegen

 

Bildschirmfoto 2016-04-14 um 15.40.21