Kühlerfiguren – Vom Kult- zum Betrugsobjekt


Sie waren ein Zeichen der Kreativität, Ausdruck des eigenen Geschmacks, des Standes oder einfach ‚nur’ Markenzeichen: Kühlerfiguren, die bis Mitte der 1930er Jahre auf kaum einem Fahrzeug fehlen durften. Vor 55 Jahren, am 1. April 1959 war der Trend erst einmal gestoppt.

Der Fußgängerschutz hatte Vorrang. Man hatte festgestellt, dass dadurch schwere Verletzungen, die schon bei kleineren Unfällen vorkamen, vermieden werden konnten.
Neben den exotischen Exemplaren wie tanzende Waldelfeen, Indianern auf Schnecken oder ägyptische Gottheiten, die meist individuell für den Besitzer hergestellt wurden, schmückten aber auch KFZ-Hersteller ihre Fahrzeuge mit Markenzeichen als Kühlerfiguren. Zu den bekanntesten zählen der Jaguar (Leaper), der tanzende Elefant (Bugatti), der Stern (Mercedes), Zeppelin (Opel) oder auch die „Spirit of Ecstasy“ (Rolls Royce). Da der Mercedes-Stern bereits zwei Jahre vor dem Verbot der Kühlerfiguren mit einem Rückfederungssystem ausgestattet war, durfte er bleiben. Rolls Royce entwickelte ein automatisches System, das die berühmte Figur schon beim kleinsten Ruckeln in den Kühlergrillrahmen zurückfährt. Wer heute einen Leaper auf seinem Jaguar spazieren fährt, hat ihn nachrüsten lassen, denn ab Werk gibt es den Sportwagen ohne.
Von Sammlern & Betrügern
Das Verbot der Kühlerfiguren und sicher auch die Kosten der Herstellung sind in Zeiten der Massenmotorisierung Grund für das große Verschwinden – jedenfalls auf den Autos. Ansonsten, so könnte man meinen, gibt es immer mehr von den von Sammlern gefragten Skulpturen. Bei keiner Auktion dürfen sie fehlen, es gibt gute und weniger gute Bücher darüber und Geschichten von Sammlern, die wie Detektive auf Spurensuche sind: nach Originalen. Durch die Schönheit und Skurrilität mancher Skulpturen hat sich ein ganzer Sammlermarkt entwickelt. Im Großen und Ganzen kennt man sich. Die Szene ist klein. Auch hier gibt es Trends, eine Christopherusfigur von einem unbekannten Künstler geschaffen, ist bei weitem weniger gefragt, als beispielsweise eine beleuchtbare Figur aus dem Hause Lalique. Es sind auch massenweise Fälschungen zu finden in den Vitrinen auf Messeständen und vor allem im Internet. „Um echte von gefälschten Figuren zu unterscheiden“, so ein Experte „bedarf es einer unglaublichen Detailkenntnis. Manche Exemplare, die original sind, bekommt man nur zu sehen, wenn man bei einem anderen Sammler eingeladen ist.“
Die Verlockung an Figuren zu kommen, bevor sie auf dem kleinen überschaubaren Markt sind, ist groß. Ein schönes Terrain für Betrüger. Es gibt Sammlungen, die nach einem Todesfall unter der Hand weiterverkauft werden und solche, die aufgelöst werden und deren Einzelstücken bei Auktionen unter den Hammer kommen.
Ein spektakulärer Fall, der kürzlich von sich reden machte, spielt sogar in Botschaftskreisen. Die Witwe eines ehemaligen deutschen Botschafters ließ über einen Freund aus dem Golfclub die Sammlung des Verstorbenen offerieren. Fotos wurden geschickt und der Sammler in Deutschland zeigte sich interessiert. Die Identität und die Geschichte des Botschafters wurde recherchiert und erwies sich als stimmig. Nach mehreren deutschsprachigen Telefonaten mit dem Vermittler der Witwe in Manila (Er nannte sich ‚Herr Berger’) wurde ein stattlichen Betrag überwiesen – die Ware wurde nie nach Deutschland verschickt. Seitdem ist ‚Herr Berger’ persönlich nicht mehr zu sprechen. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.